Bebek Café

„Gewiss leben wir in verschiedenen Welten mein Freund“, sagt Daniel. „Wo du recht hast, hast du recht. Wie können wir das verhindern? Wenn man bedenkt, wie schwer es einem fällt, sich in das Seelengerüst seines nächsten Mitmenschen einzufühlen, dann ist es doch wohl ein leichtes zu begreifen, wie schwer es ist, die Empfindungen und Emotionen auszuloten, die ganze Kulturen bewegen“.

„Ich bin begeistert von der Kunst der Polarisierung“, erwiedert Erdal. Beide sitzen gegen Abend im Bebek-Café, einen zum charmanten Szenetreff mutierten alten Kaffeehaus neben einer kleinen schmucken Moschee aus dem beginnenden 20. Jhd. Das Café befindet sich im gleichnamigen äußerst idyllischen Uferviertel, direkt an der europäischen Seite des Bosporus, der Meeresenge, die bekanntlich die Großmetropole Istanbul in Europa und Asien unterteilt. Bebek ist „das“ Nobelviertel der Stadt, an dessen Uferpromenade die Edeljachten der oberen 10.000 Türken anliegen. Es herrscht ideales Herbstwetter mit T-shirt-tragetemperaturen anfang Oktober. Im Café selber tummeln sich die Elitefreaks der Nation. Meist wohlhabende, gutausgebildete, mehrsprachige Bohemiens und Weltenbürger, Menschen, die den ganzen Tag Business machen mit ’nem Gläschen Tee in der Hand, Mobiltelefon am Ohr und sich auf der Weltkarte auskennen, wie Hochseekapitäne. Alle tragen sie die obligatorische Jeans und den ausgelassenen Freizeitlook, der dieserorts das Businessoutfit ersetzt.

Bebek Istanbul

Die Bebek-Bucht am Bosporus - Mußeort für Alltagsgauner und gehobenes Bürgertum

„Ja“ fällt daraufhin Daniel wieder ein: „Die Polarisierung – der ideale Fluchtpunkt für eine solche Stadt und ihre Bewohner. Nichts ist hier leichter zu erzeugen, als das. Z.B. braucht es nur eine etwas misslungene Papstrede und schon wird ein Passagierflugzeug der Turkish Airlines auf dem Weg nach Rom entführt. Alle Welt erwartet den blutrünstigen Racheakt eines gekränkten Fundamentalisten. Dabei ist es nur der Nachfahre von einst zum Islam zwangskonvertierten Christen, der mit der Flugzeugentführung den Vatikan auf seine persönliche schwierige Situation als Fahnenflüchtiger hinzuweisen sucht und keine Lust hat in der Armee eines muslimisch geprägten Landes zu dienen. Der Flieger wird noch am selben Abend friedlich und ohne menschliche und materielle Verluste zu Boden gebracht. Die Entführer sitzen im italienischen Gefängnis und der Medienapparat beginnt die Tagespresse peu á peu mit Gerüchten, Zitaten, Ausschnitten aus Bekennerbriefen, Verschwörungstheorien etc. zu füttern. Natürlich ist nicht ganz klar, wer, warum, weshalb. Superstory, kann man noch ein bisschen dehnen. Bam – perfekt – sitzt wie ein Ass im Ärmel“.

Daniel und Erdal sind zwei von drei, etwas verlottert aussehenden Lokalhelden, die sich gerade zu einem Tee hier getroffen haben und sich köstlichst amüsieren. Die äußere Erscheinung ist hier nicht so wichtig für Leute wie sie. Man kennt sie und weiss ihre direkte, unverblümte Art zu schätzen. Erdal ist ein Schauspieler, der sich sein Geld mit Auftritten in den landesweit recht beliebten Vorabendserien verdient, Daniel hingegen ein stadtbekannter Freak, Barbesitzer, Diamantenhändler, Hans Dampf in allen Gassen. Wenn man ihm in sein schmales verschmitztes Gesicht mit seinen stahlblauen Augen sieht und ihn unentwegt schnattern hört mit seiner hohen, aufdringlichen Stimme, dann kann man sich den kleinen Lausejungen gut vorstellen, der sich die Tage und Nächte am Ufer des Bosporus rumschlug, kreischend von den hohen Aufbauten der Fischkutter ins Wasser sprang und mit der bloßen Hand die Meeräschen aus dem Wasser holte, indem er sie schwärmeweise mit kleinen Brotklumpen anlockte.

Zu guter letzt wäre noch Ümit zu nennen, ein etwas gealterter, jedoch sehr erfolgreicher Popmusiker und Superstar mit Attitüde. Er ist nicht nur älter, sondern auch etwas erfolgreicher als die beiden anderen, was ihm anerkennende Blicke von allen Seiten einbringt, die er mit routiniert zurückhaltender Geste erwidert.

Die Unterhaltung dreht sich – wie so oft – um das Land. Man macht sich lusig, über die Bemühungen der Regierung, einen souveränen Staat vorzutäuschen. Szenarien werden am Tisch im Bebek-Café in drehbuchartigen Skizzen improvisiert. Wunderschöne tragikomische Momentaufnahmen aus der Realität dieses Planeten.

Sie leben in einer Welt, in der die Staatsreligion längst Einzug gehalten hat in alle Bereiche der Tagespolitik, der Medien und sogar den großen neuen Pop- und Modephänomenen ihre Ränge streitig macht. Es ist Fastenzeit. Der heilige Monat Ramadan verlangt den liberalen Gesellschaftsschichten – besonders den etwas populäreren Bohemiens und Künstlern – viele Entbehrungen ab. Man fühlt sich seltsam schuldig beim Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit. Und wenn man nichts dergleichen tut, kann man trotzdem die Frage nach der Einhaltung des Fastengebots in den Augen der Passanten lesen. Mehr als je zuvor wie es scheint.

Ümit beschwert sich über die subtile und öffentliche Allmacht der Imame und Religionsgelehrten in den Fernseh- und Radiokanälen und droht damit, wegzuziehen: „Nach Europa? Niemals! Ich war schon oft auf Tour dort. Es ist herrlich. Die Ordnung, die Ruhe, die Parkanlagen, keiner belästigt dich, keiner will dir auf der Straße was andrehen. Anfangs war es wie im Traum. Die Parks liebte ich besonders. Ich konnte stundenlang dort sitzen und lesen, die Menschen beobachten und die Muße walten lassen. Aber wenn man aus einer Stadt wie Istanbul kommt, dann wird einem das nach ein Paar Tagen zu viel. Irgendwann war ich soweit, daß ich die Leute anbrüllen hätte können: `Macht doch mal einer den Mund auf, verdammt! Wie kann man nur so lange, so still vor sich hinsitzen? Hat denn keiner was zu sagen, in diesem verfluchten Park?‘. Nein, nein mein Freund. Für mich gäbe es nur eine Alternative: New York – Amerika natürlich, was sonst?“

Ungläubiges Schmunzeln in der Runde. Es wirkt so, als hätte er das schon oft gesagt, der Ümit. Seine Klage verebbt im herbstlichen Abendhimmel an dem sich der Sonnenuntergang lange zuvor durch ein sanftes Farbenspiel ankündigt. Die Stadt der Städte ist wieder einmal zum verlieben. Also stimmen alle ein in einen Lobgesang auf ihre Heimatstadt, so als ob sie die bösen Geister, die Ümit mit seiner wehklagenden Drohung vermeintlich rief mit einer Art andächtigen Buße vertreiben wollten. Für eine kurze Zeit wird der Zynismus und das Gelächter unterbrochen durch eine fast besinnliche Stille, die sich am Tisch breitmacht.

In diesen kurzen Moment der Stille platzt nun Erol hinein, der schon von weitem mit ironischem Gezeter empfangen wird. Erol ist – laut Daniel – Professor der Alltagsgaunerei und, ebenso wie dieser, am Bosporus geboren und aufgewachsen. Er verdient sein Geld mit zwei illegalen Autoparkplätzen, die er in den Seitenstraßen des Beyogluviertels im Zentrum der Stadt betreibt und dem Handel mit Booten, Jachten und Liegeplätzen im Hafen von Bebek. Ein recht unscheinbarer, herzlicher Typ, der kein Problem damit hat, über seinen Tagesablauf und über Geld zu reden. Erol lädt die Gesellschaft auf ein bescheidenes Fischerboot ein und man beschließt, dort gemeinsam einen zu kiffen. Ümit ist das zu riskant – er hat ein Ansehen zu verlieren und will die Herzen seiner großen Anhängerschar nicht mit skandalösen Presseberichten brechen. Er verlässt die Gruppe.

Die bürgerliche Gesellschaft der Millionenmetropole geht mit Kind und Kegel an der Promenade spazieren, während der Rest der lässigen Truppe unter den überraschten Blicken der Passanten gemütlich am Ufer entlangschlendert, das am Dock anliegende Boot besteigt und es sich darin gemütlich macht. Sie sind sich ihrer Sonderrolle bewusst und geniessen sie.

Erdal, der etwas stämmige und immer etwas verkatert wirkende Schauspieler mit den kurzen, dunklen, lockigen Haaren und dem massigen Gesicht trägt eine Fischerweste über dem abgetragenen Flanellhemd, aus deren linker Tasche er eine Tüte mit Gras und den sonstigen Rauchutensilien kramt. Währenddessen hat es sich Daniel in der Kabine des Fischerbootes gemütlich gemacht, das so angetaut ist, dass man das Geschehen im inneren des Bootes von der Promenade aus nicht sehen kann.

Daniel plant eine Musikproduktion mit Ümit und einigen anderen national und international bekannten Musikgrößen. Er beschwert sich darüber, dass Ümit in der Öffentlichkeit oft als ein zum Islam konvertierter Jude bezeichnet wird, nur weil er einen etwas aussergewöhnlich westlich klingenden Nachnamen hat, zumal diese Gerüchte immer eine etwas negative Konnotation tragen. Erdal schlägt Daniel vor, dass dieser einen bekannten armenischen Perkussionisten und Sänger in sein nächstes Projekt miteinbezieht, aber dieser ist Daniel zu sehr auf die armenisch-türkische Problematik fixiert und sorgt regelmässig zu sehr für Unruhe mit seinen emotionalen Statements. „Die Volksseele ist empfindlich. Es ist eine Zeit, in der die EU-Aufnahmeverhandlungen sowieso schon soviel Staub um die Minderheitenrechte aufwirbeln. Das ist für ein kommerziell gepoltes Musikprojekt zu riskant“.

Da betritt eine zierliche weibliche Gestalt das Boot. Sie hat ihre Haare zusammengebunden und trägt eine Sonnenbrille und einen weissen Fleur um den Hals. Sie heißt Sibel und ist Grafikerin ohne feste Bleibe, die sich temporär auf dem großen Boot des Hafenbetreibers Burhan eingerichtet hat.

„Hast du den Typen jetzt endlich angerufen?“ fragt Daniel sie unmittelbar, nachdem sie es sich auf der Seitenbank gemütlich gemacht hat und einen Zug von dem Joint genommen hat, der gerade ‚rumgeht. „Nein, Daniel!“ antwortet sie mit einem verschmitzt mitleiderregenden Gesichtsausdruck. „Ich sage dir, irgendetwas passiert mit mir. Ich bin zu einer Frau geworden, die Jobs aus Willkür ablehnt, oder weil ihr die Arbeitszeiten nicht passen, und das, obwohl sie keinen Cent besitzt und eigentlich dringend arbeiten müsste. Ich bin eine verwöhnte Zicke, Daniel!“.

Daniel ist so etwas wie eine Mischung aus guter Geist und autoritärer Pate. Er fühlt sich für alles und jeden zuständig und verbringt viel Zeit damit, seinen Mitmenschen zu helfen und dadurch seine Anerkennung in der Gruppe zu festigen. Man kann eigentlich sagen, dass das sein Hauptjob ist. Er ist anfang Vierzig und wohnt in Baltalimani am Bosporus und hat einen Chauffeur, den er sich mit ein Paar Freunden teilt. Dieser Chauffeur kauft für ihn ein und kutschiert ihn duch die Gegend, wenn er mal gerade nicht mit seinem Motorrad unterwegs ist.

Wie er sich das leisten kann, weiss keiner so genau, denn er erzählt immer davon, dass er sein durch Diamantenhandel verdientes Geld immer sehr schnell wieder verprasst. Daniel entstammt einer angesehenen jüdischen Händlerfamilie. Die Tatsache, dass seine Großmutter ihm immer noch selbstgemachtes Essen in rauen Mengen nach Hause schickt, nimmt er gelassen. Diese Lieferungen sind teilweise so umfangreich, dass Daniel und seine Freundin regelmässig Freunde zum Essen einladen müssen, da sie sonst nicht wüssten, wohin mit den ganzen Leckereien. Und das Essen zurückzuschicken, würde der Oma wahrlich das Herz brechen.

„Ich werde dir mal was sagen, Mädel“ setzt Daniel zur Antwort auf Sibels Selbstbekenntnis an: „ Meine Oma sagt: Wenn du im Recht bist, steh aufrecht, aber wenn du im Unrecht bist, senke dein Haupt in Erwartung des Henkerbeils. Du musst dich leider von mir zusammenscheissen lassen, meine Gute. Hör mal: Du jammerst mich die ganze Zeit voll, dass du’n Job brauchst. Ich setze für dich sämtlichen Beziehungen in Bewegung, um dir ein Vorstellungsgespräch zu verschaffen und du antwortest mir mit so was.“ Erol mischt sich ins Gespräch ein und empfiehlt Sibel, dass sie sich als Mittellose bei der Bezirksdirektion melden soll. Er hätte das auch so gemacht und würde immer noch eine kleine Hilfe vom Staat beziehen.

Allgemeines Gelächter.

„Du hast ja gut lachen mit deinen ganzen Diamanten, die du in deinem Geheimdepot verwahrst.“, meint Erdal zu Daniel. Daraufhin folgt eine imaginäre Auflistung der Vermögensbestände aller Anwesenden, die unter gemeinsamem Gelächter fortlaufend um kleine hinzugedichtete, abstruse Details ausgeschmückt werden.

In das Gelächter fällt der 4. Gebetsruf des Muezzins. Er läutet gleichzeitig das Abendessen für alle fastenden Muslime ein. In grösseren Städten ertönt der Ruf des Muezzins immer mehrstimmig, je nach dem, wie viele Minarette gerade in Hörweite sind.

Sibel hat sich zurückgelehnt und betrachtet die Sterne. Still wird der Joint weitergereicht.

Ich mag Facebook nicht

Ich mag Facebook nicht, denn es frisst Zeit, bindet Energien und Aufmerksamkeit und gaukelt einem vor, man wäre mehr als je zuvor in ein soziales System eingebunden. Es verändert einen. Man kauft sich ein Smartphone und stellt Bilder Online. Man ist ständig am Kommunizieren, ohne wirklich zu kommunizieren.
Man wird zur Marketingmaschine, die vermeintlich sich selbst promotet (ideal für Kreative, Musiker etc.), aber eigentlich promotet man nur Facebook.
Schlimm ist es, dass die meisten, die ich kenne, einen komischen Rechtfertigungsprozess aufrollen, wenn sie jemandem wie mir begegnen, der Facebook nicht mag und auch offen dazu steht. Es ist wie mit religiösen Fanatikern, die dich unbedingt von der Richtigkeit ihres Tuns überzeugen müssen, damit sie nicht in ein Gewissensloch fallen und ihre bröckelige Fassade auch den heutigen Tag noch übersteht. So hat man ständig mit einer unglaublich effektiv funktionierenden Missionierungswelle zu kämpfen, der man sich kaum entziehen kann.
Deswegen habe ich jetzt auch einen Account, den ich so gut wie nie nutze. Aber ich habe einen – für alle Fälle. Obwohl mich diese erhobenen Daumen und diese ständigen aufdringlichen Forderungen nach meinen Privatinfos, Bildern, Kontakten, Berufliche Infos, Vorlieben etc. schon anekeln. Auch wie sich meine Freunde zu hippen Facebookfanatikern wandeln, die alle schon in der selben Sprache miteinander reden, ekelt mich eigentlich an. Dadurch werden alle so gleich, obwohl sie doch im Grunde so viel Wert auf Individualismus legen. Auch dieses ständige gut drauf sein ist doch fürn Arsch – mal ganz ehrlich – das glaubt euch doch eh keiner! Und wenns so wäre, dann müsstet ihr schon sehr ignorant sein in Anbetracht der heftigen Dinge, die sich gerade auf der Welt ereignen. Ich mag meine Freunde auf jeden Fall viel lieber ohne Like-Button unter dem Kragen.
Alle werden sie zu Vasallen eines gewieften Geschäftsmannes in seinen End-zwanzigern, der sich jetzt einiges erlauben kann. Er hat fast die ganze Kommunikation im Netz vermonopolisiert. Eine Firma kontrolliert die Online-Kommunikation der ganzen Welt und alle machen grinsend mit.
So ging es mir mit Myspace auch schon. Wobei ich ehrlich gesagt jetzt das alte Myspace herbeisehne. Da war alles noch etwas sinnvoller und nicht so verdammt aufdringlich. Auf Myspace waren viele Menschen kreativ, machten Musik oder sonstirgendwas. Auf Facebook wird Alltagsbanalität produziert, nur etwas oberflächlicher als im wirklichen Alltag. Es ist dröge und dämlich, finde ich.
Und immer diese rumargumentiererei: „Aber ich habe so viele Leute auf Facebook wiedergefunden, die ich wohl sonst nie mehr wieder gesehen hätte“ – Na und? Du bist doch nur ein Mensch. Du kannst nicht mit der ganzen Welt kommunizieren, auch wenn dein Smartphone dir was anderes predigt! Besinn dich mal aufs Wesentliche. Und mal ganz ehrlich: Willst du wirklich jeden wiedersehen aus deiner Vergangenheit? Man hat doch immer nur ein Idealbild von früheren Bekannten und das trifft doch in den seltensten Fällen noch zu. Und im Grunde ist es doch so: Wenn jemand dir wirklich noch seelisch nahe ist, dann taucht der schon wieder auf. Keine Sorge!
Also ist Facebook einfach nur eine Illusion, ein Bedürfniss, dass nicht wirklich vorherrscht, sondern uns nur als Notwendigkeit untergejubelt wird, damit wir mehr Geld verdienen, um noch mehr Geld ausgeben zu können.
Sogar mich hatte mal der Rappel gepackt und ich dachte mir: „Los, du musst jetzt dein Leben verändern: Twittern, Facebooken, Bloggen was das Zeug hält, ein Macbook kaufen, ein Tablet, ein Smartphone, Kindle und und und….
Und dann hat Gott sei dank die alltägliche Lethargie wieder eingesetzt und sich von alledem nur noch dieser lumpige Blog erhalten, den ich aktualisiere, wenns mir gerade passt.
Ich habe eh wenig Zeit für Muße. So hätte ich mir selber die Zeit gestohlen und mein Geld verschwendet. Gesegnet seien die Gemütlichkeit und die Lethargie. Sie haben mich vor der Versklavung bewahrt.
Die grosse Masse der Menschen, sind nämlich Sklaven und sie waren es schon immer. Facebook ist ein grosser Sklavenzoo.

Sklavenzoo!
Sklavenzoo!
Sklavenzoo!

Jetzt Reichts: Basheer al Assad hat Emailkontakt mit Verehrerinnen!

Einsame Despoten in der Endphase ihrer Ära haben eine enorme Wirkung auf die Menschen. Natürlich auch auf mich. Ich versuche sie mir vorzustellen in einem ihrer riesigen Paläste, in einem großen Schlafgemach mit barock-kitschiger Ausstattung. Vielleicht sitzen sie am Computer und surfen studenlang sinnlos in der Gegend rum, um sich abzulenken, wie unsereiner auch, wenns ihm mal schlecht geht.

So auch vielleicht die Situation bei den Assads: Vielleicht liegen ihre Klamotten kreuz und quer im Zimmer nach dem späten Frühstück, dessen Reste noch auf dem Tablett zerstreut sind und Frau Assad liest gerade Vogue, gelangweilt im glitzernden Seiden-Negligé, das in dem überspannten Basheer schon lange keine Libidoregung mehr hervorruft. Die Kinder sind schon ausser Landes gebracht, die Entourage verzieht sich peu á peu. Die Macht versickert in den Ritzen und Ecken des Palastes, hinter den Girlanden und Bordüren, den überladen verzierten Aufsätzen der vergoldeten Möbel.

Ach, was weiss ich? Irgendwie gewöhnt man sich an die Systematik, die hinter den politischen Vorgängen im vorderen, mittleren und fernen Orient innerhalb des letzten Jahrzehnts zu stecken scheinen: Twin Towers, Colin Powell, Afghanistan, Irak, Saddam, Ghaddafi, Mubarak, Osama und jetzt Basheer. Die Demontage einer selbstinstallierten Gaunerriege schreitet voran. Die Geheimdienste arbeiten im Akkordbetrieb. Meinungen werden gemacht, Nachrichten manipuliert, Menschen diskreditiert und die Öffentlichkeit wird abgelenkt, wie eine Katze mit dem Ball an der Schnur. Und wenn sie springen soll, dann springt sie schon – früher oder später!

Die Katze namens „weltweite Öffentlichkeit“ hat schon einige Spielzeugbälle verschlissen. Der neueste heisst jetzt Basheer al Assad. Bald wird auch er zerfetzt sein, blutverschmiert und besudelt mit Dreck. So wird er aus irgendeinem Loch gezogen werden von seinem ehemals treu dienenden Volk.

Was mag so ein Despot an seinen letzten Tagen wohl denken? Das interessiert uns natürlich und wir sind verwundert darüber, dass abgefangene Privatmails ein ganz anderes Bild von Basheer zeichnen: äußerst gelassen scheint der Bösewicht mit attraktiven Frauen weltweit romantisch zu flachsen, während seine nicht minder attraktive Ehefrau ihre Aufgabe als solidarische und loyale Despotenhausfrau zu erfüllen scheint.

Wir wundern uns über Vorlieben und Musikgeschmack des Diktators, der bis vor kurzem noch ein opportunes Staatsoberhaupt war. Wir wundern uns, ob der vermeintlich gänzlichen Ignoranz, seinem bevorstehenden Schicksal und der Greuel gegenüber, die er gerade seinem Volke antut.

Wir wundern uns und suhlen uns in unserem Voyeurismus. Nur über eines wundern wir uns nicht: das es daran eigentlich nichts zu wundern gibt, denn wir tun ja das selbe tagein tagaus. Ist es verwerflicher, wenn ein Despot genau das tut, was Milliarden von Menschen auf dieser Welt auch tun: Schlechte Musik hören und ihre Frauen betrügen?

Unser Wundern zeigt nur eines auf: unsere Entmenschlichung und unsere Naivität, die uns ganz vergessen lässt, dass dieses Tier, dass wir da betrachten, eigentlich in uns allen steckt.

Wir sind eben Menschen und haben uns technisch wahnsinnig entwickelt seit der Steinzeit, aber in unserer menschlichen Entwicklung gab es da relativ wenige erwähnenswerte, effektiv und nachhaltig wirkende Errungenschaften.

Bin ich cool?

Ich sah ihr lange tief in die Augen und wunderte mich über meine eigene Dreistigkeit
Sie war unnahbar. und sie schmetterte meinen Blick mit einem Hauch von Ignoranz ab. Wohl in der Annahme, dass dieser Hauch ausreichen würde, um ihr Ego zu befriedigen. Das tat er dann wohl auch. Solche Blicke sieht man viele und es werden immer mehr.

Es sind coole Blicke mit den stereotypen Merkmalen einer urbanen Sexyness, eingehüllt in Farbvarianten von orientalisierenden Schals und V-Ausschnitten in male und female. Man bemerkt, wie man selbst diese Merkmale karikiert, aber sie dennoch irgendwie übernimmt, wie sie ganz subtil übergehen in die eigene Identität.

Mit Schaudern entdeckt man dann dieselben Merkmale auf dem Titelbild einer Livestyle-Zeitschrift für Twens, die beim Bäcker auf dem Tresen liegt.

Spätestens dann wird einem bewußt, dass man auf dem Holzweg ist, dass man sich vorgegebenen Marketingmustern schon längst gefügt hat, dass man sich auf der Suche nach sich selbst im Unterbewusstsein eines semiprominenten Sternchens verloren hat.

Im Endeffekt wissen wir alle, dass wir uns unseren Anspruch auf ewige Coolness abschminken können. Irgendwann bricht sie in jedem auf, die Uncoolness – das Unbeholfene – und bringt uns für Bruchteile von Sekunden zurück in die Kapsel unserer embryonalen Unschuld.

Dort fühlen wir uns doch am wohlsten, aber wir können diesen Zustand nicht ertragen, weil wir genau um die Schutzlosigkeit bescheid wissen, die derselbe mit sich bringt und weil wir wissen, wie Menschen sich auf schutzlose Embryonen stürzen in dieser Welt der zivilisierten Hyänen.

Vor allem weiss man über die eigene Grausamkeit bescheid. Im tiefsten Unterbewußtsein lauert das eigene Tier.. Es ist die Angst vor diesem Tier, das das klare Bild vom Bösen in unserem Kopf definiert. Kein wunder, dass dann natürlich immer die anderen Schuld sind.

Meist sind es die, die sich vermeintlich immer besser darzustellen wissen, als wir selbst. Immer in der richtigen Welle liegen, die jetzt als cool gilt: egal ob nachhaltig denkend, oder koksend im Retro-Porsche Carrera. Je nachdem, was gerade so ansteht. Flexibilität ist das Stichwort der Zeit!

Eine Coolness-Kategorie wäre damit schonmal umrissen: Nämlich die derjenigen, die sich selbst immer in lässiger Überlegenheit sehen. Dann gibt es noch die, die sich nie so bezeichnen würden, aber insgeheim immer hoffen, das die anderen das tun. Und es gibt diejenigen, die bewusst uncool sind. Die sind einfach nur nervig. Ja und zu guterletzt gibt es ja noch die, die primär nie an Coolness denken, ja gar nicht so recht wissen, was damit gemeint ist. Das sind mitunter die coolsten.

Wo ist die fremde Stadt?

Wo ist die fremde Stadt? Die unbekannte? Du weisst schon, was ich meine.
Die Stadt, die dir noch nicht gehörte.
Die, deren Wände du anmaltest mit Adrinalin im Hals und einem rollenden Beat im Ohr.
Du weisst doch?
Die Stadt in deren Schoß du die Strömung entfachtest, als noch niemand davon wusste.
Die Stadt, die deine Kultur und Religion ist in der Nacht.
Du warst dein Name und deine Marke. Du warst funkelnd und leuchtend. Du bist in die Luft gegangen wie eine Rakete auf Cape Canaveral… in der Stadt, die ich meine.
Du warst eine Farbexplosion und du warst alleine und in abermillionen Teilchen aufgeteilt.
Du warst du und die Stadt war eine dunkle unentdeckte, unerklärliche, mystische…

Wenn du gelaufen bist, dann nur für dich und du hast dich gesehnt nach allem unerklärlichen und bist davor geflohen.

Die Gesellschaft um dich herum war eine unwesentliche Galaxie.
Jetzt hängt ein Preisschild an ihr.
Und auch an der Stadt hängt eines.
Und auch an der Nacht.

Und an dir hängt auch eins dran.