Die unerschöpfliche Quelle der Obsession des Westens: der Osten.

Ich muß zugeben, ich stand unter Schockstarre die letzten Jahre. Deswegen gab es hier auch relativ wenig zu lesen. Dabei hat die Pflicht heftiger als je zuvor gerufen. Aber ich war nicht in der Lage irgendetwas zu unternehmen. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und habe mich der Sorge, dem Schock und der unfassbaren Überforderung hingegeben. Das gebe ich zu. Ich war auch ein Stück weit feige, Gesicht zu zeigen für meine Überzeugung.

Ich fühle mich entwürdigt, meiner Menschlichkeit beraubt. Ich habe das Gefühl, mein Gewissen ist beschmutzt, ohne dass ich etwas dazu beigetragen hätte. Das geht mir schon seit längerem so – eigentlich spitzt sich dieses Gefühl seit Corona schon zu. Als Mensch mit einem Gewissensanspruch hat man immer mit Sorge und Angst zu kämpfen. Sie fordern so oder so ihren Tribut. Gegen die Niedergeschlagenheit bäumt sich jedoch bei mir immer ein innerer Wissenshunger auf. Je besser man diesen füttert, desto stärker wird man – davon bin ich überzeugt. Das gab mir schon immer Hoffnung. Jedoch ist der seelische Heilungsprozess keine einfache Angelegenheit und folgt mitnichten immer einer lineare Entwicklung. Der Weg ist gespickt mit Rückschlägen und tagelangen Lähmungphasen, in denen nichts geht, die Kreativität einen komplett verlässt und man nicht mehr unter Menschen gehen will. So geht es mir momentan. Ich kann nur einen Bruchteil meiner Lebensenergie nutzen. Jeden Tag quält mich die Frage: wozu das alles? Wozu?

Misstrauen macht sich breit. Man denkt sich: wenn so viele schlimme Dinge passieren und diese Gesellschaft kaum berührt davon scheint – ja, dann kann man ja überhaupt nicht sicher sein, mit welchen seelischen Abgründen – abgesehen von seinen eigenen – man es tagtäglich zu tun hat da draussen? All diese öffentlichen Aussagen, all die Polarisierung, all die Gehässigkeit, die ihren Platz finden auf prominenten Plattformen – vor allem in der Politik. Aber schlimmer als all das ist das Schweigen, die Ignoranz…das Geheuchele…das Versteckspiel und die Selbstlüge…dieses „tun, als ob alles seinen geregelten Weg gehen würde“ – dieses „so tun, als ob die Resillienz unserer freiheitlich demokratischen Grundlage nach wie vor durch nichts zu erschüttern sei“.

Nun – die Pflicht ruft und ich werde ihr nunmehr nachgehen, denn ich habe begriffen, dass vor der Zuversicht noch eine viel wichtigere Haltung einzunehmen ist: nämlich die auf der richtigen Seite der Geschichte. Und das ist IMMER eine Entscheidungsfrage. Es ist so, als würde man auf ein Pferd nicht deswegen setzen, weil es die besten Gewinnchancen hat, sondern weil es den entscheidenden Pfad nimmt, der nicht nur dem siegessüchtigen Ego den Gewinn bringen könnte, sondern einer kollektiven Würde, nicht nur einer menschlichen Würde, sondern der Würde des Lebens. Wenn ich Abrahamit wäre, würde ich jetzt sagen: die Würde der Schöpfung. Aber ich bin kein Abrahamit. Für mich gibt es keinen Gott, den wir uns nicht selber geschaffen haben. Wir sind Gott und wir sollten endlich akzeptieren, dass wir die Verantwortung für dieses ganze Glück und auch diese Armseligkeit zu tragen haben, denen wir hier ausgesetzt sind. Wir können die Verantwortung nicht abgeben – nicht beim Gebet und nicht im Beichtstuhl – auch nicht im Gotteshaus.

Wir sind die Herren über unsere Abgründe – niemand sonst – kein höheres geniales Wesen, dessen Herkunft ein Mysterium ist. Denn seien wir mal ehrlich: wir Menschen sind so selbstsüchtig, dass wir eh niemanden über uns akzeptieren, der unsere Geschicke kontrollieren könnte. Deswegen haben wir uns unsere Götter immer selber geschaffen, denn die Wesen der eigenen Fantasie kontrolliert man immer selber. Auf sie kann man alles Projezieren, was Verantwortung mit sich bringen könnte. Gott ist unsere Flucht vor unserer Verantwortung. Das ist meine Meinung zu Religion. In jungen Jahren schon habe ich mich von einem Gottesbild gelöst und mich darauf eingelassen, dass ich ganz alleine für mich verantwortlich bin für meinen Bockmist in diesem Universum und mir keine Sau dabei behilflich sein kann. Mutterseelenallein werde ich im Angesicht des Todes sein und habe auch kein Problem damit.

Kommen wir zur Sache: wir sind uns wohl alle bewußt, dass wir seit einigen Jahren händeringend versuchen, eine Normalität zu wahren, von der wir uns eigentlich vollkommen im klaren sind, dass sie nicht mehr existiert. Wir befinden uns mit all unserem sorgfältig aufgebauten westlich-weißen Unbewußtsein im freien Fall. Lange genug haben wir uns in einem Status befunden, in welchem alles machbar schien. Wir waren stolz auf unsere Freiheiten, von denen wir glaubten, dass sie für alle Menschen in der Welt erreichbar wären, solange man nur hartnäckig an sich selbst glaubt und den Kopf nicht hängen lässt. Alle waren ihre eigenen Helden und wer dazu nicht in der Lage war, ging entweder zur Yoga-Stunde, zur Selbsthilfegruppe oder eben zur Arbeitsagentur, bzw. zum Jobcenter. Für alles gab es eine Lösung. Wir waren Herr*innen unseres eigenen Schicksals.
Unser Selbstbild war geprägt durch die Errungenschaften die wir uns auf dem Weg von der französischen Revolution bis in die Moderne erarbeitet hatten. Wir hatten 2 Weltkriege hinter uns gebracht, uns gegenseitig niedergemetzelt und dann wieder zusammengerauft, um uns über Jahrzehnte als der gute, weise, wohlhabende Teil der Menschheit zu feiern. Schon nach ein paar Jahren nach der 2. Riesenkatastrophe, die wir uns angetan hatten, wurden wir jedoch wieder über jeden Zweifel erhabene Humanist*innen, die integersten Wesen, die das Universum je erlebt hatte. Statt mal endlich die Fresse zu halten waren wir felsenfest davon überzeugt, das wir, die wir die Menschheit in die dunkelsten Abgründe entführt hatten, sie nun wieder ins Licht zu führen vermögen würden. Welch privilegierter weißer Mindfuck!

Demut?

Fehlanzeige!

Demut ist nichts für weiße Menschen!

Die furchtbaren Zeiten schienen lange vorüber und hatten ihre drohende Präsenz sofort wieder verloren. Wir waren auf dem Weg in ein ganz neues verheißungsvolles Zeitalter. Wir hatten lange Anlauf genommen und hatten nun zum euphorischen Sprung über die Zeit des kalten Krieges angesetzt und…hatten uns – akkurat Murphy’s Gesetz folgend – in der Luft eine Sehnenzerrung zugezogen. Das Problem war: wir waren schon sehr weit oben – der Fall reicht deshalb tief. Das erkennt man daran, dass der Aufprall immer noch nicht stattgefunden hat – also zumindest bei uns in Europa nicht. Kurz vor dem Aufprall schwerelos schwebend – genau das ist das Gefühl, dass ich gerade habe. Versteht mich nicht falsch: ich möchte niemandem die Zukunftsvisionen verderben, aber ich kann mir dieses Gemisch aus Rassismus, Faschismus und monströsem Unmenschentum, das jeden Tag in panischen massenhysterischen Eruptionen explodiert nicht schönreden.

– Die gruseligen Straßenszenen in den USA, wo Menschen von vermummten, bis über die Zähne bewaffneten anonymen Gestalten nach rassistischen Merkmalen von der Straße weg in riesige Jeeps gezerrt, auf offener Straße ermordet, oder in eigens dafür entwickelte Sammelhaftanstalten gesteckt werden.

– Die Ignoranz der weißen Welt gegenüber der flächendeckenden Bombardierung des Gazastreifens, den zehntausenden zivilen Opfern, den Massen an toten Kindern, vor allem den Verletzten und für immer entstellten, verkrüppelten, traumatisierten Menschen, den unzähligen vermissten (die Schätzung liegt bei insgesamt über 500.000 Toten und Vermissten).

– Die feine weiße Welt, die sich sonst bei jedem Urteil der UN über Völkerrechtswidrigkeiten empört und leidend aufheult – wie erstaunlich gleichmütig sie sich plötzlich gegenüber den Machenschaften einer rechtsradikalen, faschistischen israelischen Regierung gibt, deren Premier ein international gesuchter Kriegsverbrecher ist, deren Mitglieder und ihr Umfeld offen und ungeschminkt herausposaunen, dass sie eine ethnische Säuberung begehen, dass sie alles und jeden mit palästinensischem Hintergrund als Feinde sehen und vor allem die Kinder ins Visier nehmen, die ganz klar die völkerrechtswidrige Okkupation des Westjordanlandes nun durch die Knesset legalisieren und in Form einer legalen Annexion umsetzen werden.

Ja – ich schreibe es hier offen: ich halte den Zionismus für eine der gefährlichsten Ideologien der Menschheitsgeschichte und halte es auch für verwerflich, Antizionismus mit Antisemitismus gleich zu setzen.

Ja – der Holocaust ist mit keinem anderen Völkermord zu vergleichen. Aber ganz ehrlich? Welcher Völkermord ist denn mit einem anderen gleich zu setzen? Will man jetzt allen ernstes die Völkermorde der Menschheit in eine hierarchische Skala einordnen und sie nach ihrer Qualität sortieren?

Vielleicht ist ja die Herausstellung des Holocaust in seiner Einzigartigkeit der klägliche Versuch der Nachfahren der Täter, sich selbst vom unerträglichen Bild des*r banal-bösen Parteigängers*in zu befreien, für das man sich zu gut ist – ein hartnäckiger Versuch, die Täterschaft als eine unerklärliche Ausnahme zu verklären? Vielleicht versucht man damit sogar seit Jahrzehnten eines zu kaschieren: dass man sehr genau weiß, dass die Nazis einem auch in der persönlichen Historie näher waren, als man je zugeben mag und mochte, dass sie nie weg waren, dass sie immer unter uns waren und es immer noch sind und zwar in allen Schichten der Gesellschaft in allen Ebenen des Staates – in fast allen Parteien und Organisationen, im Polizeiapparat, im Militär, im Beamtenwesen, in der Justiz und und v.m. – also flächendeckend in der gesamten Gesellschaft.

Und während wir tagtäglich immer wieder und wieder ein gemeinschaftliches „nie wieder!“ heraufbeschwören, geschieht es eben trotzdem immer wieder und immer mit deutscher Beteiligung und ist auch in der Zeit vor den beiden Weltkriegen passiert. Denn eine rassistische kollektive Entgleisung passiert nicht einfach so – aus unerklärlichem Grund – urplötzlich von alleine und keiner will es irgendwie gemerkt haben. Nein! Es greift auf Tradition und Gewohnheitsmuster zurück. Rassistische Strukturen wachsen nur dann so beständig, wenn sie über eine sehr lange Zeit und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Insbesondere hier in Deutschland wurde rassistisches Denken über ein Jahrhundert besonders sorgfältig entwickelt. Da darf keiner glauben, so etwas sei von einem Tag auf den anderen mit Konrad Adenauer und dem Wirtschaftswunder auf magische weise verpufft! Das war es nie! Nun ist es präsenter denn je, was diese meine Überzeugung zu bestätigen scheint.

Rassistische Theorie und Praxis war um die vorletzte Jahrhundertwende jedoch überall hip. Jede imperiale Macht, die etwas auf sich gehalten hat, hat sie gepflegt – nur so sind all die kolonialen Verbrechen möglich gewesen, die im Namen der feinen westlichen Lebensart durchgeführt wurden, von Sykes-Piquot, über Palästina, Algerien, Marokko, Sudan, Burkina Faso, Kongo, Indonesien, dem südamerikanischen Kontinent, etc. etc. bis in die Gegenwart. Das sind alles Länder und Regionen, in denen vorerst koloniale und später imperialistische Erwägungen eine Rolle spielten und immer noch spielen. Die monströse Qualität der Verbrechen fußt auf der Entwicklung des industriellen Zeitalters – in dem wir uns meiner Meinung nach immer noch befinden. Dieses erforderte große globale Strategien – mit schlimmen Auswirkungen auf große Menschenmassen.

Die Gründung Israels ist das Resultat einer rassistischen Übereinkunft. Die einen Rassisten (Vertreter der Imperialmächte) wollten eine unliebsame Bevölkerungsgruppe aus Europa loswerden und den anderen (den Zionisten) kam dies sehr gelegen, denn sie benötigten eine monokulturell definierbare Volksmasse. Beim Anspruch auf eine elitäre Identität kamen sie schließlich alle zusammen: die Briten, Franzosen, Deutschen und auch die Zionisten. Sogar letztere beiden konnten sich in der frühen Phase des 3. Reiches sogar in grundsätzlichen strategischen Überlegungen gut einigen (s. Haavara Transfer abkommen auf bpb.de). Das die zionistische Idee mitnichten als politische Basis jüdischen Lebens fungiert, bestätigt die Tatsache, dass diese lange Zeit mit der Abneigung von jüdischen Gruppen aus aller Welt zu tun hatte, die ihre Vertreter gerne als euphemistische Zuwanderer der ersten Stunde im okkupierten Palästina gesehen hätten. Außerdem gibt es massig jüdische Stimmen aus den verschiedensten Regionen der Welt und auch in Israel, die sich einer Vereinnahmung der jüdischen Kultur durch die zionistische Idee verweigern!

Beim Zionismus geht es – wie bei allen auf der nationalen Idee basierenden Elementen des Weltordnungssystems – immer noch um das eine: um die Dominanz einer vermeintlichen Leitkultur, die eine nationale Identität bestimmt und im Idealfalle einem elitären übergreifenden Konsens zugehört. Der Erfolg der eigenen Identitätshaube wird durch die Mitgliedschaft in elitären Gruppen der Weltwirtschaft und des Militärwesens gemessen (G7, G9, Davos, Weltsichereitskonferenz, Nato etc.) Hauptsache ist, man gehört zu den „wertvolleren“ Identitätsgefässen auf dieser Welt.

So kann man sich in seiner Auffassung, zum „besseren“ Teil der Menschheit zu gehören alles erlauben – vorausgesetzt, das geopolitische Machtgefüge begünstigt einen. So war es wohl seinerzeit auch möglich, dass die Pioniere des Zionismus die Deklaration eines britischen Aussenministers als Legitimation nutzen konnten, einen Apartheidsstaat auf längst besiedeltem Gebiet zu errichten und die indigene Bevölkerung zu ursprünglich nichtexistenten Eindringlingen zu erklären, sie systematisch zu verdrängen, über Jahrzehnte hinweg in ihrer eigenen Heimat in abgesperrte Areale zu pferchen und zu isolieren – so wie ehemals in den USA, in Südafrika auch seit Jahrzehnten in Palästina geschen. Nun, da die politische Gemengelage durch die Machtübernahme eines großenwahnsinnigen Faschisten in den USA einem sogar noch mehr entgegenkommt, kann man sogar den dicht besiedelten Gazastreifen mit 2,5 Millionen Menschen am Anfang des 2. Jahrtausends nach Christi allen Ernstes mit der 6-fachen Explosionskraft von Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleich machen und davon ausgehen, dass der gesamte Westen – mit einigen wenigen Ausnahmen – nichts dazu zu erwidern hat.

Ein Völkermord ist durch nichts zu rechtfertigen – auch nicht durch den Anschlag vom 07. Oktober 2023. Militärische Gegenschläge haben Terror noch nie beendet, das wird auch mit diesem Gegenschlag nicht beabsichtigt und wird deswegen auch nicht gelingen. Wenn man wirklich ein Ende der Gewalt will, dann führt kein Weg daran vorbei, sich endlich mit historischen Zusammenhängen zu beschäftigen und diese anzuerkennen. Besonders in dieser Region kommt man an einer kulturell vielfältig zusammengesetzten Gesellschaftskonsistenz nicht vorbei. Der Begriff vom „Jüdischen Staat“ ist schon problematisch, denn man geht von einem Staat aus, der nicht nur kulturidentitär monolithisch ausgerichtet ist, sondern auch von der Religionszugehörigkeit seiner Bürger*innen her.

Diese Fragen müssen diskutiert werden können, ohne polarisierende Anfeindungen zu erfahren. Ich bin kein Antisemit. Ich hinterfrage lediglich die politische Agenda und Struktur eines monokulturell ausgerichteten Apartheidsstaats mit bekennenden Rechtsradikalen in der Regierungsadministration, dessen Streitkräfte gerade einen durch international anerkannte Gremien gesichert nachgewiesenen Völkermord ausüben. Auch die Aussagen des sich selbst als konservativ bezeichnenden Premiers unterscheiden sich übrigens nicht im wesentlichen von denen eines Rechtsradikalen. Noch dazu liegt aktuell ein Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshofs gegen ihn vor wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Ich habe an einer deutschen Uni gelernt, historische Zusammenhänge zu suchen und zu verinnerlichen, um sowohl historische, als auch gegenwärtige geopolitische Vorgänge zu verstehen. Nun will eine globale politisch rechtskonservative Elite von uns, dass wir diese Denkweise – lediglich im Zusammenhang mit diesem unmenschlichen Prozess in Palästina – nicht anwenden, denn es würde sonst die deutsche Staatsräson in Gefahr bringen. Die Staatsräson und die Beschwörung der Einzigartigkeit des Holocaust und somit der deutschen historischen Schuld erzeugt vielmehr das Trugbild, dass es nicht notwendig sei, ausserhalb dieses Themenkomplexes nach einer deutschen Beteiligung an Verbrechen an der Menschlichkeit zu suchen. Somit kann das, was im 3. Reich geschehen ist als unerklärlicher einzigartiger Sonderfall fokussiert werden und einer aufrichtigen Auseinandersetzung mit dem umfassenden aktuell vorherrschenden rassistischen Potential in der deutschen Gesellschaft ausgewichen werden.

Aber die Realität sieht anders aus: Deutschland ist auch auf globaler Ebene immer noch in Verbrechen an der Menschlichkeit verwickelt und es bahnen sich noch weitere an. Deutschland steht schon wieder sehenden Auges auf der falschen Seite der Geschichte. Und daran sind die politischen Kräfte aller Spektren beteiligt – auch die Grünen und die Linken. Die antideutsche Gesinnung sorgt für die Salonfähigkeit faschistischer und rassistischer Ideen in der Linken. Rassismus wird dadurch nicht hinterfragt, sondern einfach auf eine neue Opfergruppe projeziert: muslimisch gelesene Menschen (s. Skandalinterview mit Bodo Ramelow). Muslime sind nun – ganz verallgemeinert – die unwürdigen und bösen Menschen, genau so, wie es die Juden früher waren. Das antideutsche Denken ist meiner Meinung nach ein Verdrängungsmechanismus, welcher den in ihrem Selbstbild stark verletzten deutschen Nachkriegsgenerationen zunächst die empört-enttäuschte Distanzierung von ihrer identitär belasteten (Groß-)Elterngeneration ermöglicht, ohne sich mit der gesellschaftlich-rassistischen Tradition, in der sie sozialisiert wurden wirklich konfrontieren zu müssen. Als die neuen Nazis werden neben den Neonazis – von denen man sich selber eigentlich nicht wesentlich unterscheidet – nun vor allem die Muslime markiert!

Die Erde brennt!
Wir befinden uns in einer Phase der Menschheitsgeschichte, in der mehr Zerstörung und Krieg passiert als jemals zuvor. Und wir wissen und sehen alles! Wir wissen genau, was in Syrien, im Nordirak, im Sudan, im Kongo, im sogenannten Nahen, im sogenannten Mittleren Osten, im Iran, in Afghanistan, in Südamerika, in den USA, ja sogar in Grönland passiert!

Wir wissen ganz genau, was unsere Vorfahren verbrochen haben und wir wissen sehr genau, wie wir von alledem profitiert haben und immer noch profitieren! Und wir wissen sehr genau, dass wir überhaupt nicht in der Lage sind, zu den Konsequenzen zu stehen, die aus alledem erwachsen sind.

Wir bewerten die Welt aus unserer bequemen Perspektive heraus und glauben vieles über sie zu wissen. Wissen tun wir tatsächlich einiges, aber begriffen haben wir leider wenig!

Es ist ein Irrglaube, dass wir es uns leisten könnten, uns jetzt in eine wohlbehütete weiße kulturidentitäre Blase zurück zu ziehen, indem wir mit der extremen Rechten um die Deutungshoheit über dieselbe um die Wette kegeln.

Das wird nicht klappen, auch wenn wir unsere Kinder dazu zwingen würden, in den Schulen im Stundentakt die Europa-, Deutschland- und Bayernhymne hintereinander zu singen. Nationalidentitär können rechtsradikale Nazis wesentlich besser. Das Vertrauen in den Staat, in die Demokratie, in die Verfassung war jungen Menschen eh schwer zu vermitteln. Jetzt ist es fast unmöglich geworden. Gerade jetzt sollten wir uns mutig zu unserer gesellschaftlichen Vielfalt bekennen und diese in den Vordergrund stellen, statt eine national-fokussierte monokulturelle Mehrheitsgesellschaft zu besingen.

Die Kids sind nicht dumm. Sie beobachten die Welt genau und sehen, wie Trump, Musk, Merz, Thiel und alle anderen Wahnsinnigen sich an Legislatur, Anstandsregeln und auch ideellen Konsens vorbeimogeln, ja sie sogar ignorieren können. Sie sehen, dass es Menschen 2. und 3. Klasse gibt, auch wenn ständig die Gleichheit vor Gesetz und Verfassung beschworen wird. Ungerechte Unmenschen regieren die größten Staaten und Konzerne der Welt, besitzen unvorstellbares Vermögen, werden zu Rollmodels. Ihnen sind Verfassungstexte, die Menschenrechtscharta, die Ideale einer freien demokratischen Welt, das Klima etc. SCHEISS – E – GAL!

Der neoliberale Haifischkapitalismus hat nicht nur gesiegt. Er übertreibt gerade richtiggehend seine Rolle. Wir alle sehen zu und warten darauf, dass der Wahnsinn irgendwann aufhört, aber die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Kathastrophe nicht einfach abebbt, wenn sie ein bestimmtes Stadium erreicht hat. Sie fordert erst einmal ihren Tribut und leider befürchte ich, dass auch wir diesen Tribut zahlen werden.

Interessant ist nur: wie geht man in diesen Prozess hinein? Duckt man sich und hofft, dass der Tsunami über einen hinwegfegt, oder bezieht man Haltung auf der richtigen Seite der Geschichte? Das war schon immer die entscheidende Frage.

Nun ist es wieder soweit. Ab jetzt muß alles, was wir tun politisch sein. Seid auf der richtigen Seite der Geschichte!

Es ist nicht die Zeit für Bullshit und Party und Bullshit.

Free all supressed People!

Welcome to the 21st century !

Gastbeitrag von Peter Arun Pfaff


Was bisher geschah:

2001, 9/11, das war ein Einschnitt, aber Islamophobie und Antisemitismus gab es schon vorher in good old Europe.

Die Finanzkrise 2008 hat uns im globalen Norden lange nicht so hart getroffen wie im Süden.

2011 sind wir sieben Milliarden Menschen, 11 Jahre später acht. Prima Klima und und und….

Apokalypse am laufenden Band. Alles wie gewohnt. Die neoliberale Herrschaftsklasse mag das auch so. Sie liebt es, eine Krise nach der anderen „zu bewältigen“. Es ist ein universelles Herrschaftsmittel.

Doch die Frage ist: auf wessen Kosten? Wer zahlt die Rechnung? Gibt es jetzt endlich eine bedarfsgerechte Verteilung? Auf keinen Fall! Die Verteilung des gesellschaftlich erwirtschafteten, gemeinsamen Wohlstands kommt den immerhin schon reichen immer stärker zu Gute. Nennen wir sie „Oligarchen“. Die gibt es mittlerweile überall auf der Welt, auch im Silicon Valley. Doch was uns jetzt ins Haus steht, toppt alles, was man in den vergangen zweieinhalb Jahrzehnten aufgetischt bekommen hat: Happy Birthday Mr. President!

Doch zurück nach Schland: Seit 6 Jahren Krise auf Krise ist nun in Deutschland ein Konsens demokratischer Kräfte gegen den Faschismus endgültig gefallen: die sogenannte „Brandmauer“. Die Parlamentarische Zusammenarbeit demokratischer Parteien mit der AfD – einer chauvinistischen Partei, die von schizophrenen Phantasien eines reinen Volkskörpers getrieben ist – zeichnet sich ab. Und das geschieht in Deutschland, dem europäischen Land, dass am meisten von Zuzug innerhalb EU und der Globalisierung profitiert hat. Wo bleibt ein minimales Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und die Geschichte Deutschlands, insbesondere bei den christlichen Populist:innen? Dieses Land ist schließlich allerspätestens seit der industriellen Revolution ein Einwanderungsland: Erst die Pol:innen im 19. Jhd., dann die Kriegsgefangenen der beiden Weltkriege und dann endlich – in “zivilisierter” Form – die Arbeitsmigrant:innen des Wirtschaftswunders. Viele Menschen aus vielen Ländern: sie alle wurden im 20. Jhd. schließlich Teil einer nach 2 Weltkriegen stark dezimierten, geschwächten deutschen Gesellschaft. Die Neuen Bewohner:innen sorgten dafür, dass Deutschland im Wohlstand wachsen konnte.

Jetzt aber lautet es: Alle wieder raus! Auch die Pass-Deutschen! Dann wird alles schon von alleine wieder gut. Deutschland wird endlich wieder „Groß“ und „Reich“, so das populistische Versprechen auf Tik-Tok.

Die kollektive Wahrnehmung einer gescheiterten Integration von Menschen aus hier vermeintlich fremden „Kulturkreisen“ ist vor allem der Ingoranz der Mehrheitsgesellschaft geschuldet. Sie ist auch das Resultat einer überheblichen Empathielosigkeit gegenüber der ausgegrenzten und stigmatisierten neuen gesellschaftlichen Vielfalt.

Doch wo stehen wir heute? Die global vernetzte Zivilgesellschaft wird in einer post-faktischen, durch soziale Medien getriebenen Zeit von verschiedensten Seiten angegriffen. Ob es nun islamist:nnen oder Deutschnationale sind: Rechtsradikale gibt es überall und Ihre Macht muss überall bekämpft werden. Dazu braucht es Kraft, Willen und Organisation. Doch Angst und Agonie scheinen für viele jedes Bild einer besseren Zukunft zu vernebeln.

Besonders junge Menschen, die in der Pandemie ihr Erwachsenwerden erlebten. Viele sehen sich heute in einer Welt, die überall in Brand zu stehen scheint. Sind wir nicht bereits im hybriden Krieg mit dem altrussischen Möchtegern-Imperium? Ist uns das Schicksal aller Menschen im Nahen Osten, die zynisch von Ihren Regierungen ausgenutzt werden egal? Alle verdienen es, in einer friedvollen, diversen Zivilgesellschaft zu leben. Wir hier im Westen scheinen es ja noch relativ gut zu haben, aber Selbstzufriedenheit und Hedonismus alleine hilft auf Dauer nicht.

Es geht um eine viel grundsätzlichere Frage: Was kann ich als Individuum in dieser Welt eigentlich noch tun? Ist alles umsonst? Ist die sozial verantwortliche diverse Zivilgesellschaft, in der auch die Schwachen Schutz, Freiheit und Menschenwürde genießen nur ein Restbestand des längst vergangenen 20. Jahrhunderts? Sind das die neuen Zeiten? Entscheidet alleine die Macht der Stärkeren über unsere Zukunft? Ist das Anwachsen einer neuen weltweiten Sklavenklasse unausweichlich? Ist also kurz gesagt ALLES UMSONST ?

NEIN! Es gibt in allem Nebel durchaus positive Perspektiven, auch wenn es oft viele kleine Aktionen in den Communities sind, die Hoffnung geben. Es braucht nicht immer den großen Wurf, mit dem man alles auf einmal richtig macht.

Hier eine Idee, um aus der Agonie zu kommen: Lasst uns lernen mit einem Auge durch ein Teleskop in die ganze Welt zu schauen und mit dem anderen durch ein Mikroskop in die eigene Lebenswelt. Dabei sind wir nicht alleine! Um uns befinden sich Menschen, mit denen wir die Welt als Wirklichkeit teilen: in meiner Familie, meinem Betrieb oder meiner Stadt. Als miteinander Kommunizierende, zusammen Planende und vielleicht sogar entschlossen Handelnde sind wir der stärkste Teil dessen, was man als „Souverän“ bezeichnet. Das macht eine wirkliche und nicht nur repräsentative Demokratie des 21. Jhd‘s aus!

Demokratie ist mehr als wählen! Demokratie sind wir!

Politik ist Leben, Leben ist Politik! Kunst ist Leben, Leben ist Kunst!

Eine sich emanzipatorisch entwickelnde Zivilgesellschaft ist voll innerer Widersprüche und Vielfalt – damit muss jede:r lernen um zu gehen, vor allem die homogene Mehrheitsgesellschaft. Dies bringt uns hoffentlich in eine Zukunft, in der alle Gruppen der Gesellschaft frei von Angst leben können. Dafür lohnt es sich zu kämpfen!

Lasst uns als Kulturschaffende, Künstler:innen, Musiker:innen aber vor allen zusammen lebende Menschen die Zukunft nicht den Falschen überlassen! Lasst uns nicht einfach aufgeben, weil wir der Krisen überdrüssig sind! Lasst uns gemeinsam geschützte Freiräume schaffen, in denen wir neue Allianzen schmieden, um unsere Welt besser zu begreifen, zu gestalten, Neues zu entdecken und Schönheit zu teilen. So trainieren wir unsere Resillienz, um Angst und Krisen zu überwinden. So gewinnen wir Selbstgestaltungsmacht, um das gefährliche, aber leider auch erfolgreichere Überbleibsel des 20. Jhds zu überwinden: das nachhaltig wirkende zynische Menschenbild, das nur den Stärkeren das Recht überlässt, die Welt zu ihrem Nutzen zu prägen – in von uns geschaffenen kulturellen Räumen und falls nötig auch auf der Straße!

Peter Arun Pfaff

Phrasendresche für Deutschland

(Triggerwarnung: Unwort im Anmarsch!)

Deutschland.
Harte Worte und Populismus.
Wer braucht schon ein Parteiprogramm?
Ein Wahlkampfprogramm schon eher!
Knallhart!

Lügen auch OK, solange sie hart sind.
Knallharte Lügen und Populismus!
Das sind die richtigen Begriffe:
Knallharte Lügen und Populismus.
Rache mit knallharten Lügen und Populismus.
Mit knallharten Lügen und Populismus: Rache für den Marshallplan und das Wirtschaftswunder!
An wem?
„Da finden wir schon wen“!
Sie finden schon wen!
Hurra! Sie haben wen gefunden.

Sie sind jetzt ein Einzelfall.
Sie sind jetzt ein knallharter Einzelfall.

Kurz und knapp: knallhart!
Es geht auch hart!
Wie geht es dir?
„Muss“!
Man muss knallhart sein!
Man muss jetzt erst mal knallhart sein. Der Rest kommt dann schon!

Deutschland knallt!
Deutschland knallt hart!
Deutschland muss knallhart knallen!
Kurz, knapp und knallhart: Deutschland!

…uuhh
…uuhh aahh
…uuhh aahh Aktienrente!
Wir wollen Aktienrente!
Wir wollen eine harte Aktienrente!
Wir wollen eine knallharte Aktienrente!
Wir wollen eine knallharte deutsche Aktienrente!
Wir wollen eine knallharte biodeutsche Aktienrente!

Harte Schulden, harte Bremse!
Deutschland bremst hart!
Deutschland braucht kein Tempolimit!
Deutschland braucht harte Bremsen!
Deutschland braucht eine harte Schuldenbremse.
Deutschland braucht eine harte biodeutsche Schuldenbremse.
Villeicht sogar knallhart? Mal sehen!

Deutschland sollte mehr Musk und Milei wagen!
Musk und Milei statt Musik und Milonga!

Sonst braucht Deutschland ja nicht viel eigentlich.

Deutschland: kurz, knapp, knallhart!
Zack, zack, zack.
Nicht flörten!
Einfach nur bääm!
Deutschland wieder bääm und knallhart ohne Schnickschnack.

Deutschland will keine Nazis!
Neeeiiiiinnn…
Deutschland will einfach nur bääm.
Deutschland will einfach nur knallhart bääm.
Deutschland muss ja nicht Nazis?
Nöö, muss ja gar nicht!
Deutschland gegen Nazis!
Deutschland will einfach nur knallhart bääm gegen Nazis.
Deutschland will kotzen!
Deutschland will kotzen, auch gegen Nazis.
Haha, das ist gut! Ja!
Einfach nur bääm, knallhart kotzen und dann sind alle gegen Nazis!
Fertig!
Keine Nazis! Nein…Deutschland will keine Nazis!
Nazis gibt’s gar nicht mehr…in Deutschland!

Deutschland will keine Ausländer!
Reicht doch jetzt?
Deutschland muss ja nicht Ausländer?
Deutschland gegen Ausländer!
Deutschland will einfach nur knallhart bääm gegen Ausländer.
Deutschland will kotzen gegen Ausländer.
Einfach nur bääm, knallhart kotzen und dann sind alle gegen Ausländer!

Einfach nur bääm, knallhart kotzen und dann sind alle gegen Ausländer und Nazis!

Nazis wo?
Nicht in Deutschland.
Nöööö!
Gerade in einem Land wie Deutschland…!
Gerade wir Deutschen mit unserer harten Geschichte…
Deutsche Geschichte knallhart, bäm bäm.

Ufff!
Puuuhhh!
Huiuiuuii!
Ja ja!

Hart, aber trotzdem schöne Geschichte!
Knallhart und bääm bääm, flüster flüster.
Mein lieber Herr Gesangsverein!
Hohohohoo…
Hehehehehee…
Leise Lachen!
Nee! Man darf schon wieder lauter Lachen jetzt!
Hohohohoooo, Hahahahahhhhaaaaa, Heheheheheeeeee.

So jetzt aber:
Wir wollen wieder deutsche Geschichte!
Ja!
Wir wollen wieder deutsche Geschichte knallhart!
Wir wollen wieder deutsche Geschichte knallhart und bääm!
Wir wollen wieder biodeutsche Geschichte knallhart und bääm!
Wir Deutsche wollen wieder biodeutsche Geschichte knallhart und bääm!
Wir Biodeutsche wollen wieder biodeutsche Geschichte knallhart und bääm bitte!
Wir Biodeutsche wollen unbedingt wieder biodeutsche Geschichte knallhart und bääm bitte!

Ohne Ausländer und garantiert auch ohne Nazis!
Nur Biodeutsche!

Diesmal klappts!
Biodeutschland: „schwör“.

Kurz, knapp und knallhart!

Bääm!

Bitte!

Elon Musk liebt Deutschland.
Henry Ford liebte Deutschland auch!

Deutschland braucht nur Liebe, knallhart und bääm bääm ohne Ausländer und Nazis bitte bitte.

So jetzt geht Deutschland wählen.

Knallhart natürlich!

Bääm!

Bitte!

Tschüss Deutschland?

Es riecht nach Wagner

Everybody is gonna be a star for 15 minutes.
Ding Ding Ding Ding Ding.
Deutsch hatte mal das Zeug zur Weltsprache, aber Kaiser Wilhelm hat unser Image versaut.
Wir Deutschen waren mal ein spirituelles Naturvolk.
Der Kaiser machte uns zu Ingenieuren.
Ab der Postmoderne gesellten sich zwar ein paar Ingenieurinnen hinzu.
Mit der Romantik war es jedoch schon lange dahin.

Lediglich Wagner schafft es immer noch.
Er grollt aus seinem Grab und die Philharmonie resoniert entschlossen in donnernden Emotionsausbrüchen.

Nein! Die Walküren kennen keinen Swag!

Dafür sind eher die Wirtschaftsliberalen zuständig.
Die können auch Power Point.
Dass die Situation schon seit langem nicht mehr tragbar war, lag ja auf der Hand.
Der Markt ist eben frei und reguliert sich selbst.
Der Finanzminister auch.

Es kursiert das Gerücht, die humorlosen Walküren steckten hinter der Sache.
Zuzutrauen wärs ihnen ja.
Die kennen da nix.
Die machen alles für den Fame, auch wenn’s nur 15 Minuten sind und Wagner bietet dazu immer noch den besten Soundtrack.

These: Damit guter Humor sich entfalten kann braucht es immer ein paar Leute, die es richtig bitterernst meinen. Zu viele von denen versalzen aber die Kartoffelsuppe.

Es riecht extrem nach Wagner überall, finde ich.

Kein Leckerli fürs Prinzelein

Starkstrom.
Flureszierender Alpha-Style
in einer Mikrowelle.
Was tun?
Kalif anstelle des Kalifen sein,
des Kalifen sein.
In einer Eckkombination aus Leder, Seide und Leinen
sitzen, ruhen und schweigen,
denn das ist was?
Das ist Gold.
Dann wird es wohl langsam Zeit,
dass einer mal das ganze Silber holt
und an die Wände klatscht,
in der Nacht,
mit Teerschwarz fette Outlines zieht und lacht.
Wissen, Können macht
Hunger nach mehr Macht.
Hunger nach mehr Macht.

Gesetzt den Fall,
du bist Tot,
rot wie Glut
oder Russ im Schlot eines Krematoriums.
Einst durchbrachst du die Wände des Milleniums.
Alles nur Alibi.
Du bist ein Engel,
ein Hobby-Kamikazi.

Reden ist Leiden
unter bösen Blicken
von solchen, die dir dein Gerede neiden,
und die Freude an den Dingen
versauen,
höchstwahrscheinlich,
weil sie dir nicht trauen,
oder nichts gönnen
können
wollen
sollen.
Nicht einmal einen Zahnarzttermin!
Ist das legitim?
Na, was weiss ich?
Vergeblich
arbeitet man jahrelang am Klangbild
und am Stallgeruch.
Und dann heisst es plötzlich:
„Huch!“
Es liegt wohl doch am banalen Achselschweiss.
Keine Liebe, kein Fleiss,
kein aufrichtiger Liebesbeweis
kann dich dann retten.
Du Saupreis weisst es doch bereits:
Du stammst aus einem völlig fremden Kulturkreis!

Was ist dir denn geblieben
von all der Anfangseuphorie?
Wie…es gibt kein Leckerli fürs kleine Prinzelein?
Kein trautes Heim?
Kein Job, keine Bühne, kein Publikum?
Einzelkind, Einzeltäter, ganz allein?
Kaum zu glauben:
Bumm, bumm und Knallereien!
ein Nazi will schon wieder Kanzler sein.

Du hast Wahrheit und Erfindung auf dem Schirm.
Sie fahren Hand in Hand an dir vorbei.
Täglich überfluten sie dein Sein.
Dankeschön!
Der nächste Zug fährt ein
mit Buchstaben, die brennen.
Sie hängen an der abgewandten Seite dran.
Los! Lauf! Run, run, run!






Der nächste Exodus

Sind die heiligen Schriften lediglich drittklassige Literatur?
Sie behaupten jedenfalls einiges, aber es fehlen die Resultate.
Hand aufs Herz: Keine von ihnen wird dem Universum wirklich gerecht,
dem Menschen am wenigsten.

Abrahams Kinder!
Ihr seid teuer.
Ihr kostet wieder einmal das Blut der Ärmsten.
Das ist nämlich am günstigsten und schmeckt wohl am besten.

Die Götter und Göttinnen habt Ihr schon lange vertrieben.
Ihre Heiligtümer verdorren unter der sengenden Hitze und den verständnislosen Blicken von einfältigen Tourist*innen.

So wie es aussieht, werdet auch Ihr vertrieben von diesem Planeten.
Wir Übrigen, Agnostiker, Atheisten, Deisten, Pantheisten, Anhänger von Naturreligionen etc. zieht Ihr natürlich mit ins Verderben, so wie es immer schon der Fall war.

Wir werden alle ins Universum in die Versklavung geschickt, während die Schlauesten unserer Spezies es sich gemütlich machen auf diesem schönen Planeten.

All die Kriege der Gegenwart sind vielleicht nur eine Maßnahme,
um uns die Erde madig zu machen, so dass wir normalsterblichen sie nur all zu gerne Verlassen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft irgendwo anders im weiten Weltall.

Die Vermarktung des Exodus wird wohlorganisiert sein von denjenigen, die uns unser Leben hier leidig machen. Sie werden uns unser letztes Hemd nehmen, um uns die Überfahrt in ihren Raumfähren zu gewähren, so wie der Adelsverein damals die elendsten der Unterschichten nach Übersee geschickt hat, um sie dort dann ihrem Schicksal zu überlassen in der Prärie Nordamerikas.

Der großformatige Krieg wird ebenfalls ins All ausgelagert und auch die Waffenindustrie, die es dafür braucht.

Die Erde wird hingegen zu einem Luxusressort umgewandelt, in dem man sich nicht mehr mit Massenvernichtungswaffen bekriegen muss.

Hier wird sich dann eine noble Elite den Luxus von Mega-Rollenspielen leisten – Real-Live-Siedler-Spiele in vorgefertigten analogen Riesenressourcen. Die digitalen Games werden dann Schnee von Gestern sein.
Das Analoge wird als exquisite Lebensqualität vollends zurück kehren und man wird sich in antiken Lebensräumen der eigenen Wahl vergnügen:
Griechisch-römisch, das Alte Ägypten, Hethitisch, Aztekenreich, etc.. Auch die alten Götter und Göttinnen werden innerhalb dieser analogen Rollenspiel-Formate zurückkehren.

Der Nahe Osten wird dann befriedet sein, denn es wird sich keiner mehr das Leben dort leisten können, geschweige denn den Tod.

Eines wird nicht einfach werden: die heiligen Sätten der Abrahamiten müssten ebenfalls auf Raumstationen ausgelagert werden. Aber auch das ist zu schaffen, wenn die Konjunktur danach verlangt. Irgendwie muss man Ihnen das noch verklickern. Sie werden’s verstehen: Gott hat ihnen ja unter anderem auch Verstand gegeben.

So werden sie sich im All wohl noch einige Zeit halten. Irgendwann jedoch, werden auch sie sich auflösen in den Weiten des Universums.

Sommertraum, Wolfsgruß, Fussball und Faschismus

Es hat nichts damit zu tun, dass ich Fussball nicht mögen würde. Ich mag lediglich den Rummel um diesen Sport nicht. Es wird überdimensional viel Geld damit umgesetzt, gewalttätige Proletenkultur gefördert, um dann im nächsten Atemzug das verbindende und völkerverständigende Element dieses Sportes in höchsten Tönen zu preisen. Mit Ende vierzig pensionierte Ex-Profis wie Kroos und Konsorten spielen sich vermessen zu volksnahen Lebensphilosophen auf und geben reaktionäre Lebensweisheiten und paranoide Statements von sich, die sie wie Lebensweisheiten darbringen. Ich denke darin äußerst sich vor allem die Frustration des frühen Ausscheidens aus der KO-Runde, die sich in einem Geheule um den verlorengegangenen Gemeinschaftssinn einer ehemalig so blühenden Leistungsgesellschaft äußert. Am Ende sind es dann natürlich die sogenannten „Migrant*innen“, die daran Schuld sein sollen. Der deutsche Fußballtrainer äußert sich etwas modrater und steigt deswegen zum Guru der Nation auf und wird gelobt für seine „Rede von bundespräsidialer Tragkraft“. Daraufhin stellte ich mir Nagelsmann als Bundespräsidenten vor und dachte mir: „Mal sehen, ob dem beim nächsten Staatsbesuch in der Türkei was besseres einfällt, als einen Dönerspiess als Staatsgeschenk mit zu nehmen?“
Zurück zum Thema: Wir erlebten gerade eine Europameisterschaft, die in Sachen Nationalkult, verbalen und physischen aggressiven Übergriffen kaum zu überbieten war. Nationalidentitäre Symbolik fand unverholen auf dem Rasen ihre Bühne, dargebracht von einem türkischen Nationalspieler. Die UEFA entschied ausnahmsweise mal richtig – wobei das im Falle der rassismusbezogenen Unbeliebtheit der Türkei im Westen sicher auch einfacher zu entscheiden war. Fakt ist aber, dass dieses Symbol (der sogenannte Wolfsgruss) zwar durchaus ein Symbol aus dem türkischen Nationalmythos ist und primär mit faschistischen politischen Bewegungen im 20’ten Jhd. nichts zu tun hat, aber von eben diesen Faschisten seit Jahrzehnten eingenommen und in der Türkei zum Symbol für Massaker und Morde an Minderheiten, wie der kurdischen und alevitischen, an politisch Andersdenkenden, Journalist*innen und Politiker*innen vor allem ab den 60’er Jahren bis in die Gegenwart geworden ist. Noch dazu ist dieses Symbol in der rechtsnational gelagerten Mafia des Landes seit langem ein gängiger Gruß und wird seit Jahren erfolgreich verharmlost und dadurch hoffähig gemacht. Genau das versucht man jetzt auch auf internationalem Parkett. Dessen muss man sich bewußt sein, wenn man als aussenstehende Kommentator*in sich dazu motiviert fühlt, eine Haltung zum Thema einnehmen zu müssen, ohne genaue Kenntnis über die neuere Geschichte der Türkei und vor allem kein grundlegendes Wissen über die Entstehung nationaler Mythen und Symbole im Allgemeinen zu haben.
Diese festigen sich meistens im 19 Jhd.. Im Zuge der Popularität der nationalen Ideologien in vielen Regionen der Welt werden sie kanonisiert, effektiviert und literarisch eingefasst, um einer nationalistischen Idee zu dienen. Das war nicht nur in der Türkei so, sondern in vielen Ländern der Welt. Ausgangspunkt dieser Bewegung ist aber vor allem Europa: Die französische Revolition war ihre Keimzelle, aber vor allem in Deutschland setzt sich die nationale Idee im 19. Jhd als Ideologie fest. Im Zuge der deutschen Orientmission Kaiser Wilhemls II. im Osmanischen Reich wurde nicht nur die osmanische Armee von deutschen Offizieren reformiert. Namhafte deutsche ultranationalistische Theoretiker wie Hans Human zum Beispiel haben offen Einfluss genommen auf politisch konforme Elemente innerhalb der osmanischen Administration, den Intellektuellen und auch der Armee. Der türkische Nationalismus ist stark beeinflusst durch den deutschen! Große Namen des osmanischen Militärs wie Mustafa Kemal Atatürk und Enver Pasha (ein Pionier der türkischen Ultranationalist*innen) gingen durch eine preussische Militärschule. Dies nur als kleiner Exkurs in die Geschichte. Solche Geschichten gibt es zu Hauf überall auf der Welt. Die großzahl von Nationalsymbolen, die vermeintlich harmlos daher zu kommen scheinen, beruhen in Wahrheit auf grausamer Historie.
Aber zurück zum Hauptthema: Ich glaube nicht, dass große Turniere dieser Art, sich nachhaltig dafür eignen, Gemeinschaft und Verständnis in der Gesellschaft zu fördern. Mit den nationalen Symbolen und Fahnen wird lediglich die Seperation nach vermeintlicher „nationaler“ Zugehörigkeit erreicht und auch öffentlich inszeniert. Die Reproduktion nationaler Zeichen und Symbole bestätigt nur althergebrachte Identitätssysteme und lässt sie immer wieder öffentlichkeitswirksam Auferstehen. Deswegen braucht man sich nicht wundern, dass durch sie nationale Rivalitäten und Rassismen immer wieder von neuem auf internationaler Ebene wieder zum vorschein treten, wie zum Beispiel im Falle der kroatischen, albanischen und serbischen Fans, die sich gegenseitig den Tod an den Hals wünschten, den österreichischen Fans, die unverholen das rassitische „Ausländer-raus-Lied“ von Sylt sangen und und und…
Kommen wir nun zu UEFA, FIFA und Konsorten: sie bieten die Plattform für diese stereotypen Identifikationsbilder, denn ihre Funktionäre wissen nur sehr genau, dass sich über die Ansprache der Massen und die Entwicklung möglichst einfach zu befriedigender Nachfrage ultimativ viel Geld zu machen ist. Insofern ist Nationalkult für sie ein sehr geeignetes Mittel, um ihre Milliarden zu schäffeln. Genau das ist es, was an diesem Fußballklamauk kritisch ist: Es geht alleine um den rücksichtslos zu generierenden Umsatz. Der Fußballzirkus ist das beste Beispiel für das reibungslose Zusammenwirken von Kapitalismus und chauvenistischem Nationalkult. Um das ganze für die Politik legitimierbar zu machen, wird ein bisschen Völkerverständigung und Buntheit behauptet, indem man die Bilder generiert, zu denen sich die euphorisierten Fans nur all zu gerne hergeben. Sie selber sind zwar die wichtigsten, aber gleichzeitig auch die Draufzahler*innen im Milliardengeschäft. Die Kommunen können sich im Großen und Ganzen kaum an dem Umsatz beteiligen, denn sie haben viel zu große Ausgaben. Den Königsanteil kassieren große Konzerne aus China und Khatar, die ihre Werbungen schalten, ganz groß als Sponsoren auftreten und diese Massenevents als Mega-Werbeplattformen nutzen. Zu guter letzt sind es schließlich die besagten Verbände, die die Werbeeinnahmen einfahren.
Der lokalen Gesellschaft bringt das rein gar nichts, außer ein bisschen Ablenkung und Aufregung in ihrem Sklavenalltag. Das ist ein ziemlich schlechter Deal. Deswegen boykottiere ich den großen Profifussball seit Jahren.
Dass die Türkei und Deutschland dieses mal früh ausgeschieden sind, hat mich besonders gefreut. Dadurch blieb das Riesentamtam erfreulicherweise aus, das uns sonst erwartet hätte – womöglich noch überdimensionale Selbstinszenierungen und dämliche öffentliche Dispute zwischen türkischen und deutschen Politiker*innen, Mediengrößen etc.. Özil und Erdogan hatten sich ja schon in Position gebracht. Die dämlichen Aussagen von diversen deutschen Fussballern, lassen nur darauf schließen, was sich im öffentlich/rechtlichen da Bahn gebrochen hätte – von den Ausschreitungen auf den Straßen ganz zu schweigen. Alles in allem kann man froh sein, dass der Blödsinn vorbei ist und man sollte sich überlegen, ob man sich das in Zukunft unbedingt nochmal antun will. Ich bin für einen wie gesagt für ein Boykott von überbewerteten sportlichen Megaveranstaltungen. Das aus für die Bewerbung Münchens als Olympiestandort vor ein paar Jahren hat gezeigt, dass es möglich ist: scheiß auf EM, WM und Champions Leage. Wenn, dann sollten wir Bürger*innen auch etwas davon haben – und zwar in materieller und ideeller Hinsicht. Vielleicht braucht es auch endlich mal alternative Sportverbände?

Schwarzbraun ist die Haselnuss

Schwarzbraun ist die Haselnuss. Dies ist der Titel eines berühmten alten deutschen Volksliedes, das in der Moderne durch eine Interpretation des deutschen Schlagerstars Heino furore machte.
Der Text, der so harmlos albern daherkommt hat aber einen verstörenden Hintergrund, der wie die Faust auf die Hornsonnenbrille des besagten Heino passt.
Denn wir lesen dazu in dem einschlägigen Werk von Barbara Boock:

„Das Motiv des schwarzbraunen Mädchens kommt in vielen Volksliedern seit dem 16. Jahrhundert vor. Es beschreibt einen zupackenden, herzhaften Typus… Das Gegenbild ist die spröde, blonde Frau, die meistens auch einen höheren sozialen Rang einnimmt.“

Barbara Boock: „Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich“ – Nachforschungen zu einem umstrittenen Volkslied. In: Veröffentlichungen des Instituts für musikalische Volkskunde der Universität zu Köln 74/2001 (PDF; 1,8 MB).

Warum ich auf so einem banalen Beispiel von deutschem Alltagsrassismus rumreite? Nun…ganz einfach: als ich mir kurz nach der Europawahl die deutsche Landkarte mit den Wahlergebnissen ansah, löste die Farbkombi automatisch die Assoziation zu diesem Lied in mir aus und ich begann spontan die bescheidenen Melodiefetzen, die ich noch aus meiner jüngsten Kindheit im Kopf hatte, vor mich hin zu summen.

Hier die besagte Karte:

Das leuchtende Blau, dass im Gebiet der sogenannten „Neuen Deutschen Bundesländer“ zum Vorschein tritt, assoziiere ich schon seit langem mit Braun.

Somit passt der besagte Schlager doch ganz gut zu dieser Karte? Und er passt auch zum alteingesessenen Rassismus in diesem Land, der schon immer präsent war und jetzt nur immer unverhohlener zu Tage tritt. Ein sehr klares Bild zeichnet sich da ab. Auch zeigt sie sehr deutlich die „Gesinnungsgrenze“, die genau an der Linie verläuft, an der sich damals der „Eiserne Vorhang“ befand. Was man daraus an Schlußfolgerungen ziehen kann, überlasse ich dem/r geneigten Leser*in.

Ich habe eine Version dieses Liedes aus den 70’ern gefunden, die in ihrer naiven Rezeption, dem gesellschaftlich verankerten Rassismus auf entlarvende Art eindringlich Ausdruck verleiht. Man hat dafür tatsächlich die afroamerikanische Acapella-Combo „Golden Gate Quartett“ gewinnen können, die sich womöglich für „ein paar Dollar mehr“ auf diese „wirren Deutschen“ eingelassen und eine eigene Swing Version dieses unsäglichen Liedes aufgenommen haben. Hier präsentieren sie diese in einer vorabendlichen Fernsehshow mit dem klangvollen Namen „Musik ist Trumpf“, noch moderiert vom deutschen Showmasterurgestein „Peter Frankenfeld“:

Das ist für mich das Statement der deutschen Wählerschaft zur Europawahl:

„Schwarzbraun ist die Haselnuss,
Schwarzbraun bin auch ich“

Die Flucht vor dem eigenen Glück

Steht man im hier und jetzt, dann ist man rücksichtslos.
Denkt man ständig an seine Zukunft, dann lebt man nicht wirklich.
Beschäftigt man sich mit Geschichte, dann ist man zu nichts nütze.
Versucht man alles ganzheitlich zu sehen, dann ist man überfordert.
Denkt man an nichts von alledem, ist man oberflächlich.

Vielleicht hilft es ja, wenn man mal so und mal so lebt – also all die Perspektiven nacheinander, statt nur eine von ihnen, oder alle auf einmal? Wäre das nicht schlauer? Aber dann wird einem sicher eine mangelnde politische Haltung vorgeworfen?

Irgendwo lauert immer ein Defizit.
Man lebt ja so oder so… „trotz“, oder sogar „erst recht“ mit Defizit. Auf formeller Ebene natürlich nicht. Auf der Oberfläche sieht es bei den meisten oft tip top aus, aber in unserem Inneren? Da kanns schonmal zugehen, wie in einem Steinbruch. Ich wage zu behaupten: je mehr man sich um seine Oberfläche bemüht, umso schlimmer sieht es innen aus. Das ist im privaten kaum verkraftbar. In der Businesswelt zum Beispiel, da kann alleine der Gedanke an ein Defizit verheerende Auswirkungen haben – in Dimensionen, die das Egokonstrukt des*der Einzelnen ums zigfache übersteigt. Ein sprürbares, geschweige denn ein sichtbares Defizit kann in kürzester Zeit das gesellschaftliche Gleichgewicht kippen! Und Schwupps sitzen wieder die falschen Leute im Europaparlament.

Deswegen: geht bitte wählen! Lasst uns die wenigen Möglichkeiten, die wir als Europäer*innen haben, unsere Privilegien sinnvoll zu nutzen, nicht an uns vorüber ziehen. Geht europawählen! Das ist der einzige Weg, Nazis das Maul zu stopfen: indem man wählen geht.

Es herrschen wieder einmal viele Kriege in der Welt. In Gaza werden Flüchtlingscamps gebombt. Die Menschen sterben jeden Tag wie die Fliegen. Hier ein statistischer Überblick:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1417316/umfrage/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel/

Für alle Whataoboutist*innen: die Statistik beinhaltet „alle“ Opfer.

Es ereignet sich dort ein militärischer Einsatz gegen eine hochgefährliche terroristische Organisation, die man jedoch seit Jahrzehnten mit Hilfe von Subventionen aus Katar hochgepäppelt hat mit der illusorischen Vorstellung, sie gegen eine demokratische politische Entwicklung in den palästinensischen Gebieten nutzen zu können. Wie schon so oft in der Menschheitsgeschichte geschehen, wendet sich das heiße Eisen nun gegen einen selber. Für einen rücksichtslosen Machtpolitiker wie Netanyahu ist das die einmalige Gelegenheit, sich über die Einwände der Opposition im eigenen Land hinweg zu setzen und sie Mundtot zu machen – auch um schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen zu entgehen. Genau so funktioniert Machtpolitik seit jeher. Nichts hat sich geändert. Julius Cäsar hatte es damals in Gallien nicht anders gemacht. Der daraus resultierende Krieg wird nun ohne Rücksicht auf die Bevölkerung auf beiden Seiten geführt. Die eh schon strukturell schwache palästinensische Bevölkerung leidet jedoch in einem kathastrophalen Ausmaß. Sie ist dem Bombenhagel komplett ohne Schutz ausgeliefert. Über 36.000 Menschen sind dort gestorben. Man stelle sich vor, das würde hier in Zentraleuropa innerhalb einer so kurzen Zeit passieren! Was wäre da wohl los?

Es ist unwirklich.

Nun erklären einige europäische Staaten, sie wären dazu bereit eine Zweistaatenlösung mit einem unanbhängigen Palästina zu akzeptieren. Im Shitstorm dagegen fallen Argumente wie: „Soll man die jetzt auch noch belohnen für ihren gewaltsamen terroristischen Übergriff?“. Nein! Man belohnt sie nicht, denn die Hamas ist ebenfalls gegen eine Zweistaatenlösung. Die Hamas ist eine antisemitische radikale terroristische organisation, die Israel abschaffen will. Nun meine Frage: wie konnte man mit solchen Leuten über Jahrzente kooperieren? Das alles ist möglich, wenn man rein machtstrategisch vorgeht. Und diesen Vorwurf muss sich die israelische Regierung seit dem Tod Itzak Rabins leider gefallen lassen.

Es führt mich wieder zurück zum Titel dieses Blogeintrages: das Glück. Wieder einmal zeigt sich, dass weder die großen Weltreligionen noch die auf Nationen basierende Weltordnung uns helfen, unser Zusammenleben zu regeln, denn sie fokussieren sich weniger auf das kollektive Glück, als viel mehr auf die kollektive Angst und vor allem auf die Schuld. Die Religionen mögen meinetwegen Menschen auf individueller Basis helfen, mit ihrem Dasein im Universum klar zu kommen. Aber darüber hinaus bieten sie wenig Visionen und Lösungsansätze für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen der Menschheit. Im Gegenzug okkupieren sie aber enormes materielles und ideelles Potenzial.

Wir benötigen ein völlig neues Identifikationsmodell, dass sich löst vom althergebrachten Machtkampf zwischen den abrahamitischen monotheistischen Lehren und den nationalidentitären Konstrukten. Stattdessen müssen wir uns zunächst einmal auf unser kollektives philosophisches Selbsverständnis als Menschen zurückbesinnen, das uns spätestens seit Ende des 19. Jhd’s vollkommen abhandengekommen ist. Dieses menschliche Selbstverständnis muss über allem stehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die historische kontextualisierung, die gerade streng verteufelt wird. Es ist anscheinend respektlos und unangemessen, die politischen Vorgänge der letzten Jahrzehnte – nicht nur im Nahen Osten – in einen historischen Kontext zu setzen. Das passt einigen Leuten und das betrifft nicht nur die aktuellen Konfliktparteien. Denn wenn man den histirischen Kontext sucht, dann erklären sich womöglich Konflikte eigentlich von selbst, deren Entstehung immer noch sehr diffus wirken. Die dominierenden politischen Kräfte inklusive die Nachfolger der damaligen Achsenmächte und Alliierten des 1. Weltkrieges müssten dann zu ihrer politischen Verantwortung stehen, denn im 1. Weltkrieg wurde nämlich so einiges verbockt, was uns jetzt weltpolitisch auf unsere empfindlichen humanistisch-westlichen Füßchen fällt. Da will man natürlich nicht groß auffallen, denn das würde schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen – auch wirtschaftlich. Wesentlich einfacher ist es dann doch, weiter bomben zu lassen. In anbetracht dessen wiegt aus machtpolitischer Warte der Tod von über 36.000 Menschen fast federleicht – vor allem, wenn es sich um die Bevölkerung des Gazastreifens handelt, denn ob man es akzeptieren will oder nicht: aus der rassistischen Perspektive, die leider in den meisten Köpfen in Europa herrscht, ist ein Menschenleben dort wesentlich weniger Wert, als eines in der sogenannten „westlichen Welt“. Let’s face it!

Dessen sollte man sich bewußt sein. Jeden Tag!

Mein Herz ist schwer. Auch wenn ich es mir nicht ansehen lasse. Ich denke, da geht es vielen so gerade. Das geistreiche Schreiben fällt mir deswegen schwer. Nehmt es mir also nicht übel, wenn meine Blogeinträge seltener geworden sind in letzter Zeit.

Ganz ruhig – nicht die Nerven verlieren!

Es wird teuerer. Die Mieten steigen – die Immopreise auch. Das ist nichts neues. Aber diesmal steigen auch die Gaspreise, die Lebenshaltungskosten. Social Media ballert – alle hängen am Handy. Corona-Langzeitschäden werden zu ideologischen Präzedenzfällen. Die Ukrainekrise lauert subkutan und Gaza brennt. Die Angehörigen der israelischen Geiseln, die sich in der Hand der Hamas befinden, stürmen das israelische Parlament und fordern Verhandlungen und die Beendigung der Kampfhandlungen. Netanyahu wiegelt ab. Die Hutsi Rebellen knallen vom Yemen aus Frachtschiffe im Roten Meer ab. Trump ist auf dem guten Weg, wieder für die Republikaner zu kandidieren.

Innenpolitisch kriegen Faschos in Europa immer mehr Oberwasser. In Deutschland veranstalten sie mittlerweile Neo-Wannseekonferenzen, auf denen sie die Remigration aller fordern, die in ihrer Ahnenreihe kein arisches Blut nachweisen können. Bis auf wieviel Generationen sie das zurückverfolgen wollen ist mir egal. Ich werde sowieso einer der ersten sein, wenns soweit ist. Aber ich werde nicht remigrieren, ohne eine gebührende Show abgeliefert zu haben. Das könnt Ihr mir glauben. Die Kostüme dafür stelle ich mir schon jetzt zusammen. Man hat ja nichts zu verlieren. Auf Lindners Aktienrente bin ich eh nicht angewiesen. Da spekulier ich doch lieber eigenmächtig.

Wenn ich so etwas von mir gebe, werde ich von vielen deutsch-deutschen Mitmenschen belächelt. Und zwar von denen, die immer noch sehr selbstsicher sind, was den Erhalt der demokratischen Grundordnung betrifft. Ich weiß nicht, was ihnen diese Sicherheit gibt. Mittlerweile glaube ich, es ist pure Hybris.

Eine sehr bedrohliche Zeit. Yes indeed. Porca Misera! Mehr denn je ist Bewegung angesagt.

Aber es scheint sich etwas zu tun: hundert tausende Menschen sind in den letzten Wochen auf die Straßen gegangen, um gegen den Rechtsruck zu protestieren, der seit gefühlt einem halben Jahrhundert bedrohlich anwächst wie ein Schwelfeuer. Darunter gute deutsche Konservative aller Parteizugehörigkeiten. Wir trugen alle bunte Transparente mit witzigen Sprüchen drauf und haben eindeutig Kante gezeigt gegen das Dreckspack. Die Euphorie war groß.

Dabei wird eines gerne übersehen: Die Umfragewerte der AFD werden dadurch nicht grossartig sinken. Der Massenauflauf diente meiner Meinung nach vorwiegend dazu, uns selber zu stärken und unseres innergesellschaftlichen Rückhalts zu vergewissern. Den werden wir brauchen, denn der Kampf geht weiter. Tagtäglich.

Schwarze Menschen in meiner Bubble berichten mir, dass viele dieser euphorisierten Leute, die „München ist bunt“-Transparente hochhielten, besorgt ihre Handtaschen umgriffen, als sie in ihre Sichtweite kamen. Auch Antinazidemos sind oft weiße Spielwiesen. Wir wollen eine bunte Gesellschaft, aber was das wirklich bedeutet, ist uns immer noch nicht ganz klar.

Das weiße Selbstbild Europas wird zusammenfallen und das sollte Niemandem Angst machen. Das Ende eines Zeitalters bahnt sich nun an, das von der Kolonisation bis zur Indurstrialisierung immer noch andauert. Das Ende dieser Ära zieht sich hin, wie ein totgekauter Kaugummi und dieser ist einer Zwischenphase gleichzusetzen. Viele nennen diese akute Phase, in der wir uns befinden „Postmoderne“. Dieser Begriff hat es in sich. Im Gegensatz zu vielen, glaube ich nicht, dass diese Zeit unser Ende bringen wird. Glücklicher wird sie uns aber auch nicht machen.

Ich vermute, dass wir kurz vor Torschluss noch ein Sicherheitsventil Richtung Weltall lösen werden und dann wird unser geballtes Chaos ins Universum fließen. Ich meine damit, dass die Grundlagen des „Kriegs der Sterne“ gelegt werden. Wir werden das All besiedeln und uns dort weiter bekriegen. Was bedeuten könnte, dass…. keine Ahnung, was das bedeuten könnte.

Also nicht die Nerven verlieren. Es wird noch lange weiter gehen. Aber in einer Mischung aus Splatter Movie und Science Fiction Drama. Langweilig wird es auf keinen Fall. Piuuu Piuuu Piuuu…