Vergessen

Ich werde immer vergesslicher. Für mich ist die Vergesslichkeit ein mir wohlbekanntes Phänomen, das mich mein ganzes Leben lang begleitet, aber in diesem Ausmass, wie sie sich in letzter Zeit anbahnt, ist es ein Novum für mich.
Ich brauche länger, um Namen von mir wohlbekannten Freunden und Bekannten aus meinem Gedächtnis hervorzumeisseln. Es kommt vor, dass ich Tag für Tag an der Bank vorbeigehe und ständig vergesse, die Schecks einzulösen, die sich in meiner Tasche so mit der Zeit angesammelt haben.
Jetzt kann man natürlich sagen: „Na, alter! Du bist eben auch nicht mehr der Jüngste“. Ok, ihr habt ja recht. Ich hatte mich schon damit abgefunden, bis ich letztens diesen Beitrag über den hohen Quecksilberbestand in EU-genormten Energiesparlampen gesehen habe und vor allem mir wieder bewußt wurde, was ich eh schon weiß: nämlich die negativen Wirkungen, die Quecksilber auf unser vegetatives Nervensystem hat.
Na da wurde mir ganz schwindlig muß ich sagen. Auch sonst gibt es so einige Dinge in unserer kapitalistischen Hübschi-Welt, deren Nebenwirkungen zum Gruseln sind, an die aber Niemand denken will.

Bulb Fiction-Die Lüge der Energiesparlampe (Vera Exklusiv 9.10.2011-ORF)

Stattdessen will man lieber vergessen. Eine Gesellschaft, die schneller vergisst, ist auch schneller wieder in der Lage, den selben Mißt, unter dem ihre Elterngerationionen gelitten haben nochmal durchzukauen. Diese Vergessensabstände werden immer kürzer. Die Menschen werden immer schneller vergesslich. Müssen sie ja auch – bei der Menge an Neuerungen, die da in der Pipeline warten, muß die Festplatte schneller mal plattgemacht werden.
Außerdem sind große Erinnerungen lästig, sie stehen sperrig im Wege. All die menschlichen Beziehungen, Namen, Kindheitserinnerungen, vor allem all die großen Emotionen, die einen so lange prägen und in ihrem Griff halten. Man muß flexibler sein und deswegen sich auch früher von ihnen lösen können. Das muß schneller gehen, zack zack zack.
Vielleicht erfüllen diese Energiesparlampen ja somit einen Mehrwert im Sinne einer dynamischeren Gesellschaft: Man hat ein gutes Gefühl, denn man spart ja angeblich Geld und Energie (was ja mitlerweile auch ziemlich bestritten wird, aber darum geht’s ja nicht, es geht ja nur um das kurzfristige, temporäre befridigende Gefühl) und ausserdem wird dadurch vermieden, dass sich ein kollektives menschliches Erinnerungsarchiv erhält. Somit können einige wenige Menschen, die sich die Macht über ein digitales Erinnerungsarchiv über die Jahre erarbeitet haben (zum Beispiel CEO’s von großen Webkonzernen wie Facebook, Google etc.) sich ein Monopol auf die menschliche Erinnerung im digitalen Format schaffen.
Somit hält sich die Konkurrenz im kleinen Rahmen und ist überschaubar. Wichtig zu bemerken: Dabei wird mitnichten aktuell unwichtige oder unopportune Information unter den Teppich gekehrt oder gelöscht. Ganz im Gegenteil! Alles wird archiviert. Der Zugang zu den Archiven wird lediglich limitiert und damit auch das Monopol aus vergessener Information, im Handumdrehen aktuell relevante Information zu machen.
Die größten Feinde dieses zukunftsträchtigen Systems sind natürlich immer dieselben: die ewig gestrigen, die unliebsamen Skeptiker und Nörgler, die die immer meinen, anders als alle anderen sein zu müssen. Die die immer noch kein Smartphone und nur einen Fake-Facebookaccount haben. So Typen wie ich eben, die immer noch Wert legen, auf nachhaltige Archivierung von menschlichem Wissen, Gefühlen, Erinnerungen in Form von Neutronen, Synapsen etc.
Also sollten wir mal schnell zurückfinden zur herkömmlichen Glühbirne, oder zumindest eine Alternative finden zur uns aktuell EU-genormt vorgesetzten Energiesparlampe. Ich frage mich eh, ob Marc Zuckerberg oder Larry Page so ein Ding je in ihrem Haus anbringen würden. Ich glaub nämlich eben nicht, dass die so doof sind.

Abgesang auf einen unbefleckten Banker

Der Dax stürzt ab, Dow Jones verliert zwei Prozent
Du hast es gefühlt, doch du hast einfach gepennt

Die Presse hat dein Grundstück auch schon längst vermint
Der Notenbankchef sagt, du hättest das alles nicht verdient

Nicht Verdient

Erzähl mir was neues
Komm sprich
Du sollst gesegnet sein

Komm sprich
Du sollst dein haupt in Golde betten

Komm sprich
Du sollst Rockstar sein

Sag mir was neues
Nun sprich

Du warst nie Model, aber du siehst immer noch gut aus
Die Krawatte sitzt schief, aber das machts jetzt eh nicht aus
Du guckst so betroffen, so hab ich dich noch nie gesehen
Keine Sorge, die Abfindung werden sie dir schon nicht nehmen

Schon nicht nehmen

Erzähl mir was neues
Komm sprich
Du bist doch Spezialist

Komm sprich
Dein Platz war ganz weit oben

Komm sprich
Gerade du als Moralist!

Nun sprich

Untersuchungsausschuss, Staatsanwaltschaft, Gericht
Die Augen unterlaufen und es verschwimmt schon leicht die Sicht
Journalisten stellen fragen, doch du hörst sie schon lange nicht
Die Kollegen verkriechen sich und du stehst im Rampenlicht

Rampenlicht

There’s something wrong in Erdoǧans Paradise

Ich befinde mich gerade in einer meiner beiden Heimaten. Der Türkei. Meine Eltern stammen von der Schwarzmeerküste, ca. 150 Km östlich von Istanbul – ein Ort namens Karasu, direkt an der Mündung des Flusses Sakarya (antiker Name „Sangaryos“) in der gleichnamigen Provinz gelegen.
Wen es interessiert, der kann ja auf Goolge Maps mal suchen. Eine recht konservative Kleinstadt direkt am Meer. In Karasu und in dem in der Nähe gelegenen kleinen Fischerdorf Melenaǧzıverbrachte ich die ersten vier Jahre meines Lebens. Damals gab es hier noch keine Elektrizität und kein fliessend Wasser. Ich kann mich noch genau erinnern, wie meine Oma mich zu Bett brachte mit einer Öllampe in der Hand, im Ohr habe ich immer noch das Schürfen ihrer leichtfüßigen Schritte auf dem groben Dielenboden und das stetige Rauschen des Meeres. Meine Familie hat georgische Abstammung und zu dieser Zeit war georgisch noch die dominante Alltagssprache in manchen Vierteln und Dörfern der Region. So habe ich als Kind georgisch verstehen gelernt – zumindest den groben Dialekt, der in meiner Großfamilie gesprochen wurde. Sprechen kann ich es leider nicht.
Meine Mutter hat mir dann in München während meiner Kindergarten- und Grundschulzeit zuhause türkisch beigebracht und natürlich auch – wie es sich so in einer türkischen Familie gehörte – mir den mythischen türkischen Nationalhelden Kemal Atatürk, den ich dann Jahrelang mit verklärtem Blick verehrte. Mein Vater war damals noch Sozialist und in Identitätsfragen nicht so aufdringlich und konkret wie meine Mutter. Er hatte jedoch damals noch eine gewisse gesunde Distanz zu den ideologischen Fragen des Lebens, womit sich immer wieder Ernüchterung einschlich in meine, sich neu formierende Weltsicht.
Er machte sich schon immer über die Hodschas und die Muezzine lustig und war auch der erste, der mir eine kritische Haltung gegenüber Atatürk mit auf den Weg gab. Schließlich war jener es, der schon damals die Linken im Lande verfolgen ließ.
Atatürk war aber auch kein Freund der Hodschas, also des islamischen Klerus. Er tat sein bestes, um die Macht der religiösen Kräfte im Lande zu schmälern. Dazu muß gesagt werden, daß es zu dieser Zeit – nach der Abschaffung des Kalifats durch eben denselben Atatürk und seiner Reformen – im Islam keine zentrale leitende Instanz gegeben hat, wie zum Beispiel im Katholizismus der Papst, oder im orthodoxen Christentum den Patriarchen.
Auch waren die Scharen der Gläubigen schon lange vor der Abschaffung des Kalifen,  unterteilt in Zugehörigkeiten zu bestimmten Orden, Bruderschaften, Konfessionen etc. etc. etc.. Man kann sich natürlich vorstellen, wie diese Organisationen nach der Schwächung und dem Wegfall der osmanischen Führungsriege in den ersten 2 Jahrzehnten des 20. Jhd’s versuchten, das dadurch entstandene Vakuum zu füllen.
Diese stetige Unruhe in den religiösen Zirkeln und auch die umtriebigen Aktivitäten der Linken waren einem disziplinierten Heeresleiter wie Atatürk natürlich ein Dorn im Auge. Deswegen wurden diese Kräfte mit der Macht, die ihm seine Triumphe als Offizier der osmanischen Armee bei Gallipoli 1916 und während des Befreiungskrieges von 1919 – 1922 einbrachten, einfach weggefegt, ins Exil getrieben, eliminiert etc. und auch diese innenpolitischen Triumphe gegen die „Spalter“ und die „Verräter“ in den eigenen Reihen wurden von nun an zu einem wesentlichen Teil seiner Staatspropaganda. Die grausame Zerschlagung des Kurdenaufstandes von Dersim 1936 und die Beschneidung der Minderheitenrechte in den 30’er Jahren können ebenfalls als unglückliche Beispiele einer seitdem üblichen Despotie in diesem Lande gesehen werden. Vergessen darf man allerdings nicht, dass die Alternative dazu – im Falle eines Einknickens und einer Schwächung des Systems – die Kolonisierung oder die unbedingte Abhängigkeit des Landes war. Dieses Risiko war Atatürk nach all dem Einsatz, den er für die Unabhängigkeit des Landes geleistet hatte, natürlich nicht bereit einzugehen.
Nun holt die Tragik der Geschichte die türkische Republik jedoch auf eine bestürzende Weise wieder ein. Denn Atatürk ist jetzt mal ordentlich „Out“ und sämtliche Errungenschaften der damals jungen, jetzt nicht mehr so jungen, aber immer noch genauso unbeholfenen Demokratie in diesem Lande werden nun, nachdem Tayyip Erdoǧan und seine Kader seit nunmehr fast 10 Jahren am Ruder sind, alle Stück für Stück demontiert. In Europa hat man ja eher genau den entgegengesetzten Eindruck: Das Land boomt und entwickelt sich immer mehr zum Stabilisator in der Region, die Demokratie gewinnt an Boden durch Reformen in der Verfassung und die Rückhaltlose Verfolgung politischer Straftäter und und und.
wenn man sich die Entwicklungen jedoch von der Nähe ansieht und auch interne Ansichten ab und an bemüht, bietet sich da ein anderes Bild. Erdoǧan und sein Kabinett holen sich ihre Stimmanteile in der Bevölkerung durch eine teilweise sehr gefährliche bauernschlaue Polemik, die immer auf einer sehr religiös-konservativen Basis fußt. Für einen gesunden Diskurs bleibt dabei hinter der allseits dominanten täglichen Demagogie und den marktschreierischen Reden der Politiker nicht viel Raum. Da werden in Sonderkommissionen im Parlament über Bildungsspezifische Fragen abgestimmt und dabei die stimmberechtigten Abgeordneten der Oppositionsparteien mit körpelicher Gewalt an der Stimmabgabe gehindert; Verfassungsänderungen in Pauschalpakete gepackt, in denen sich Gesetzesmodulierungen verstecken, die fast die ganze Jurikative des Landes in die Hände der Regierung stellt und noch so einiges, was hinterfragungswürdig wäre. Hinterfragt darf aber grundsätzlich genausowenig werden, wie vor der AKP-Regierung. Hinterfragen ist sowieso eher etwas für Weicheier. Wenn, dann wird gleich Sturm geblasen. Mit Vorliebe gegen Atatürk. Der fungiert jetzt als Blitzableiter, auf den man alles abwältzen kann. Er, der große Nationalheld war schon immer viel zu visionär und zu weitblickend, als dass man ihn hätte mal so stehen lassen können. Stattdessen wurde er durch hässliche Denkmäler, Büste, Masken, Fahnen, durch verklärte Publikationen und kritiklose Huldigung seit Jahrzehnten systematisch sinnentleert und somit eigentlich seiner eigenen Inhalte beraubt. So konnte seine omnipräsente Fratze – eines despotischen Dämons gleich – als reines Machtsymbol einer skrupellosen Militärdiktatur mit scheindemokratischem Anstrich benutzt werden. Jetzt wendet sich das Blatt zwar scheinbar, aber im Gunde bleibt der Despotismus bestehen.
Sämtliche Institutionen im Lande werden nun unterwandert von Bürokraten, die dem islamistischen Kapital nahestehen. Die Lautsprecher der Muezzine werden lauter gestellt und Bräuche aus vorrepublikanischer Zeit wieder aufgenommen. Auf dem Land werden Todesmeldungen, die vor Urzeiten eben auch durch die Muezzine vom Minarett ausgerufen wurden und von der der Salá Sure aus dem Koran eingeleitet werden jedesmal vorgenommen, wenn jemand in der Kleinstadt stirbt. Man stelle sich vor: bei einer etwas höheren Population erschallt durchschnittlich pro Tag eine Todesmeldung – Psychoterror!
Der steigende Stimmenanteil, den Erdogans Partei von mal zu mal einheimst, führt dazu, dass die Regierung immer mehr Bereiche der Legislative dominieren kann, Gesetze ändern kann und immer freizügiger schalten und walten kann. So hat die Regierung die wichtigsten Gremien der Jurikative in der Hand und kann somit ungeheuren Druck auf oppositionelle Politiker, Medien und auch einzelne Journalisten ausüben. Momentan sitzen mehr Journalisten im Gefängnis, als je zuvor. Teilweise mit scheinheiligen Begründungen und auch gerne mal über zwei Jahre lang in Untersuchungshaft ohne irgendeine Klageschrift.
Zwar werden die größten Übeltäter des Landes, nämlich die hochrangigen Offiziere und Generäle des Militärs, die die letzten großen Putschvorgänge und auch den militärischen Terror im Lande zu verantworten haben, vor Gericht gezerrt und für ihre Untaten belangt, aber trotzdem bleibt ein flaues Gefühl im Magen, denn man kann sich sicher sein, daß dies nicht nur aus Liebe zur Gerechtigkeit geschieht, sondern vielmehr, um eine machtpolitische Regulierung zugunsten einer anderen despotischen Macht im Lande einzuleiten: dem konservativen Islam.
Täglich werden Frauen von ihren eifersüchtigen Männern ermordet, junge Mädchen von ihren vermeintlichen Ehemännern missbraucht und misshandelt, ohne dass die Tätet eine große Strafe zu erwarten hätten. Denn der Mann hat hierzulande immer noch ein dominantes Vorrecht in Geschlechterfragen.
Das die unabhängige Justiz immer noch ein ferner Traum ist, zeigen die Prozesse um den internationalen Schwindelverein „Deniz Feneri e.V.“, über den – unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit für moslimische Glaubensbrüder und -schwestern – in Deutschland Spenden für Erdoǧans Wahlkampf im Jahr 2007 gesammelt wurden. Die deutschen Behörden haben den Fall aufgedeckt und haben die Gerichtsakten schon lange an die türkischen Justizbehörden weitergereicht, aber nun werden – statt der in dem Fall beschuldigten Drahtzieher – ebendiese türkischen Staatsanwälte belangt und verurteilt, die die Akten und somit den Fall an sich nahmen.
Auch der Fall um den 2007 auf offener Straße ermordeten armenischstämmigen Journalisten Hrant Dink zeugt nicht gerade von einem fortgeschrittenen Gerechtigkeitsbewusstsein. Seit Jahren versandet der Fall, weil systematisch Zeugenaussagen gefälscht und Beweissmittel beseitigt werden.
Der gesamte türkische Polizeiapparat ist seit Jahren von der sektenartigen Organisation eines der dubiosesten Gestalten der türkisch-islamischen Diaspora unterwandert: „Fethullah Gülen“. Gülen lebt seit Jahren in Amerika – ist aber eine unbestreitbar mächtige Gestalt im Land und auch in vielen Bereichen der islamischen Welt. Vor allem hat er ein riesiges Kapital im Rücken, von dem keiner genau weiss, wo es herstammt. Er leitet ein gigantisches Imperium von Seilschaften im wirtschaftlichen Bereich und beeinflußt die politischen Vorgänge im Land massiv.
Wichtige städtische und staatliche Kulturinstitutionen – wie z.B. die Theater – werden gerade von geradlinigen und strenggläubigen Bürokraten unterwandert, die die Intendanz der größten Kultureinrichtungen des Landes übernehmen und im Grunde natürlich nichts anderes machen, als zu zensieren (das äußern sie unverblümt selber in Diskussionsrunden im Fernsehen).
Die Türkei ist momentan in aller Munde und Istanbul als Metropole scheint groß zu boomen, aber die Entwicklungen in dem Land sind alles andere als romantisch. Es empfiehlt sich skeptisch zu sein und stark zu hinterfragen. In diesem Zusammenhang spielt Atatürk immer noch eine große Rolle, denn auch in Anbetracht seiner historischen Schwächen, sollte man sich gerade jetzt auf seine positiven Errungenschaften besinnen und ihn im Spiegel der Zeit bewerten, in der er gelebt hat und auch im Rahmen der historischen Bedingungen.
Die Partei Tayyip Erdoǧans vertritt hingegen eine neue Form von Turbokapitalismus, die sich ganz bewußt immer weiter weg entfernt von einem sekularen Ansatz und somit auf gefährliche Weise Islamismus mit eindimensionalen neoliberalen Visionen zusammenbringt.
Wenn die innen- und aussenpolitischen Entwicklungen wieter so voranschreiten und die Türkei mit der chauvenistischen Haltung wie bisher auch noch als Regulator in nahen Osten auftritt und sich vielleicht sogar dazu verleiten lässt, in Syrien einzumarschieren, dann wird man sich wieder Mustafa Kemal Atatürk zuwenden und ihn sich herbeisehnen – vielleicht diesmal mehr nach seinen Inhalten, die er mit einer großen Visionskraft in den 20’er Jahren dieses Jahrhunderts auf den Tisch gelegt hat und weniger nach seiner leeren Heldenfassade.
Eines kann man bei aller Atatürkkritik nicht ignorieren: Er war einer der größten Staatsmänner seiner Zeit und hat die demokratischen Grundwerte geschaffen, auf deren Basis sein Erbe selber jetzt bekämpft wird. Es lohnt sich, ihn zu kritisieren, aber gegen ihn zu Felde zu ziehen, oder gar ihn zu ignorieren, wird nichts bringen. Das ist reine Verschwendung wertvoller Gewissensressoucen. Wer Atatürk als grausamen Diktator hinstellen will, der sollte das im gleichen Zuge mit Churchill und De Gaulle auch tun. Diese werden jedoch differenziert im Spiegel ihrer Zeit gesehen und das hat dieser Mensch meiner Meinung nach auch verdient.

We are your realities

Sörung

We are your realities

biz senin gerçekleriniz
gidersen eǧer yine bekleriz
dönmek istemezsen hoşçakal deriz
ama unutma: seni severiz ve çok özleriz
sensiz ne yaparız biz sanki?

danke danke
aber ich habe viel zu tun
muss ab in die kiste um morgen lang im bett zu ruhn
denn ich flüchte
vor den realen banalitäten
vor der grossen show
im globalen klo

we just want to remember you
that our civilization
is in a very dificult situation
and we have a certain responsibility
to save it’s power and it’s dignity

seninle işimiz daha bitmedi
böyle şey olmaz
hiç de hoşumuza gitmedi
kalemini al ve tekrardan yaz
sorumluluklarından arındın
yanımızda olmadın
ve bizi çok ucuz sattın.

na seid doch mal realistisch!
es geht nicht nur ums geld,
sondern auch um die macht
und um die ist’s doch gut bestellt.

you know how we felt
when the cathastrophy happened.
now we expect from the world
that they go for the weapons!

tabii tabii
sorun deǧil ki abi
bizim çevremiz geniş
yoluna koyarız illâki!      

wir sind verschiedene realitäten,
wir sind nicht hier zum schmeicheln.
es steht schlecht um dich,
wenn wir dich nicht mehr erreichen.

we are your realities
we don’t say please please please
we are your realities
and we’re not here to tease

we’ve got the media in our hands
the whole world waits for our commands
hope you’re in position!
we know your brain’s condition
we’ve got the dope that you need
we’re here to feed your brain, heart and soul
your greed keeps you deep down in a big black hole
we need more than you know
more than you know
more than you’ve ever known brother, mother, madam and mister

ich habe dich vermisst, entdeckt und registriert
du bist ein schön verziertes, auffälliges element
in einer vehement fremden welt
die sich immer weiter dreht
und immer kleiner und kleiner wird
du bist neugeboren, schaust verklärt und verwirrt
wir sind die sippschaft, die dich nun umwirbt
dein konsumverhalten wird ausspioniert
und du fängst an zu kaufen
noch vor dem laufen

aman ha!
bize sakın derdini yanma
dediǧimi anlamadıysan
bize de kanma
çünkü kalbinde ve dilinde düşünceler tutsak olmaz
öyle deǧilmi?
öyleyse konuş!
ama çoǧu konuşulanlar hoş ve boş
kanatlanmış çirkin bir kuş olmuş, uçmuş
medya yoluyla top gibi patlamış
seni de bizden almış götürmüş

we are your papa
your mama
your everything
we know you till the end and from the beginning
we tell you what to do
and we tell it all again
keep our eyes on you baby
when you’re sparkling!

rakın rol güzel

o herşeyi ile rakın rol
barok düşeslerinki gibi bembeyaz yüzü
biraz daǧınık kara saçları
herşey siyah zaten

güzel ve zarif vücudu üzerine çekilmis dar kot
ve onu dizlerine kadar baǧcıkları ile sarmalayan uzun çizmeleri
ve gövdesini art deko bir vazo gibi öne doǧru açıp ilgimize sunan tek düǧmeli jaket
hepsi siyah

çok minimalist bir renk uyumu

gözleri kömür gibi kara
bakışları sanki karamsar
ama gülümsemeyi iyi biliyor dudakları
ve teni dışında siyah olmayan tek yer de onlar
kıpkırmızılar

yakından bakıldıǧında ruj hafifce silinmiş
bira şişesi ve aǧzı arasında sık gerçekleşen temastandır bir ihtimal
o şişeler nasıl da dikilir öyle kafasını ensesine yatırarak?
sanki her an son damlasını içercesine?

hep aynı masada
hep aynı yöne dönük
masanın üstünde hep siyah kaplı blanko bir kitap ve kalem
ara sıra da yazar birşeyler

ve baya rakın rol

bakışlar kedi gibi boşluklara kaçamak
bakması gerekenin bakışlarını çeken bir vakuum
parmakarası sigara, el, kol, vücuttan uzak
ve acımasızca sunar buruk güzelliǧini
yüksek taburede bacak üstünde bacak

tutum belli
açık ve cesur
sanki bitmek bilmeyen bir hodri meydan
ve bildiǧin rakın rol

hem zarif, hem güclü, hem huzursuz, hem kapkara, hem sevecen
olursa olur – olmazsa olmaz
hep buradayım ama hem deǧilim
hep yakınım hem uzaǧım
diyecek derecede
yani tam gaz rakın rol!
olmaz ki bu kadar da rakın rol!

yapılması gereken
bakışmak
ve gülümsemek

ve gitmek ve demek:
sen çok şıksın ve çok rakın rol’sun!

o an dünya durdu!
güldü
hoşuna da gitmedi deǧil

ve dediki:
oy oy oy
evet ya, bu rakın rol beni öldürecek!

Ein kleiner Streifzug durch eine meiner zwei Heimatstädte

Das Konstantin Lips Kloster wird ca. 907 eingeweiht und war ursprünglich eine Klosterkirche. Der Name rührt von dem Bauherrn Konstantin Lips her, der einer der großen Flottenadmiräle des Byzantinischen Heeres war. Leider waren seine Nachfolger scheinbar nicht so erfolgreich, da sie es den Lateinern (also den Kreuzrittern) es ermöglichen, 1204 die Stadt dem Erboden gleich zu machen und auch diesen Bau stark zu beschädigen. Aber kurz nach der Lateinerherrschaft nimmt sich die Kaiserin Theodora ((gest. 1303, Gattin Michaels VIII. Palaiologos) des Gotteshauses an und stiftet einen Südkirchenanbau, der als Grablege für ihre Dynastie dienen wird.
Das für Laienauge recht unscheinbar wirkende alte Gemäuer liegt direkt am Adnan Menderes Boulevard und wird seit der Eroberung der Stadt der Städte durch Fatih Sultan Mehmet dem Eroberer unter dem Namen Fenari Isa als Moschee genutzt.

Hier übrigens der Links zu Google-Maps:
http://maps.google.com/maps?oe=utf-8&rls=org.mozilla:en-US:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&q=fenari+isa+camii%2Bharita&fb=1&gl=tr&hq=fenari+isa+camii&cid=0,0,11079106005555239233&ei=4hmQT9alMobJsgbA-tScBA&sa=X&oi=local_result&ct=image&ved=0CA4Q_BI

Dieser Adnan Menderes, nach welchem der Boulevard benannt wurde, ist übrigens ein ehemaliger Premier der Türkischen Republik, dessen Regierung 1960 von einer Militärjunta weggeputscht wird. Er selber und zwei weitere Mitglieder des Kabinetts werden kurz darauf auf Yassi Ada (die flache Insel) im Marmara Meer erhängt. Ein trauriges Schicksal für einen Premier. Man kann sich denken, dass es zu dem Mann einiges zu sagen gibt. Er war ein größenwahnsinniger und der erste einer Reihe von neoliberalen Politikern, die der vermeintlich „freien Marktwirtschaft“ Tür und Tor öffneten und den Einzug in die türkische Wirtschaftspolitik erleichtert haben. Er hat Schulden aufnehmen lassen bei Onkel Amerika und frisches Kapital in die Märkte strömen lassen.

Das waren die 50’er. In dieser Zeit kamen all die Plymouths, Chryslers, Cadillacs und Dodges auf die Istanbuler Straßen. Alte schwere, gemütliche, komfortable Karossen, von denen einige noch bis in die 90’er hinein als Dolmus (Sammeltaxi) benutzt wurden. In den 80’ern sah es in den Straßen von Istanbul daher noch aus, wie auf Cuba, wo die Luxusflügelwägen aus dem gelobten Land des Kapitalismus zur selben Zeit Einzug hielten.

Die Insel Yassi Ada hat in der Zeit ihrer bisherigen Nutzung durch den Menschen nicht sonderlich vlel schönes erleben dürfen. Ab der spätkaiserzeitlich-Römischen Epoche (4. Jhd. n. Chr.) wurde sie als Verbannungsinsel für ungezogene Prinzen und Regimefeinde genutzt – weswegen die ganze Inselgruppe in Touristenführern immer noch als „Prinzeninseln“ bezeichnet werden. Lange Zeit ungenutzt, wurde sie dann Anfang des 19. Jhd’s von einem englischen Diplomaten aufgekauft und später wieder verkauft, bis sie in die Hände des türkischen Militärs geriet, das – wie oben schon erwähnt – nur Unfug damit trieb. Jetzt steht sie wieder leer.

Das Militär war ja in diesem Land fast so etwas wie eine permanente Heuschreckenplage. 3 mal hat es in republikanischer Zeit geputscht. Aber die Staatstreiche in vorrepublikanischer Zeit sind kaum an allen 10 Fingern mehr abzuzählen. In osmanischer Zeit kosteten die Yanitscharen (eine Eliteeinheit des osmanischen Heeres – ungefähr so wie die Prätorianer in Rom) in Istanbul einigen Sultanen den Kopf.

Das erste mal in der Geschichte des Landes stehen jetzt hohe Militärs gerade vor Gericht, und zwar auf Grund von vormals durchgeführter und aktueller Putschversuche. Fast die ganze Heerleitung sitzt momentan im Knast und es werden immer mehr Offiziere und Generäle. Die neue Regierung hat sich die Aufarbeitung der Vergehen des Militärstabs, sowie die Verhinderung aktueller Putschbestreben auf die Fahne geschrieben. Und derer gibt es anscheinend immer noch genug. Jeden Tag werden neue heimliche Waffendepots und Munitionsarsenale aufgedeckt. Die Nachrichtenmeldungen haben etwas surreales. Man fühlt sich in einem nichtenden wollenden schlechten B-Movie-Polit-Thriller, der mit den Genres Reality-TV und Standup-Comedy kokettiert.

Der Berufszweig mit den nächst-meistverhaftetsten Zugehörigen ist natürlich der der Journalisten. Die können hierzulande nämlich richtig unangenehm werden. Einige von ihnen sind äußerst gewissenhaft und zielstrebig und schreiben interessante Bücher, wie der soeben auf freien Fuß gesetzte und gleich wieder mit Anzeigen überhäufte „Ahmet Șık“.

Hier wird einem nie langweilig scheints.

Schnüffler

Ein guter Schnüffler muss wohl felsenfest davon überzeugt sein, dass es bei ihm selber nichts zu erschnüffeln gibt, um seine Arbeit, nämlich das Schnüffeln in anderer Leute Kram, gewissensfrei bewerkstelligen zu können. Andernfalls würde er sich ja ständig darum sorgen müssen, dass er selber auch beschnüffelt wird.
Natürlich wird er das und er weiss auch, dass er das wird, aber im Grunde – so denke ich mir – könnte er sich dann noch denken: „Wer bei mir rumschnüffelt ist ja selber schuld, denn er findet ja eh nix“. Aber so naiv kann ja eigentlich kein Schnüffler sein. Denn wenn ein Schnüffler was finden will, dann findet der auch was, nicht wahr?
Und so kommt es auch ab und an zu bösen Animositäten unter Schnüfflern. Na und da kann es  schon mal unangenehm werden, so wurde mir verlautbart – aus einer sicheren Quelle, die sich in Schnüfflerkreisen auskennt.

Glauben

dunkler glaube

Glauben

Ein geschickt arrangiertes Konstrukt Ist die Schöpfung

In jeder Ecke versteckt sich ein kleiner, bis an die Zähne mit Zorn und leidenschaftlichem Mut bewaffneter Gnom, der sich mit Händen und Füßen gegen ihre bestimmende Allmacht wehrt.

Gott, Buddha und all die lieben Götter sind versammelt in einem Ehrenrund um eine reich gedeckte und geschmückte Tafel und lächeln gütig über den Einfallsreichtum und die glühende Phantasie ihrer Geschöpfe und Kinder.

Diese werden jedoch bald in der Lage sein, die Macht ihrer Unsterblichkeit aufzuheben.

„Oh allmächtiger Vater! unterschätze die, die du geschaffen hast nie!“, wollte Jesus noch sagen, als er am Kreuz hing. Gott sei dank: Er hat kurz davor das Bewustsein verloren und nach der Auferstehung ist ihm dieser wichtige Gedanke leider entfallen.

Die Aufregung glüht im Kern der Emotion und die Angst mit ihr. Aus der Verschmelzung wird der Honigtau der Sehnsucht gebohren und umhüllt die Sinne ab dem 8. Aufwärts mit einem Tüllnebel, der die Verwesung meisterhaft tarnt.

Das schreit nach einer Revolution !

Restart

grill und bein

when will we start?

restart emotions right behind your nose
without loss of your heart
we will shurely never miss our end
who knows when we will start?

shake your friends
restart your existence
let the ratrace begin
with a bionic circumstance

my virtual mentality
gives me a license to see
and to listen

your eyelid slides towards the ground
creating noise and rubble
all around
you’re still divin’ within my horizon

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You’re shaddering my lips, bebek
Look how they dance!

You’re shaddering my lips, bebek
Look how they dance!

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i know shadows
sometimes they rule over grand nations
and sink and suffer in their own strength of hasitation
salvation is a good value

so just believe in my bicycle

it will save your lovelife
it will groove you
whithout any costs for your think tank account

you think too much
anyhow

I don’t like that

do something you lazy surfacecontrolling unit!