Ich muß zugeben, ich stand unter Schockstarre die letzten Jahre. Deswegen gab es hier auch relativ wenig zu lesen. Dabei hat die Pflicht heftiger als je zuvor gerufen. Aber ich war nicht in der Lage irgendetwas zu unternehmen. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und habe mich der Sorge, dem Schock und der unfassbaren Überforderung hingegeben. Das gebe ich zu. Ich war auch ein Stück weit feige, Gesicht zu zeigen für meine Überzeugung.
Ich fühle mich entwürdigt, meiner Menschlichkeit beraubt. Ich habe das Gefühl, mein Gewissen ist beschmutzt, ohne dass ich etwas dazu beigetragen hätte. Das geht mir schon seit längerem so – eigentlich spitzt sich dieses Gefühl seit Corona schon zu. Als Mensch mit einem Gewissensanspruch hat man immer mit Sorge und Angst zu kämpfen. Sie fordern so oder so ihren Tribut. Gegen die Niedergeschlagenheit bäumt sich jedoch bei mir immer ein innerer Wissenshunger auf. Je besser man diesen füttert, desto stärker wird man – davon bin ich überzeugt. Das gab mir schon immer Hoffnung. Jedoch ist der seelische Heilungsprozess keine einfache Angelegenheit und folgt mitnichten immer einer lineare Entwicklung. Der Weg ist gespickt mit Rückschlägen und tagelangen Lähmungphasen, in denen nichts geht, die Kreativität einen komplett verlässt und man nicht mehr unter Menschen gehen will. So geht es mir momentan. Ich kann nur einen Bruchteil meiner Lebensenergie nutzen. Jeden Tag quält mich die Frage: wozu das alles? Wozu?
Misstrauen macht sich breit. Man denkt sich: wenn so viele schlimme Dinge passieren und diese Gesellschaft kaum berührt davon scheint – ja, dann kann man ja überhaupt nicht sicher sein, mit welchen seelischen Abgründen – abgesehen von seinen eigenen – man es tagtäglich zu tun hat da draussen? All diese öffentlichen Aussagen, all die Polarisierung, all die Gehässigkeit, die ihren Platz finden auf prominenten Plattformen – vor allem in der Politik. Aber schlimmer als all das ist das Schweigen, die Ignoranz…das Geheuchele…das Versteckspiel und die Selbstlüge…dieses „tun, als ob alles seinen geregelten Weg gehen würde“ – dieses „so tun, als ob die Resillienz unserer freiheitlich demokratischen Grundlage nach wie vor durch nichts zu erschüttern sei“.
Nun – die Pflicht ruft und ich werde ihr nunmehr nachgehen, denn ich habe begriffen, dass vor der Zuversicht noch eine viel wichtigere Haltung einzunehmen ist: nämlich die auf der richtigen Seite der Geschichte. Und das ist IMMER eine Entscheidungsfrage. Es ist so, als würde man auf ein Pferd nicht deswegen setzen, weil es die besten Gewinnchancen hat, sondern weil es den entscheidenden Pfad nimmt, der nicht nur dem siegessüchtigen Ego den Gewinn bringen könnte, sondern einer kollektiven Würde, nicht nur einer menschlichen Würde, sondern der Würde des Lebens. Wenn ich Abrahamit wäre, würde ich jetzt sagen: die Würde der Schöpfung. Aber ich bin kein Abrahamit. Für mich gibt es keinen Gott, den wir uns nicht selber geschaffen haben. Wir sind Gott und wir sollten endlich akzeptieren, dass wir die Verantwortung für dieses ganze Glück und auch diese Armseligkeit zu tragen haben, denen wir hier ausgesetzt sind. Wir können die Verantwortung nicht abgeben – nicht beim Gebet und nicht im Beichtstuhl – auch nicht im Gotteshaus.
Wir sind die Herren über unsere Abgründe – niemand sonst – kein höheres geniales Wesen, dessen Herkunft ein Mysterium ist. Denn seien wir mal ehrlich: wir Menschen sind so selbstsüchtig, dass wir eh niemanden über uns akzeptieren, der unsere Geschicke kontrollieren könnte. Deswegen haben wir uns unsere Götter immer selber geschaffen, denn die Wesen der eigenen Fantasie kontrolliert man immer selber. Auf sie kann man alles Projezieren, was Verantwortung mit sich bringen könnte. Gott ist unsere Flucht vor unserer Verantwortung. Das ist meine Meinung zu Religion. In jungen Jahren schon habe ich mich von einem Gottesbild gelöst und mich darauf eingelassen, dass ich ganz alleine für mich verantwortlich bin für meinen Bockmist in diesem Universum und mir keine Sau dabei behilflich sein kann. Mutterseelenallein werde ich im Angesicht des Todes sein und habe auch kein Problem damit.
Kommen wir zur Sache: wir sind uns wohl alle bewußt, dass wir seit einigen Jahren händeringend versuchen, eine Normalität zu wahren, von der wir uns eigentlich vollkommen im klaren sind, dass sie nicht mehr existiert. Wir befinden uns mit all unserem sorgfältig aufgebauten westlich-weißen Unbewußtsein im freien Fall. Lange genug haben wir uns in einem Status befunden, in welchem alles machbar schien. Wir waren stolz auf unsere Freiheiten, von denen wir glaubten, dass sie für alle Menschen in der Welt erreichbar wären, solange man nur hartnäckig an sich selbst glaubt und den Kopf nicht hängen lässt. Alle waren ihre eigenen Helden und wer dazu nicht in der Lage war, ging entweder zur Yoga-Stunde, zur Selbsthilfegruppe oder eben zur Arbeitsagentur, bzw. zum Jobcenter. Für alles gab es eine Lösung. Wir waren Herr*innen unseres eigenen Schicksals.
Unser Selbstbild war geprägt durch die Errungenschaften die wir uns auf dem Weg von der französischen Revolution bis in die Moderne erarbeitet hatten. Wir hatten 2 Weltkriege hinter uns gebracht, uns gegenseitig niedergemetzelt und dann wieder zusammengerauft, um uns über Jahrzehnte als der gute, weise, wohlhabende Teil der Menschheit zu feiern. Schon nach ein paar Jahren nach der 2. Riesenkatastrophe, die wir uns angetan hatten, wurden wir jedoch wieder über jeden Zweifel erhabene Humanist*innen, die integersten Wesen, die das Universum je erlebt hatte. Statt mal endlich die Fresse zu halten waren wir felsenfest davon überzeugt, das wir, die wir die Menschheit in die dunkelsten Abgründe entführt hatten, sie nun wieder ins Licht zu führen vermögen würden. Welch privilegierter weißer Mindfuck!
Demut?
Fehlanzeige!
Demut ist nichts für weiße Menschen!
Die furchtbaren Zeiten schienen lange vorüber und hatten ihre drohende Präsenz sofort wieder verloren. Wir waren auf dem Weg in ein ganz neues verheißungsvolles Zeitalter. Wir hatten lange Anlauf genommen und hatten nun zum euphorischen Sprung über die Zeit des kalten Krieges angesetzt und…hatten uns – akkurat Murphy’s Gesetz folgend – in der Luft eine Sehnenzerrung zugezogen. Das Problem war: wir waren schon sehr weit oben – der Fall reicht deshalb tief. Das erkennt man daran, dass der Aufprall immer noch nicht stattgefunden hat – also zumindest bei uns in Europa nicht. Kurz vor dem Aufprall schwerelos schwebend – genau das ist das Gefühl, dass ich gerade habe. Versteht mich nicht falsch: ich möchte niemandem die Zukunftsvisionen verderben, aber ich kann mir dieses Gemisch aus Rassismus, Faschismus und monströsem Unmenschentum, das jeden Tag in panischen massenhysterischen Eruptionen explodiert nicht schönreden.
– Die gruseligen Straßenszenen in den USA, wo Menschen von vermummten, bis über die Zähne bewaffneten anonymen Gestalten nach rassistischen Merkmalen von der Straße weg in riesige Jeeps gezerrt, auf offener Straße ermordet, oder in eigens dafür entwickelte Sammelhaftanstalten gesteckt werden.
– Die Ignoranz der weißen Welt gegenüber der flächendeckenden Bombardierung des Gazastreifens, den zehntausenden zivilen Opfern, den Massen an toten Kindern, vor allem den Verletzten und für immer entstellten, verkrüppelten, traumatisierten Menschen, den unzähligen vermissten (die Schätzung liegt bei insgesamt über 500.000 Toten und Vermissten).
– Die feine weiße Welt, die sich sonst bei jedem Urteil der UN über Völkerrechtswidrigkeiten empört und leidend aufheult – wie erstaunlich gleichmütig sie sich plötzlich gegenüber den Machenschaften einer rechtsradikalen, faschistischen israelischen Regierung gibt, deren Premier ein international gesuchter Kriegsverbrecher ist, deren Mitglieder und ihr Umfeld offen und ungeschminkt herausposaunen, dass sie eine ethnische Säuberung begehen, dass sie alles und jeden mit palästinensischem Hintergrund als Feinde sehen und vor allem die Kinder ins Visier nehmen, die ganz klar die völkerrechtswidrige Okkupation des Westjordanlandes nun durch die Knesset legalisieren und in Form einer legalen Annexion umsetzen werden.
Ja – ich schreibe es hier offen: ich halte den Zionismus für eine der gefährlichsten Ideologien der Menschheitsgeschichte und halte es auch für verwerflich, Antizionismus mit Antisemitismus gleich zu setzen.
Ja – der Holocaust ist mit keinem anderen Völkermord zu vergleichen. Aber ganz ehrlich? Welcher Völkermord ist denn mit einem anderen gleich zu setzen? Will man jetzt allen ernstes die Völkermorde der Menschheit in eine hierarchische Skala einordnen und sie nach ihrer Qualität sortieren?
Vielleicht ist ja die Herausstellung des Holocaust in seiner Einzigartigkeit der klägliche Versuch der Nachfahren der Täter, sich selbst vom unerträglichen Bild des*r banal-bösen Parteigängers*in zu befreien, für das man sich zu gut ist – ein hartnäckiger Versuch, die Täterschaft als eine unerklärliche Ausnahme zu verklären? Vielleicht versucht man damit sogar seit Jahrzehnten eines zu kaschieren: dass man sehr genau weiß, dass die Nazis einem auch in der persönlichen Historie näher waren, als man je zugeben mag und mochte, dass sie nie weg waren, dass sie immer unter uns waren und es immer noch sind und zwar in allen Schichten der Gesellschaft in allen Ebenen des Staates – in fast allen Parteien und Organisationen, im Polizeiapparat, im Militär, im Beamtenwesen, in der Justiz und und v.m. – also flächendeckend in der gesamten Gesellschaft.
Und während wir tagtäglich immer wieder und wieder ein gemeinschaftliches „nie wieder!“ heraufbeschwören, geschieht es eben trotzdem immer wieder und immer mit deutscher Beteiligung und ist auch in der Zeit vor den beiden Weltkriegen passiert. Denn eine rassistische kollektive Entgleisung passiert nicht einfach so – aus unerklärlichem Grund – urplötzlich von alleine und keiner will es irgendwie gemerkt haben. Nein! Es greift auf Tradition und Gewohnheitsmuster zurück. Rassistische Strukturen wachsen nur dann so beständig, wenn sie über eine sehr lange Zeit und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Insbesondere hier in Deutschland wurde rassistisches Denken über ein Jahrhundert besonders sorgfältig entwickelt. Da darf keiner glauben, so etwas sei von einem Tag auf den anderen mit Konrad Adenauer und dem Wirtschaftswunder auf magische weise verpufft! Das war es nie! Nun ist es präsenter denn je, was diese meine Überzeugung zu bestätigen scheint.
Rassistische Theorie und Praxis war um die vorletzte Jahrhundertwende jedoch überall hip. Jede imperiale Macht, die etwas auf sich gehalten hat, hat sie gepflegt – nur so sind all die kolonialen Verbrechen möglich gewesen, die im Namen der feinen westlichen Lebensart durchgeführt wurden, von Sykes-Piquot, über Palästina, Algerien, Marokko, Sudan, Burkina Faso, Kongo, Indonesien, dem südamerikanischen Kontinent, etc. etc. bis in die Gegenwart. Das sind alles Länder und Regionen, in denen vorerst koloniale und später imperialistische Erwägungen eine Rolle spielten und immer noch spielen. Die monströse Qualität der Verbrechen fußt auf der Entwicklung des industriellen Zeitalters – in dem wir uns meiner Meinung nach immer noch befinden. Dieses erforderte große globale Strategien – mit schlimmen Auswirkungen auf große Menschenmassen.
Die Gründung Israels ist das Resultat einer rassistischen Übereinkunft. Die einen Rassisten (Vertreter der Imperialmächte) wollten eine unliebsame Bevölkerungsgruppe aus Europa loswerden und den anderen (den Zionisten) kam dies sehr gelegen, denn sie benötigten eine monokulturell definierbare Volksmasse. Beim Anspruch auf eine elitäre Identität kamen sie schließlich alle zusammen: die Briten, Franzosen, Deutschen und auch die Zionisten. Sogar letztere beiden konnten sich in der frühen Phase des 3. Reiches sogar in grundsätzlichen strategischen Überlegungen gut einigen (s. Haavara Transfer abkommen auf bpb.de). Das die zionistische Idee mitnichten als politische Basis jüdischen Lebens fungiert, bestätigt die Tatsache, dass diese lange Zeit mit der Abneigung von jüdischen Gruppen aus aller Welt zu tun hatte, die ihre Vertreter gerne als euphemistische Zuwanderer der ersten Stunde im okkupierten Palästina gesehen hätten. Außerdem gibt es massig jüdische Stimmen aus den verschiedensten Regionen der Welt und auch in Israel, die sich einer Vereinnahmung der jüdischen Kultur durch die zionistische Idee verweigern!
Beim Zionismus geht es – wie bei allen auf der nationalen Idee basierenden Elementen des Weltordnungssystems – immer noch um das eine: um die Dominanz einer vermeintlichen Leitkultur, die eine nationale Identität bestimmt und im Idealfalle einem elitären übergreifenden Konsens zugehört. Der Erfolg der eigenen Identitätshaube wird durch die Mitgliedschaft in elitären Gruppen der Weltwirtschaft und des Militärwesens gemessen (G7, G9, Davos, Weltsichereitskonferenz, Nato etc.) Hauptsache ist, man gehört zu den „wertvolleren“ Identitätsgefässen auf dieser Welt.
So kann man sich in seiner Auffassung, zum „besseren“ Teil der Menschheit zu gehören alles erlauben – vorausgesetzt, das geopolitische Machtgefüge begünstigt einen. So war es wohl seinerzeit auch möglich, dass die Pioniere des Zionismus die Deklaration eines britischen Aussenministers als Legitimation nutzen konnten, einen Apartheidsstaat auf längst besiedeltem Gebiet zu errichten und die indigene Bevölkerung zu ursprünglich nichtexistenten Eindringlingen zu erklären, sie systematisch zu verdrängen, über Jahrzehnte hinweg in ihrer eigenen Heimat in abgesperrte Areale zu pferchen und zu isolieren – so wie ehemals in den USA, in Südafrika auch seit Jahrzehnten in Palästina geschen. Nun, da die politische Gemengelage durch die Machtübernahme eines großenwahnsinnigen Faschisten in den USA einem sogar noch mehr entgegenkommt, kann man sogar den dicht besiedelten Gazastreifen mit 2,5 Millionen Menschen am Anfang des 2. Jahrtausends nach Christi allen Ernstes mit der 6-fachen Explosionskraft von Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleich machen und davon ausgehen, dass der gesamte Westen – mit einigen wenigen Ausnahmen – nichts dazu zu erwidern hat.
Ein Völkermord ist durch nichts zu rechtfertigen – auch nicht durch den Anschlag vom 07. Oktober 2023. Militärische Gegenschläge haben Terror noch nie beendet, das wird auch mit diesem Gegenschlag nicht beabsichtigt und wird deswegen auch nicht gelingen. Wenn man wirklich ein Ende der Gewalt will, dann führt kein Weg daran vorbei, sich endlich mit historischen Zusammenhängen zu beschäftigen und diese anzuerkennen. Besonders in dieser Region kommt man an einer kulturell vielfältig zusammengesetzten Gesellschaftskonsistenz nicht vorbei. Der Begriff vom „Jüdischen Staat“ ist schon problematisch, denn man geht von einem Staat aus, der nicht nur kulturidentitär monolithisch ausgerichtet ist, sondern auch von der Religionszugehörigkeit seiner Bürger*innen her.
Diese Fragen müssen diskutiert werden können, ohne polarisierende Anfeindungen zu erfahren. Ich bin kein Antisemit. Ich hinterfrage lediglich die politische Agenda und Struktur eines monokulturell ausgerichteten Apartheidsstaats mit bekennenden Rechtsradikalen in der Regierungsadministration, dessen Streitkräfte gerade einen durch international anerkannte Gremien gesichert nachgewiesenen Völkermord ausüben. Auch die Aussagen des sich selbst als konservativ bezeichnenden Premiers unterscheiden sich übrigens nicht im wesentlichen von denen eines Rechtsradikalen. Noch dazu liegt aktuell ein Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshofs gegen ihn vor wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Ich habe an einer deutschen Uni gelernt, historische Zusammenhänge zu suchen und zu verinnerlichen, um sowohl historische, als auch gegenwärtige geopolitische Vorgänge zu verstehen. Nun will eine globale politisch rechtskonservative Elite von uns, dass wir diese Denkweise – lediglich im Zusammenhang mit diesem unmenschlichen Prozess in Palästina – nicht anwenden, denn es würde sonst die deutsche Staatsräson in Gefahr bringen. Die Staatsräson und die Beschwörung der Einzigartigkeit des Holocaust und somit der deutschen historischen Schuld erzeugt vielmehr das Trugbild, dass es nicht notwendig sei, ausserhalb dieses Themenkomplexes nach einer deutschen Beteiligung an Verbrechen an der Menschlichkeit zu suchen. Somit kann das, was im 3. Reich geschehen ist als unerklärlicher einzigartiger Sonderfall fokussiert werden und einer aufrichtigen Auseinandersetzung mit dem umfassenden aktuell vorherrschenden rassistischen Potential in der deutschen Gesellschaft ausgewichen werden.
Aber die Realität sieht anders aus: Deutschland ist auch auf globaler Ebene immer noch in Verbrechen an der Menschlichkeit verwickelt und es bahnen sich noch weitere an. Deutschland steht schon wieder sehenden Auges auf der falschen Seite der Geschichte. Und daran sind die politischen Kräfte aller Spektren beteiligt – auch die Grünen und die Linken. Die antideutsche Gesinnung sorgt für die Salonfähigkeit faschistischer und rassistischer Ideen in der Linken. Rassismus wird dadurch nicht hinterfragt, sondern einfach auf eine neue Opfergruppe projeziert: muslimisch gelesene Menschen (s. Skandalinterview mit Bodo Ramelow). Muslime sind nun – ganz verallgemeinert – die unwürdigen und bösen Menschen, genau so, wie es die Juden früher waren. Das antideutsche Denken ist meiner Meinung nach ein Verdrängungsmechanismus, welcher den in ihrem Selbstbild stark verletzten deutschen Nachkriegsgenerationen zunächst die empört-enttäuschte Distanzierung von ihrer identitär belasteten (Groß-)Elterngeneration ermöglicht, ohne sich mit der gesellschaftlich-rassistischen Tradition, in der sie sozialisiert wurden wirklich konfrontieren zu müssen. Als die neuen Nazis werden neben den Neonazis – von denen man sich selber eigentlich nicht wesentlich unterscheidet – nun vor allem die Muslime markiert!
Die Erde brennt!
Wir befinden uns in einer Phase der Menschheitsgeschichte, in der mehr Zerstörung und Krieg passiert als jemals zuvor. Und wir wissen und sehen alles! Wir wissen genau, was in Syrien, im Nordirak, im Sudan, im Kongo, im sogenannten Nahen, im sogenannten Mittleren Osten, im Iran, in Afghanistan, in Südamerika, in den USA, ja sogar in Grönland passiert!
Wir wissen ganz genau, was unsere Vorfahren verbrochen haben und wir wissen sehr genau, wie wir von alledem profitiert haben und immer noch profitieren! Und wir wissen sehr genau, dass wir überhaupt nicht in der Lage sind, zu den Konsequenzen zu stehen, die aus alledem erwachsen sind.
Wir bewerten die Welt aus unserer bequemen Perspektive heraus und glauben vieles über sie zu wissen. Wissen tun wir tatsächlich einiges, aber begriffen haben wir leider wenig!
Es ist ein Irrglaube, dass wir es uns leisten könnten, uns jetzt in eine wohlbehütete weiße kulturidentitäre Blase zurück zu ziehen, indem wir mit der extremen Rechten um die Deutungshoheit über dieselbe um die Wette kegeln.
Das wird nicht klappen, auch wenn wir unsere Kinder dazu zwingen würden, in den Schulen im Stundentakt die Europa-, Deutschland- und Bayernhymne hintereinander zu singen. Nationalidentitär können rechtsradikale Nazis wesentlich besser. Das Vertrauen in den Staat, in die Demokratie, in die Verfassung war jungen Menschen eh schwer zu vermitteln. Jetzt ist es fast unmöglich geworden. Gerade jetzt sollten wir uns mutig zu unserer gesellschaftlichen Vielfalt bekennen und diese in den Vordergrund stellen, statt eine national-fokussierte monokulturelle Mehrheitsgesellschaft zu besingen.
Die Kids sind nicht dumm. Sie beobachten die Welt genau und sehen, wie Trump, Musk, Merz, Thiel und alle anderen Wahnsinnigen sich an Legislatur, Anstandsregeln und auch ideellen Konsens vorbeimogeln, ja sie sogar ignorieren können. Sie sehen, dass es Menschen 2. und 3. Klasse gibt, auch wenn ständig die Gleichheit vor Gesetz und Verfassung beschworen wird. Ungerechte Unmenschen regieren die größten Staaten und Konzerne der Welt, besitzen unvorstellbares Vermögen, werden zu Rollmodels. Ihnen sind Verfassungstexte, die Menschenrechtscharta, die Ideale einer freien demokratischen Welt, das Klima etc. SCHEISS – E – GAL!
Der neoliberale Haifischkapitalismus hat nicht nur gesiegt. Er übertreibt gerade richtiggehend seine Rolle. Wir alle sehen zu und warten darauf, dass der Wahnsinn irgendwann aufhört, aber die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Kathastrophe nicht einfach abebbt, wenn sie ein bestimmtes Stadium erreicht hat. Sie fordert erst einmal ihren Tribut und leider befürchte ich, dass auch wir diesen Tribut zahlen werden.
Interessant ist nur: wie geht man in diesen Prozess hinein? Duckt man sich und hofft, dass der Tsunami über einen hinwegfegt, oder bezieht man Haltung auf der richtigen Seite der Geschichte? Das war schon immer die entscheidende Frage.
Nun ist es wieder soweit. Ab jetzt muß alles, was wir tun politisch sein. Seid auf der richtigen Seite der Geschichte!
Es ist nicht die Zeit für Bullshit und Party und Bullshit.
Free all supressed People!