Zeitgenossenschaft

Auch wenn wir so tun, als wären wir Zeugen der gesamten Geschichte des Universums und würden es kennen, wie unsere Westentasche, so sind wir im Grunde nur die Zeugen des Hier und des Jetzt. Das Unglaubliche an der Zeit ist, dass sie die einzige Sache ist, die wir Mistgurken miteinander teilen „müssen“, ob wir wollen oder nicht.

Die Drogenvergangenheit der Briten in a Nutshell

Ist das nicht erstaunlich? Seit Jahren gilt die Globalisierung als das Modell der Zukunft und was kommt nun zum Vorschein? Nationalistischer Protektionismus und Populismus. Zumindest in der weißen Hemisphäre der Menschenwelt.

Sogar die Briten, die über Jahrhunderte einen großen Teil der Welt beherrschten, ziehen sich zurück in ihre Nußschale. Sie suchen Schutz im Engen, Vertrauten, Gewohnten.

Dabei müßten sie am besten wissen, dass das nichts hilft. Den Chinesen hat es damals im 19. Jhd. auch nicht geholfen, sich in ihre Wirtschaftsblase zurück zu ziehen. Damals kontrollierten sie ihren eigenen Handel und waren seit je her wirtschaftlich autochton. Ihr Untergang begann mit Tee, denn der war und ist in England schon immer sehr beliebt gewesen. Und da die Chinesen den Teemarkt kontrollierten, mußten die Briten diesen von ihnen kaufen, und zwar in rauen Mengen. Das ging richtig ins Geld.

Vor allem mißfiel es den Engländern, sich permanent mit der Käuferrolle begnügen zu müssen. Wenn Handel, dann mußte das schon in beide Richtungen gehen. Aber die Chinesen hatten kein Interesse an den Produkten der degenerierten Weißen.

Also bedrängten diese die chinesischen Kaiser lange Zeit mit der Forderung nach bilateralen Handelsbeziehungen. Diese lehnten aber konsequent ab. Eigentlich mit Recht. Warum sollten sie ihre Märkte dem Ausland öffnen, wenn sie doch ganz gut klar kamen mit dem eigenen Binnenangebot in ihrem riesigen Reich?

Diese introvertierte Sturheit trieb vor allem das britsche Großkapital schier in den Wahnsinn. Es floßen nämlich Unsummen des britischen Goldes nach China, aber es gab keinen Gegenfluß. So konnte es auf Dauer nicht lange weitergehen. Es mußte etwas geschehen! Sie mußten irgendeinen Weg finden, den Chinesen ihr kolonialistisches Handelsportfolio unterzujubeln.

Irgendwann Anfang des 19. Jhds war endlich die Lösung gefunden: auch Chinesen konnte man in Abhängigkeit bringen. Sie standen nämlich unwahrscheinlich auf Opium und darauf hatten die Briten fast unbegrenzt Zugriff durch ihre imperial-kolonialen Positionen, vor allem in Indien.

Also ging es los mit dem illegalen Opiumschmuggel nach China, in großem Format organisiert durch Drogenbarone, die mit der britischen Handelsflotte kooperierten und gesichert durch britisches Militär. Hauptstützpunkt war der Schmugglerhafen Hongkong.

So sehr sich die chinesischen Kaiser und die kaiserliche Administration durch Sanktionen, Verbote und schwere Strafen dagegen zu wehren versuchten, es half alles nichts: ihre Untertanen wollten den Stoff und die Engländer überschwemmten den Markt.

So kam, was kommen mußte: die Chinesen griffen im Spätsommer 1839 britische Handelsschiffe an, konfiszierten das Opium und zerstörten es. Drakonische Strafen bis hin zur Todesstrafe trafen Konsumenten, kleine und große Händler, auch Europäer waren darunter. Daraufhin lief es damals fast genau so, wie es heute auch noch üblich ist: ausgerechnet die miesesten Ganoven spielten sich als die Verfechter des freien Handels auf und riefen ihr britisches Königreich um Hilfe an, welches Ihnen diese narürlich willfährig gewährte: Der daraufhin entbrannte sogenannte 1. Opiumkrieg ging bis zum 29. August 1842 und endete in der Okupation der wichtigsten Handelsniederlassungen an der chinesischen Küste, der Auflösung der chinesischen Außenhandelsmonopols und der Öffnung des chinesischen Marktes für die Güter der Briten und anderer europäischer Staaten. Noch dazu mussten die Chinesen den englischen Drogendealern das gesamte zerstörte Opiumgut ersetzen.

Der Konflikt gärte noch etwas nach und es kam zum 2. Opiumkrieg von 1856 bis 1860, im Zuge dessen die verbündeten Truppen der Franzosen und Engländer – durch Beihilfe von geförderten Rebellentruppen – die chinesische Souveränität völlig untergruben und auch in Peking einzogen.

Als Nebeneffekt wurde die Wirtschaftsmetropole Hongkong geboren. Dort etablierte das britische Großkapital eine der dreckigsten Bankunternehmen der Welt, um ihre Drogengewinne abzusichern: nämlich die HSBC (Hongkong & Shanghai Banking Corporation), die seit dem bis in die Moderne als „die“ Schwarzgeldwaschanlage für Drogenkartelle aus der ganzen Welt fungierte.

1911 brach dann das chinesische Kaiserreich zusammen und die imperialistischen Gauner tobten sich aus bis dann der große Mao Tse Tung anrückte. Der Rest ist bekannt.

Dies ist eine sehr interessante Episode der britischen Imperialgeschichte, finde ich. Angesichts dieser gewinnt der feige Rückzug aus der EU und die große Unterstützung, die diese Politik durch das Wahlergebnis vom 12.12.2019 durch die britische Bevölkerung erfahren hat, noch mehr an Gewicht.

Ich wünsche diesen Schweinepriestern die chinesischen Heuschrecken an den Hals, auf das sich die Geschichte rächen möge! Und dann bin ich auch noch so frech und wage ein dystopisches Science Fiction Szenario: die chinesischen neoliberalen Kommunisten werden dann von europäischen postkapitalistischen Rebellen in die Flucht geschlagen. Die Tories gehen in der Revolution unter. Das britische Großkapital flüchtet nach Russland, das ihnen eine steuerbegünstigte Freihandelszone am Don bietet.

Material zum anlesen und Überblick verschaffen:
https://www.welt.de/geschichte/article172647940/Erster-Opiumkrieg-Als-England-weltgroesster-Drogendealer-wurde.html
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/geschichte/geschichte-opium-fuers-volk/4171512.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Opiumkrieg
Doku zu HSBC auf Arte:
https://www.youtube.com/watch?v=a-uHKWu2nDw

Schmachtfetzen #10: Esengül – Taht kurmuşsun kalbime

Als glamouröser und mythenumwobener Star hat sich Esengül in den 70ern ihren Platz in der türkischen Arabeskmusikszene gesichert.Esengül gilt als eine der wichtigsten Stimmen des Genres und hat es mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrem Charisma über Generationen geprägt.
Esengül war eine selbstbewußte Frau, die sich in einer patriarchalen Gesellschaft mühsam ihren Weg bahnte. Sie hatte eine Vielzahl an Liebhabern, die entweder türkische Celebrities waren, oder aus der Unterwelt stammten. Ihr Name war verwickelt in mehrere Skandale und Schießereien, die um ihrer Willen ausgetragen wurden. So war ihr Name oft in den Schlagzeilen der Boulevardpresse vertreten. Leider war ihre Karriere nur kurz und endete dramatisch: mit nur 25 Jahren erlag Sie im Jahr 1979 den Folgen eines Verkehrsunfalls in Istanbul. Die Umstände des Unfalls wurden nie richtig geklärt. Die Stadtlegende besagt, dass es sich dabei um eine Mafia-Abrechnnung gehandelt haben soll.
Geblieben sind die wunderschönen Lieder, die sie interpretiert hat. Hier eines meiner Favoriten:

Bırakmam seni ben
yanımdan gidemezsin
seviyorsan benimle
oturup içeceksinuzaklarda aramam
çünkü sen içimdesin
taht kurmuşsun kalbime
en güzel yerimdesin

her an seni canımda
ruhumda duyuyorum
aşkımla sarhoşum ben
çılgınca seviyorum

——————-

artık anmak istemem
ayrılığın adını
seninle alabildim
mutluluğun tadını

uzaklarda aramam
çünkü sen içimdesin
taht kurmuşsun kalbime
en güzel yerimdesin

ayrılığın yükünü
kaldırıp taşıyamam
dünyaları verseler
ben sensiz yaşayamam

Ich kann nicht von dir lassen
du kannst nicht von mir gehen
wenn du mich liebst, dann bleibst du
und trinkst mit mir!Ich suche nicht in der Ferne,
denn du bist tief in mir
Du thronst in meinem Herzen,
bist an meinem schönsten Ort

Ich spüre dich jeden Moment
in meinem Leben, in meiner Seele,
bin trunken vor Liebe
bin verrückt vor Liebe

——————-

Von Trennung will ich nicht mehr reden
Mit dir habe ich das süße Glück geschmeckt

Ich suche nicht in der Ferne,
denn du bist tief in mir
Du thronst in meinem Herzen,
bist an meinem schönsten Ort

Die Last der Trennung
kann ich nicht tragen
Auch wenn sie mir Welten versprechen,
kann ich nicht mehr ohne dich leben.

Lyrics: Şemsettin Polat
Musik: Orhan Akdeniz

Zum Gepöbel in Zwickau

Einige von euch werden den Rummel um die Gedenkstätte an die NSU-Opfer in Zwickau mitgekriegt haben. Im Grunde eine gute Sache, hat diese Angelegenheit jedoch erstaunlicherweise sowohl die Rechten, als auch die Linken, aber vor allem die Angehörigen der NSU-Opfer empört. Viele haben es nur am Rande mitgekriegt und wissen über den Ablauf der Ereignisse nicht genau bescheid!

Ich will dieses Vorkommnis hier auf meine Art analysieren, weil es meiner Meinung nach eine sehr klare Momentaufnahme der gesellschaftlichen Brüche in Deutschland wiedergibt.

Was ist passiert?

In Zwickau, wo das Kerntrio des NSU zuletzt im Untergrund lebte, wurde von einer Bürgerinitiative am 8. September 2019 zum Gedenken an Enver Şimşek – dem ersten Opfer der NSU-Mordserie – auf der Ziegelwiese im nördlichen Teil des Schwanenteichparks eine Deutsche Eiche gepflanzt. Nur wenige Wochen später wurde der Baum von Unbekannten abgesägt. Eine Woche später wurde auch eine Bank mit einer Inschrift zerstört, die zum Gedenken an Şimşek aufgestellt worden war.

Dies sorgte berechtigterweise für allgemeine Empörung. Nun hat sich – wohl ausgelöst durch den schlimmen Anschlag von Halle am 10. Oktober – eine Schüler*inneninitiative der geschändeten Gedenkstätte in Zwickau angenommen. Ein paar Tage nach besagtem Anschlag wird eine große Gedenkveranstaltung abgehalten und die Wiedereinrichtung des Gedenkstätte – diesmal bestehend aus 10 Bäumen (für alle NSU Opfer) – beschlossen. Sogar die Bundeskanzlerin ist zur Einweihungsfeier eingeladen! Ein großartiges Zeichen von Bewußtsein, Haltung und Zivilcourage – noch dazu dargebracht von Schüler*innen in Zwickau! Wundervoll.

Das Problem ist nur, dass weder die Schüler*innen, noch die Lehrer, noch irgendjemand in der Stadtverwaltung und der Politik sich anscheinend auch nur Ansatzweise vorstellen konnte, dass eine Gruppe bei diesem wichtigen Ereignis im Grunde nie und nimmer fehlen darf: Die Angehörigen der Opfer und all die migrantischen Bürgerinitiativen, die seit Jahren sich um die Aufklärung und Aufarbeitung des NSU Komplexes bemühen. Vor lauter schnell schnell, hat man diese Menschen vergessen. Unglaublich!

Nun kam es doch tatsächlich am 4. November zur Einweihung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Begleitung von Schülervertreter*innen, dem Sächsischen Ministerpräsidenten und der Oberbürgermeisterin von Zwickau. Eine Handvoll repräsentativer Menschen, die dort ein Zeichen setzen wollten.

Die Gedenkstätte war wohl weiträumig abgeriegelt worden, denn es hatte sich schon eine Gegendemonstration von „wütenden Bürger*innen“ formiert, die mit „Merkel muß weg“ Rufen die Veranstaltung stören wollten. Sie werfen der Bundesregierung eine Wahrnehmungsverschiebung vor, denn für sie ist diese Gedenkstätte völlig unwichtig. Sie bedauern, dass die Regierenden in diesem Lande ihre Steuergelder sinnvoller ausgeben sollten, indem sie sich gefälligst um die wahren „Deutschen“ im Lande kümmern.

Deutschlandfunk Kultur reagiert am Tag darauf mit einer Sendug, die das Gepöbel der Rechten und die Verrohung der Gesellschaft  verurteilt!

Wir haben hier eine übliche Situation: Deutsch-deutsche Demokrat*innen zeigen Zivilcourage und Gedenken der Opfer von rechter Gewalt, die wiederum ebenfalls von Vertreter*innen der Mehrheitsgesellschaft verübt wurde. Die Polizei besteht vorwiegend aus deutsch-deutschen Beamt*innen und es protestieren deutsche Reche, die dieses Gedenken als Affront gegen sich sehen. Die Demokrat*innen und die seriösen Medien im Lande verurteilen das Gepöbel gegen die Kanzlerin.

Fazit: die Kartoffeln sind wieder mal mit sich selbst beschäftigt und auch fest davon überzeugt, dass sie alles richtig begreifen und das schon lösen werden. Zu Gunsten wessen auch immer: Entweder setzen sich die einen durch und lassen sich als Helden der Demokratie feiern, oder eben die anderen und machen dann im Auftrag des Staates ungeniert Jagd auf alle „Anderen“ – so wie das schon einmal auf unmenschliche Weise in diesem Land passiert ist. In beiden Fällen interessiert die Meinung der „Restgesellschaft“ nicht. Die müssen sich zurücklehnen und seufzend warten bis die Herrenrasse die Sache geklärt hat.

Eine Gedenkstätte für die Opfer des NSU in Zwickau! Wie wichtig und wertvoll dieses Zeichen jedoch tatsächlich wäre!

Ich sage „wäre“, denn sowohl die Tatsache, dass die Angehörigen der Opfer weder eingeladen, noch benachrichtigt wurden, als auch der Fakt, dass mehrere Namen der Opfer falsch geschrieben wurden, zeugt leider von einer halbherzigen Intention des Ganzen.

Da ich zunächst dachte, dass diese Veranstaltung von der Bundesregierung initiiert war, wurde ich sofort mißtrauisch: Ich dachte der Grund für den Faux Pas wird die Sorge davor gewesen sein, das Rechte Spektrum (mit Sicherheit auch unter den eigenen Wählern) verärgern zu können. vor allem aber war ich überzeugt, dass diese Entscheidung in der Sorge begründet lag, dass man bei einer Zusammenkunft mit den Angehörigen mit Konfrontationen und Forderungen um Tansparenz und Aufklärung im und um den NSU-Komplex zu rechnen hätte. Mitlerweile glaube ich aber, dass man die Angehörigen einfach vergessen hat, genauso, wie Frank Walter Steinmeier in Halle vergessen hat, dem Dönerimbiss, in dem ja bekanntlich 2 Menschen vom Attentäter hingerichtet wurden, seine Aufwartung zu machen. Ich befürchte tatsächlich, dass diese Menschen vergessen wurden und ständig vergessen werden. Ich vermute darüber hinaus, das das deswegen so ist, weil die Opfer mit Migrationshintergrund nur als symbolische Aufsteller fungieren, sozusagen als Markierungen, an denen man in ständiger Wiederkäuer-Manier sein vom Holocaust geplagtes Gewissen abarbeitet.

Heftige Reaktionen von Rechts hat man so oder so zu erwarten. Damit muss man rechnen! Sich darüber zu wundern, ist Heuchelei! Das ist die Realität in Deutschland! Und der muss man sich endlich entgegenstellen. Nichts hätte sich dazu besser geeignet, als ein Schulterschluss mit den Angehörigen, aber denkt man nicht mal.

Jetzt ist wieder einmal das Schlimmste eingetreten: keine klare Haltung gegen Rechts, keine klare Benennung der Täter und ihrer organisierten Netzwerkstrukturen, keine klare Positionierung an der Seite der Opfer und ihrer Angehörigen, kein klares Statement „gegen den Faschismus“!

Genau deswegen denke ich leider, dass man sich jetzt mal auf die Hinterbeine stellen sollte, statt hier über „Pöbeleien“ abzujammern, die nichts anderes sind, als Auswüchse von organisierten faschistischen Strukturen, die man seit Jahrzehnten auf Staatsebene bewusst und subtil protegiert, deren Akzeptanz man aber mit unbeholfenen Statements und solchen schwammigen Aktionen auch offen fördert.

Keine der genannten Parteien sieht die sogenannte „Opferpartei“ überhaupt als eine relevante Größe in diesem Game! Der Faschismus in Deutschland ist jedoch nicht nur eine innere Angelegenheit der (Deutsch-) Deutschen! Er kann nur besiegt werden, wenn die gesamte Gesellschaft sich organisiert gegen ihn stellt. Und das ist nur möglich, wenn auch alle Bestandteile der Gesellschaft immer angesprochen werden.

Abgesehen davon: stellt euch mal vor, Euer Vater wird ermordet und es findet eine Gedenkveranstaltung statt, auf der Ihr nicht eingeladen seid? Und noch dazu wird sein Name falsch geschrieben?

Wie würdet Ihr reagieren?

Be Kunst my friend!

Das Problem ist nämlich: in dem Moment, in dem du meinst, politisch zu sein, bist du schon raus aus dem Kunstschissel! Die nächste Station ist dann immer gleich Ai Wei Wei. Wenn du nur “kreativ” bist hingegen, dann erübrigt sich die Frage eh. Was willste da noch groß labern? Das Geld ist dein Chef. Face it! Aber wenn du Kunst machst, dann ist das Geld dein Feind. Ob du’s willst oder nicht. Gibt’s nichts zu machen.

Du wolltest Kunst machen und sie ist aus Versehen zu Pop geworden? Ach so – dieses Versehen gab’s zuletzt in den 60’ern. Das gibt es jetzt nicht mehr. Jetzt ist es…Pop..und Kunst. Das nennt sich dann gleich Pop Art, klingt mitlerweile eher nach unkorrektem Milchprodukt und ist in jedem Supermarkt zu haben. Das bringt zwar Geld, macht aber viel Plastikmüll.

Also was machen mit der Kohle? Verbrennen, so wie damals KLF? Das war ein Kunstprojekt, das darauf angelegt war, Pop zu werden. Und es hat tatsächlich auch geklappt! KLF hat aber die Uhr noch weiter gedreht, indem sie die Einnahmen aus dem Projekt öffentlich verbrannt haben. Das war grandiose, die Materie schamlos verachtende Kunst. Kunst in ihrer vollkommenen Radikalität! Kunst, die den Kapitalismus fickt, statt sich hörig unterzuordnen! Somit erhielt KLF seine Würde zurück und wurde dafür von konservativen Kleinbauern auf den Kanalinseln verständlicherweise bitterst gehatet. Das war geil!

Batsch sind seitdem 3 Jahrzehnte vergangen und was ist passiert? Der Begriff “Wirtschaft” regiert krasser denn je. Die Kreativen haben sich als erstes gebückt. Sie wurden stufenweise “gesundtherapiert”. Zunächst mussten sie einsehen, in welcher Misere sie sich befinden, ohne die Wirtschaftlichkeit. Dann mussten sie Dankbarkeit üben und sich Marketingkonzepte aneignen. Sie schnappten nach jedem happen, den man Ihnen entgegenwarf und wurden zu “Marken”! Jetzt sind sie existenzberechtigt!

„Kreativ“ ist jetzt tot. Das Zauberwort heißt: “Kreativwirtschaft”. Du benötigst dazu lediglich einen kreativen Impuls und eine/n Wirt/in, der/die was schafft. Dann hast du eine Kreativwirtschaft. Musikwirtschaft gibt’s natürlich auch, oder Kulturwirtschaft. Den Begriff Kunst gibt’s glaub’ ich auch mit diesem Anhängsel? Wart ich gugel mal!

….Scheisse, offline!

Also, das ist echt lächerlich hier in Deutschland! Alle machen wichtig rum mit ihrer Web-Affinität, aber wenn du in ‘ner Bahn ins Münchner Umland fährst, dann bist du halt gerne mal für mindestens 20 Minuten Offline. So ein Mist! Kein Wunder: Herrenrasse hat halt keine Ahnung von Dienstleistung!

Na ja, dann gugelt halt selber! Ihr könnt mir ja bescheid sagen, ob die Begriffskombi (ich weigere mich, sie zu erwähnen) gängig ist, oder nicht. Ich befürchte das Schlimmste. Meiner Meinung nach könnte man die Kunst ja gerne als “Bordell” bezeichnen, als „Müllhalde“, oder als „Wiege der menschlichen Kultur“, whatever! Aber als Teil einer Wirtschaft? Warum gibt’s denn noch keine Wirtschaftskunst? Das wär doch mal was?

Ja, drehen wir den spieß doch mal um: Politkunst! Kreativkunst, Musikkunst, Sozialkunst, Onlinekunst, Konsumkunst, Sexkunst. Unterrichtskunst, statt Kunstunterricht! Es könnte noch viel mehr Begriffe wie diese geben, die der Kunst zu einer Art Gegendominanz verhelfen würden.

Aber im reellen Sprachgebrauch gibt es nur viel zu wenige von ihnen. Mir fallen spontan nur Begriffe wie Volkskunst, Raubkunst und Scheißkunst ein.

Dabei ist ja in der Hinsicht Sachsen offen: Automobilkunst, Reisekunst, Sportkunst. Und gegen das Totschlagargument “Hey jetzt komm mal runter! Davon wird man doch nicht satt. Kunst kann man doch nicht essen?” hab ich dann noch die hier: Essenskunst. Foodkunst. Brezenkunst. Kochkunst. Trinkkunst, und, und, und…

Nehmt erstmal das ihr pseudokreativen Gameprogrammierer!

Guckuk: Der Hass ist schon wieder da

Dieses Zitat schwirrt gerade duch die Medienwelt:

„Der Hass bricht nicht plötzlich aus, er wird gezüchtet. Alle, die ihn als spontan, oder individuell deuten, tragen unfreiwillig dazu bei, dass er weiter genährt werden kann“ (Carolin Emcke: „Gegen den Hass“).

Die Vorstellung des gezüchteten Hasses ist ein imposantes Bild – und natürlich mitnichten ein neues. In Europa herrscht meiner Meinung nach kein Sinneswandel und auch kein Rechtsruck vor. Es ist lediglich die Manifestation einer ewigwährenden elitären Grundhaltung, die seit dem Entstehen der Nationalismen eine Qualität angenommen hat, die es erlaubt, Mikroeitelkeiten innerhalb von Landesgrenzen passgereicht hochzuskalieren und auf eine Masse von Menschen mit möglichst einheitlichen Identitätsfaktoren zu übertragen.

So sehr wir auch die Vorzüge der französischen Revolution genossen haben, dürfen wir nicht vergessen, dass wir ihr auch die Qual des Nationalismus zu verdanken haben. Der Nationalismus ist die Hasszuchtanlage der Moderne und sie scheint auch noch in der Postmoderne ihre Funktion nicht zu verlieren. Man kann sich sicher sein, dass dieser Betrieb noch nie eingestellt wurde und auch nicht wird. Nein! Die Maschine läuft im Hintergrund immer weiter, sie läuft im Unterbewusstsein – auch in Friedenszeiten wie diesen -, während wir so banale Dinge tun wie Fußball schauen, ins Theater oder ins Kino gehen, einkaufen, in den Urlaub fahren und unserer täglichen Arbeit nachgehen.

Wir sind die Masse, um die ständig geworben wird. Unsere Entscheidungen sind bestimmend! Nur sind wir uns dessen selten bewußt. Wir machen es uns gerne einfach. Wir lassen uns Apps programmieren, die uns vermeintlich Kommunikationsaufwand abnehmen, aber uns immer tiefer in ein Businessgeflecht hineinziehen, in dem wir als willfährige Umsonstdienstleister mißbraucht werden. Während Großkonzerne ein Vielfaches an Staatsbudgets im Jahr Umsetzen, glauben wir an die autonome Souveränität unseres Staates. Aber uns ist nicht bewußt, dass in der heutigen Zeit kein Staat dieser Welt unabhängig agieren kann, es sei denn, er besitzt ein strategisches und militärisches Machtmonopol.

Dann stellt sich natürlich die Frage: Wer finanziert diese Macht? Reichen Steuereinnahmen aus, um eine militärische Macht zu etablieren, die den eigenen wirtschafltichen Einflussbereich kontrolliert? Wer zahlt diese Steuern, wenn es Google, Ikea, Microsoft und Apple nicht tun?

Man weiss es nicht genau, aber zwischen 3000 und 6000 Wohnungen in Berlin gehören einem einzigen britischen Konzern. Das klingt im ersten Moment vielleicht banal, aber wenn man bedenkt, wieviele Immobilien diese Firma wohl auf der gazen Welt besitzt, dann kann einem schon schummrig werden. Vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Aufwand teilweise betrieben werden muss, um den Eigentümer seiner Wohnung ausfindig zu machen und dass man bei der Recherche dazu schonmal um die halbe Welt geführt wird, dann wird’s allmählich sogar gruselig:
https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/das-verdeckte-imperium/
https://wem-gehoert.berlin/

Die freie Marktwirtschaft hat es nie gegeben. Kapitalismus war immer schon auch der Kampf gegen die Freiheit, vor allem gegen die des Marktes. Es ging schon immer um Monopole. Wer mir da jetzt widerspricht, der versuche mal sein I-Phone zu nutzen ohne Apple-Id!

Dies sorgt bei Leuten wie mir für Wut, aber auch für Neugierde. Ich versuche, mir der Hintergründe und Umstände des Unrechtes gewahr zu werden, um ein bewußteres Leben führen zu können, um mich so zu organisieren, damit meine täglichen Entscheidungen nicht nur mir, sondern einer möglichst großen Menge an Menschen, die ebenfalls so wie ich benachteiligt werden, zugute kommen.

Aber sehr viele Menschen erliegen in Anbetracht solch schockierender Einsichten einer nackten Existenzangst und suchen nach einem tragfägigen seelischen Gerüst, dass ihr Selbstbild stützt, ihr Selbstbewußtsein vor dem einbrechen bewahrt. Das tragische an der Sache jedoch ist, dass viele von Ihnen gar nicht so sehr in ihrer Existenz bedroht sind. Denn Deutschland gilt immer „noch“ als eines der Länder, in denen die Bevölkerung in weitem Maße sehr wohl durch eine sozialstaatliche Gesetzgebung vor dem Allerschlimmsten bewahrt wird.

Also stellt sich bei mir die Frage: geht es nun wirklich nur um eine existentielle Angst, wenn größere Bevölkerungsgruppen sich wieder mehr dem rechtslastigen Nationaldenken zuwenden, oder um etwas anderes? Spielt neben der Angst des Existenzverlustes vielleicht die Angst vor dem Identitätsverlust sogar eine größere Rolle?

Wenn ja, dann stellt sich widerum die nächste Frage: Worauf basiert unsere Identität denn, wenn sie so schwach besaitet ist? Womit identifizieren wir Europäer uns denn? Wie sieht unser Selbstbild aus und in wie weit hat es eine ernstzunehmende reelle Substanz? Wenn wir so leicht in erbarmungslos banal funktionierende „Hassproduktionsmaschinen“ hineingezogen werden können, wieweit ist es dann her mit unserer freiheitlich-aufgeklärten Gesinnung? Ist die von einem Tag auf den anderen im Mittelmeer untergegangen mit all den Schlauchbooten?

Das bezweifle ich. Ich glaube, dass wir schon seit längerem unsere Werte auf einem breit angelegten Markt verkauft haben und irgendwie immer noch nicht wahrhaben wollen, dass wir übermorgen schon in unserer Identitätslosigkeit ersaufen können. Das Spiel um die Identität haben wir den Kleinkrämern der Heimatfraktion überlassen, denn die bedienen uns zuverlässig und sie verlangen uns nicht viel Aufwand und Reflektion ab.

Sie sorgen dafür, dass wir trotz allem unbekümmert Netflix gucken können, um auf andere Gedanken zu kommen und uns vor der unerträglichen Schwere der täglichen News zu flüchten.

Und irgendwie ist diese Form des Gewissenfreikaufens ja auch geil. Denn es ist nämlich ein Doppelgeschäft: Wir kaufen zwar unser Gewissen frei, aber gleichzeitig verkaufen wir es auch. Also ist es ja in gewisser Art ein Deal!

Im Grunde jedoch verschenken wir es eigentlich…an die direkten Nachkommen der Nazis. Denn die waren meiner Meinung nach nie Weg. Sie waren immer da und haben beharrlich auf ihre Möglichkeit gelauert.

Aber lauern können wir auch.

Lauerst du mit?

Die Grenzen der Wahrnehmung

Die Band Doors wurde damals in den 60ern gegründet. Als Inspiration für ihren Namen diente den Bandmitgliedern das Buch „The doors of perception“ von Aldous Huxley. Damals gings um die Öffnung der menschlichen Wahrnehmungsebenen, vorwiegend im Zusammenhang mit dem Konsum von bewußstseinserweiternden Drogen. Der massenhafte Konsum von Rauschmitteln hat aber scheinbar über die Jahre zu genau dem Gegenteil von dem geführt, was sich die intellektuellen Drogengurus damals so vorgestellt hatten.

Im großen und Ganzen sieht’s jetzt so aus, dass Pforten nach Außen eher geschlossen werden, denn geöffent. Und das auf möglichst vielen Ebenen. Das ist gerade der Konsens in der westlichen Welt. Jetzt reichts mal mit Offenheit und Toleranz. Aber Hallo!

Früher konnte man noch freien Gewissens von seinem hart Ersparten in den Safari Urlaub nach Kenia fahren und dann bei der Diashow im Hobbykeller damit prahlen. Jetzt wird man dumm angesehen, weil man auf nem Elefanten reitet. Walewatching ist auch Tierquälerei. Nix darf man mehr. Fliegen steht eh unter Todesstrafe. Dafür muss man sich von kleinen Hauptschülerinnen schon schief anreden lassen. Es ist einfach unglaublich.

Wie soll ich denn da meinen Horizont erweitern?

Früher genoß man den Bildungsurlaub in den Ländern Karl Mays. In der „Ferne“ fand man zu sich selbst, befreite sich für eine Zeit vom Joch der Arbeitswelt und empfand sich wieder als gebildeter Mensch. Das gelang einem natürlich viel besser in der Gesellschaft von „ungebildeten“ Orientalen. Zwar konnte man auf Grund von Sprachmängel auf beiden Seiten,ja gar nicht richtig einschätzen, wer nun wirklich ungebildet war, aber das Gefühl alleine reichte ja schon, um sich gut vorzukommen! Das hatte man sich doch schließlich mühsam verdient, oder?

Jetzt hingegen kann kaum die Rede von so einem friedlichen und gesunden Austausch sein. Die ungebildeten Horden, die man damals in der Fremde als Gast beglückte, kommen jetzt hier bei uns eingefallen und wollen uns sagen, wie wir zu leben haben. Eine Frechheit! Wir wussten uns bei denen daheim immer gut zu benehmen und haben Devisen in Millionenhöhe in ihre Wirtschaftssysteme gepumpt. Man kann ja verstehen, dass man den Geldfluß in die entgegengesetzte Richtung unter den momentanen Verhältnissen nicht erwarten kann, aber zumindest ein Stückchen Anstand und Dankbarkeit könnte man schon erwarten, finde ich. Wenn man an einem fremden Tisch sitzt, frägt man doch zumindest mal nach, bevor man sich ein dickes Stück vom hauseigenen Kuchen nimmt?

Und jetzt geht’s ja Schlag auf Schlag weiter: jetzt wollen sie schon, dass man die Rolle von James Bond mit einer schwarzen Frau besetzt! Ja geht’s noch? Was soll denn das? Warum haben wir denn so etwas nötig bitte? Was reicht euch denn eine anständige weisse blonde Frau nicht? Obwohl ja dieses Gleichgetue unter den Geschlechtern allmählich echt nervig wird, aber bis zu einem bestimmten Grad kann man sich ja anpassen. Man reicht sich schließlich im gesellschaftlichen Miteinander freundlich die Hand. Muß man denn unbedingt davon ausgehen, dass einem gleich der ganze Arm ausgerissen wird? Was sind das denn für Sitten?

Oder dass jetzt in deutschen Kindergärten Schweinefleisch und Gelatine verboten wird, aus Rücksicht vor den muslimischen Kindern? Ja geht’s denn noch? Wenn man was sagt, ist man dann selber der Unverschämte! Ja was ist denn so schlimm an Schweinefleisch und Gelatine bitteschön? Wer’s nicht mag, muss es ja nicht essen? Wir können doch die elementaren Bestandteile unserer guten deutsch-europäisch-christlich-jüdischen – äh jüdisch passt grad nicht so ganz, aber wurscht – Kultur aufgeben wegen so Spirenzchen? Was soll aus unseren Kindern denn werden, wenn die keine Schweinegelatine mehr essen können? Es ist doch wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich die deutsche nationale Identität genetisch nur erhalten kann, wenn es in Schweinegelatine eingelegt wird? Schweinegelatine gehört doch in jeden guten deutschen Haushalt und also auch in unsere Kindergärten! Thomas Gottschalk hat jahrelang Werbung für Gummibärchen gemacht mit seinen Schweinegelatinehaaren. Und? hat’s jemanden gestört? Hat irgendjemand darunter gelitten? Ja gab’s denn damals keine Moslems? Haben die nie Gummibärchen gegessen?

Ach ich könnte noch ewig so auflisten, aber irgendwann verliert man doch die Geduld, oder? Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn der unbescholtene Bürger irgendwann zur Waffe greift! Da braucht sich doch keiner wundern? Natürlich ist man dann gleich wieder der Nazi! Nur weil man sich seinen Ärger mal von der Seele schießt? Irgendwo muß man ja hin damit? Die hohen Tiere im Parlament – an die kommt man ja leider nicht so leicht ran. Hier und da erwischt man vielleicht mal einen Lokal- oder Landespolitiker oder so. Die hätten die Kugel natürlich eher verdient. Aber wenn’s nicht anders geht, dann zielt irgend so ein Vollidiot schon mal auf einen von diesen Flüchtlingen. Warum auch nicht? Wer hat denen denn gesagt, dass sie ausgerechnet zu uns kommen müssen? Deswegen sind wir Deutschen doch nicht alle rechtsradikal? Wir sind halt hart an der Grenze, aber noch lange nicht drüber!

Bin ich Ihnen jetzt zu grob und unmenschlich? Ach ja? Ich kann Ihnen sagen, woran das liegt. An diesen ganzen Bewußtseinserweiterungen, die seit den späten 60ern auf unsere feine Gesellschaft einwirken. Ja genau! Vor lauter Bewußtseinserweiterung hat man nämlich seine eigen Identität total vernachlässigt. Im wesentlichen braucht man nämlich keine Erweiterung. Das Bewußstsein ist vor allem dazu da, sich seiner selbst gewahr zu werden und seine Mitmenschen als Menschen zu sehen und nicht als juristische Personen. Was ist denn das Individuum in dieser Gesellschaft? Ich bin doch kein Wesen mehr! Ich bin doch nur noch eine Person, ein konsumierendes Subjekt? Mehr sind wir doch alle nicht?

Und diese Verbrecher gaukeln uns da was vor und lassen uns glauben, dass es eine Bundesrepublik gibt? Mitten in unserem „Stammesgebiet“? Die machen sich hier breit und geben uns Personalausweise? Ja welches Personal wird denn da verwaltet um Himmels Willen? Das deutsche Volk muß jetzt aufwachen! Aufwachen!

Aber bald wird sich das ändern. Das sag ich euch! Ganz bald wird sich das ändern. Schaut, die Engländer sind schon viel weiter, als wir. Die Amerikaner machen das auch genau richtig. Die Russen, die Polen, die Italiener. Ja sogar die „faulen“ Griechen! Die französischen Schneckenfresser! Ja sogar die Türken! Sie alle stehen zu ihrem Volkskörper und zu ihrer Identität und zeigen der elitären Europäischen Union ihren Stinkefinger.

Und wir? Wir Deutschen?

Was machen wir?

Wir sind so armseelig und schwach, dass wir nicht einmal das Schweinefleisch und die Gelatine im täglichen Essen unserer Kinder zu erhalten in der Lage sind.

Danke Merkel!

Ich will zurück ins Reich endlich! Buuhuu…

P.S.:
Dieser Monolog ist eine Art puzzleartige Eruption von unfreiwillig aufgenommenen und im Unterbewußtsein archivierten Statements, die den Autor als guten Zuhörer seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, berieseln. Anlässlich der aktuellen absurden gesellschaftlichen Diskursen, dachte er sich, sie hier mal in dieser Form zu veröffentlichen. Vielleicht bringts ja Jemandem was?
Ich weiß, es ist traurig, aber es wird wohl genug Leserinnen und Leser geben, die das hier nicht mal als Satire empfinden. Deswegen weise ich vorsorglich darauf hin.

Falls Ihnen jetzt schlecht geworden ist, dann hat der Autor sein Ziel erreicht.

Danke.

Schmachtfetzen #9: Cucurrucucu Paloma von Tomás Méndez

Das Original stammt aus den 50’er Jahren und wurde von dem mexikanischen Musiker Tomás Méndez geschrieben. Es handelt sich um einen klassischen Mariachi Song im Huapango Style, dessen Text auf sehr bildhaft romantische, aber auch fatalistische Art die Trauer um eine an den Tod verlorene Geliebte schildert. Meiner Meinung nach stammt die anrührendste Version vom großartigen Caetano Veloso. Dieser performte den Song in dem preisgekrönten Film „Sprich mit Ihr“ von Pedro Almodovar. Somit gerier er wieder in den Fokus der breiten Weltöffentlichkeit. Hier eine Liveversion in Begleitung eines Symphonieorchesters. Welches, konnte ich leider nicht herausfinden. Es ist meine ultimative Lieblingsversion:

Dicen que por las noches
No mas se le iba en puro llorar
Dicen que no comia
No msa se le iba en puro tomar
Juran que el mismo cielo
Se estremecia al oir su llanto
Como sufri por ella

Y hasta en su muerte la fue llamandoAy, ay, ay, ay, ay cantaba
Ay, ay, ay, ay, ay gemia
Ay, ay, ay, ay, ay cantaba
De pasion mortal moria

Que una paloma triste
Muy de mañana le va a cantar
A la casita sola
Con sus puertitas de par en par
Juran que esa paloma
No es otra cosa mas que su alma
Que todavia la espera
A que regrese la desdichada

Cucurrucucu paloma
Cucurrucucu no llores
Las piedras jamas, paloma
Que van a saber de amores?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, paloma
Ya no le llores

Sie sagen, dass er nachts nicht schläft
und ständig weint.
Sie sagen, dass er nichts mehr isst
und nur noch trinkt.
Sie glauben, dass sogar der Himmel ergraute,
nachdem er sein Klagen gehört hatte
und sah, wie er um ihrer wegen litt
und bis zu seinem Tode fortwährend weinte.

Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Ay, ay, ay, ay, ay seufzte sie
Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Aus tödlicher Leidenschaft starb sie

Und eine traurige Taube
sank nieder in am frühen morgen
auf das Dach eines verlassenen Häuschens
mit weit geöffneten Türen
Sie glauben, dass diese Taube
nichts anderes ist, als seine Seele,
die immer noch wartet,
auf das die verblichene zurückkehren möge.

Cucurrucucu meine Taube
Cucurrucucu weine nicht
was sollen diese Steine denn verstehen, ach meine Taube,
von der Liebe?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, meine Taube
Ach weine nicht!

Songwriter: TOMÁS MÉNDEZ SOSA

 

Das Weiße und der Jazz

Das Weiße liegt wie eine Zuckerkruste auf meiner Haut.
Es war mal schlecht.
Jetzt ist es gut.

Aber es ist auch nie richtig weiß gewesen.
Weiß wird schnell schmutzig und meistens bleibt es das dann auch.
Schmutziges Weiß ist unerträglich.

Das Weiße hat einen Job.
Es schafft systematisch Probleme, um deren Lösungen zu verkaufen.
Danach muss das Weiße unbedingt in den Urlaub.
Es hat keine Zeit.
Das ist äußerst clever!

Das Weiße ist ein schlaues, selbstgefälliges Arschloch.
Und es ist Kacke.

Nein, es reicht nicht, wenn deine Haut weiß ist!
Dein Bewusstsein muss auch Blütenweiß sein.
Dein Name muss weiß sein.
Deine Sprache muss weiß sein.
Deine Herkunft, deine Blutkörperchen, deine Niere, dein Herz, deine Galle, dein Darm, deine Blase, deine Bildung, deine Pädagogik, deine Anthroposophie.
Du weißt, was ich meine!

Und wenn du es nicht weißt,
Dann weißt du wahrscheinlich auch nicht, was Miles Davis getan hat?
Miles Davis hat mit dem Rücken zum weißen Publikum gespielt.
Miles Davis, Miles Davis, Miles Davis, Miles Davis.
Er war so talentiert.
Aber er war nicht nett.
Das Weiße sagt, Miles wäre ein Rassist gewesen.
Er hat das Weiße diskriminiert!

Das hat dieser Miles Davis gewagt!
Nein, MIles Davis war kein netter schwarzer Jazz Musiker.

Weißt du woher der Begriff „Jazz“ überhaupt kommt?
Jazz heißt eingentlich „Lärm“.
Unharmonisch, unerträglich.
Ein Lärm, der aus schwarzen Kehlen, Nasen, Hautporen, Eingeweiden, Mündern, Lungen, Gelenken, Köpfen, Herzen, Seelen heraussprang.
Es war und ist die Lebenslust aller,
Dargeboten von „den Anderen“.

Jazz ist die universelle, kosmische Lust.
Und die Lust ist die Sprache derer, die Nichts zu verlieren haben.
Wenn du sie übersetzt, dann stirbt sie.

Das Weiße hat den Jazz gefürchtet!
Warum, weiß ich nicht. Wird schon irgendein gewaltiger Identitätskomplex gewesen sein.
Deswegen hat es ihn als „Lärm“ abgetan.
Aber Jazz hat seinen Namen einfach angenommen,
Elegant ausgeschmückt und zurückposaunt:
JJJJAAAAAZZZZZZ
JAYAYAYAAAAZZZZ
JAZZMATAZZ
TALKIN ALL THAT JAZZ

Dann hat das Weiße ihn verboten.
STOP THAT JAZZ!
Aber Jazz war zu schnell, zu schön, zu häßlich, zu geschmeidig, zu Dunkel, zu Hell, zu unberechenbar.

Dann wurde Jazz ausformuliert,
Zu Regelwerk verarbeitet,
Übersetzt.

Und jetzt gibt es in dieser Stadt nicht mal einen Jazz Sender.

Aber jede Menge 80er Rock und Heimatsoundshizzle im Radio.

Was sollen wir Gottlosen tun?

Ich bin Gottlos. Zumindest glaube ich nicht an einen genormten, einzigen Gott abrahamitischer Definition. Innerhalb einer Konstellation innerhalb einer heiligen Dreifaltigkeit finde ich ihn umso dubioser. Auch, dass er männlich sein soll, stört mich. Meist ist er noch dazu auch noch weiß. Aber auch wenn er eine Frau wäre und schwarz, oder farbig, würde ich ihn/sie nicht ernst nehmen – als Kunstfigur wohl schon, aber nicht als Gott.

Jetzt war Gott für mich schon immer ein schwieriger Begriff. Je mehr ich mich von ihm entfernte, kamen andere Gottheiten ins Spiel, die mir und auch vielen anderen Ersatz boten: der Wohlstand zum Beispiel, meine Rechte und Möglichkeiten als Bestandteil einer liberalen Ökonomie, oder die Sicherheit, der Glaube an meine Freiheit, an meine individuellen Menschenrechte.

Bis zu einem bestimmten Grad hat man die auch. Aber wenn ich mir ansehe, was mit Julian Assange gerade passiert, dann denke ich: diese Rechte existieren auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn man diesen Punkt überschreitet, stößt man an die Glaswand eines geschlossenen Gefäßes und dieses Gefäß trägt seit Jahrtausenden einen Namen: „Angst“.

In der Zwischenzeit gewinnen die VertreterInnen der abrahamitischen Religionen und der Kulturwelten, die an diesen heften, immer mehr an Terrain. Mit Ausnahme der Christen in Europa. Die werden immer weniger. Aber für die gibt es eine Ersatzreligion, die auf eine gemeinsame „weiße Identität“ beruht. Auch diese bedient sich der christlichen Religion als Legitimationsstütze. Aber im Grunde geht es nur um rassistisches Elitärdenken.

Die Religion als Basis von Kulturräumen steht im Öffentlichen Diskurs immer mehr im Vordergrund. So müssen sich VertreterInnen des Islam oft für radikale Islamisten rechtfertigen, die bezichtigt werden, die westliche Welt zerstören zu wollen. Umgekehrt predigen viele Imame in Moscheen das selbe über Vertreter des Christentums und des Judentums. Das sind große Apparate, die leider sehr für den Machtmißbrauch geeignet sind und auch schon immer waren. Ich will sie nicht verteufeln und auch nicht die Menschen, die tagtäglich in tiefem Glauben ihr wertvolles Tagwerk verrichten. Es geht mir nur um die Religion als Institution.

Man arbeitet immer mit diesem Sinnzusammenhang: „wenn die Religion bedroht ist, dann ist es auch die Kultur“. Dabei ist es genau umgekehrt: Die menschliche Kultur ist die Basis unseres Lebens. Wenn diese bedroht ist, dann kann es auch keine Religion geben. Jedoch ist unsere Kultur leider auch die Basis für Machtmißbrauch, Kriege, Rüstungsindustrie und somit für all die Zerstörung, die wir widerum selber anprangern.

Es sei denn, wir schaffen es, Räume zu kreieren, in der man die Kultur der Menschheit endlich aus der Steinzeit holen kann. Aber dafür brauchen wir in erster Linie keine Religion, keinen Wohlstand, kein Notre Dame, keine Moschee und keine Synagoge. Dafür brauchen wir Herz, Seele und Verstand.

Für Herz, Seele und Verstand ist in den herkömmlichen Machtstrukturen kein Platz. Deswegen denke Ich, dass wir uns von diesen befreien müssen. Dafür müssen wir uns aber auch Räume und Plattformen schaffen, in denen „wir“ uns als „unabhängige humane Wesen“ artikulieren können. Will damit meinen: nicht nur für Religionen muss Platz sein, sondern auch für uns „Freigeister“, die wir uns von diesen überkommenen Machtstrukturen, von Gott, Status und Wohlstand lösen wollen. Das ist durchaus legitim und erfordert eigene Strukturen.

Bisher kenne ich nur den Bund für Geistesfreiheit, der dieses Ziel institutionell verfolgt. Mag umstritten sein, ist aber zumindest eine Institution:

https://www.bfg-muenchen.de