{"id":969,"date":"2014-11-28T11:13:47","date_gmt":"2014-11-28T11:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=969"},"modified":"2014-11-28T11:16:48","modified_gmt":"2014-11-28T11:16:48","slug":"nachtrag-zu-wiesn-der-big-boss-die-bitches-und-die-fleischpflanzerlsemmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=969","title":{"rendered":"Nachtrag zur Wiesn: &#8222;Der Big Boss, die Bitches und die Fleischpflanzerlsemmel&#8220;"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }\n--><\/style>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201eYo Bitches! Ich habe euch alle gekauft ihr Schlampen. Wenn ich mit dem Finger schnippe, dann tanzt ihr alle auf den Tischen, vor Freude, mir dienen zu d\u00fcrfen. Heute seid ihr noch hier und morgen? Morgen seid ihr futsch, wenn ihr nicht spurt und das wisst ihr ganz genau. Kommt, gebt es doch zu: das macht euch doch geil, oder? Wer nicht spurt, mit dem mach ich kurzen Prozess. Na, los, sagt mal: Wer ist euer Big Boss? Haha. Genau ich bin&#8217;s. Und wer bin ich? Ein Immobilienhai &#8211; frisch aufgestiegen, hunderte Renter \u00fcbers Ohr gehauen und ein Verm\u00f6gen gemacht. Und weils so gut l\u00e4uft, mache ich seit neuestem in Versicherungen.<br \/>\nJa, was willst du machen? Wenn die Leute mal Geld ausgeben wollen, dann sind sie kaum zu halten. Sie wabern durch die Stra\u00dfen wie Fische im Meer. Man braucht nur im richtigen Moment sein Netz auszuwerfen. Den Schwarmfaktor mu\u00df man nutzen. Entweder du wei\u00dft, wo der Schwarm sich befindet und wo er hinflie\u00dft, oder du schaffst dir einen Schwarm, l\u00e4\u00dft ihn immer gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer werden, indem du ihm gezielt Futter in die Schwimmrichtung wirfst und ihn sch\u00f6n von den Seiten und von hinten zusammentreibst. Genauso wie es Killerwale mit Makrelenschw\u00e4rmen machen. Und wenn du sie in Panik zusammengepfercht hast, dann \u00f6ffnest du dein Riesenmaul und schnappst herzhaft zu. So l\u00e4uft das! Schnippschnapp. Haha. So verdient man das Geld\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Das ging ihm durch den Kopf, w\u00e4hrend er mit hochrotem Kopf im Get\u00fcmmel sa\u00df &#8211; im Weinzelt mit all den Kimmenleckern und -leckerinnen um ihn herum. Er war der Big Boss und hatte eine Box reserviert in einem der teuersten Schankzelte der gottverfluchten Wiesn. Es war der letzte Wiesnsonntag und er hatte alles, was Rang und Namen um ihn herum hatte eingeladen. Er hatte hart gearbeitet daf\u00fcr, diese Szenerie genie\u00dfen zu d\u00fcrfen. Vor zehn Jahren hatte er sein Business aufgebaut, nachdem er die Schnauze voll hatte, als Kleinvertreter von T\u00fcr zu T\u00fcr zu rennen und nur mickrige Prozente zu kriegen, die er am Wochenende eh versoff und verkokste. Er wollte nicht nur so tun, sondern endlich wirklich gro\u00df werden und er wu\u00dfte, dass er es drauf hatte, zefix nochamal. Er lie\u00df sich kurzerhand k\u00fcndigen, holte sich ganz hinterfotzig den Kundenstamm seines Chefs ran und machte ihm Konkurrenz, denn er wu\u00dfte, dass das legitim ist in diesem System. Sein Chef hatte es ihm damals doch vorgesungen: \u201eMoral gibt es in dieser Gesellschaft schon, Gr\u00fcnschnabel, aber wenn&#8217;s ums Gesch\u00e4ft geht, dann regieren die Zahlen, kleiner, die Zaaaahlen!!\u201c, hatte er immer gesagt.<br \/>\nAber er war schon damals der Big Boss. Er war kein Gr\u00fcnschnabel, wie ihn sein Chef immer nannte. Er war schon immer im Vorteil gewesen: ihm war immer schon alles und jeder schei\u00dfegal gewesen. Er kannte keine Skrupel. Das wu\u00dfte er und jeder, dem er einmal sein wahres Gesicht gezeigt hatte. Er war schon als kleiner Scheisser der h\u00e4rteste auf dem Schulhof. Er hatte schon alles hinter sich. Die Zeiten mit den Jungs in Milbertshofen. Damals, als sie am Wochenede immer in die Stadt kamen, um in den Clubs abzuh\u00e4ngen. Er wollte immer schon unter den Coolsten sein und er wu\u00dfte, wie er sich einschleimen mu\u00dfte. Jede Posse machte er mit, nur um dazuzugeh\u00f6ren.<br \/>\nDie Klamotten klauten sie sich in den Markenboutiquen, verkauften sie an die Zuh\u00e4lter und Kleinganoven. Sie kauften sich in gro\u00dfem Stile Drogen und verkauften sie ganz ungeniert in der Wohnung eines Kumpels. Mit den Taschen voll Geld und vollgedr\u00f6hnt mit Koks hatten sie auch genug Schneid, um mit den Edelnutten in den Hotellobbies anzubandeln. Immer war er der erste, der sich abseilte, wenn er merkte, es geht eine Stufe h\u00f6her, oder es wird zu gef\u00e4hrlich. Viele seiner Freunde sind im Knast gelandet, konnten den Drogen nicht widerstehen und wurden selbst zu S\u00fcchtlingen \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Fehler, den ein Dealer machen kann!<br \/>\nEr f\u00fchlte sich damals schon, wie ein K\u00f6nig, denn er hatte immer den richtigen Riecher, den richtigen Instinkt. Ein arrogantes Dreckschwein war er immer gewesen, ein arrogantes skrupelloses Arschloch und er fand sich richtig geil so, aber trotzdem hatte es dann doch ziemlich lange gedauert, bis es endlich mal richtig knallte. Im Endeffekt hatte er es immer verstanden, den mutigen Schritt genau zur richtigen Zeit zu tun. Er war die richtigen Allianzen einegangen, hatte mit den richtigen Leuten im Kommunalreferat Gesch\u00e4fte gemacht. Und jetzt war es soweit: Er hatte es geschafft \u2013 ganz offensichtlich, sonst w\u00fcrde er nicht hier sitzen mit ner teuren Eskorte zur Seite &#8211; die es durchaus mit der Exbundespr\u00e4sidentengattin aufnehmen konnte \u2013 und einem Haufen Schleimern um sich rum, die ihm die Arschritze sauberleckten.<br \/>\nSein Blick schweifte nun schon geraume Zeit in die Ferne, so wie es immer passierte, wenn er sich an seine glorreiche Vergangenheit erinnerte. Nun aber landete sein Restbewusstsein wieder zur\u00fcck in der unmittelbaren Surrealit\u00e4t am Tisch, oder das, was mal ein Tisch gewesen war. Das ganze Zelt brummte. Alle tanzten auf den Tischen und er war kurz mit dem Blick an den strammen Wadeln einer seiner weiblichen Tischg\u00e4ste h\u00e4ngengeblieben, die beim Rumhampeln fast vom Tisch gefallen w\u00e4re. Er war richtig sch\u00f6n hacke und alle um ihn herum hingen an seinen Lippen. All die Gesch\u00e4ftspartner, die Prostituierten, die professionellen und die, die aus blankem Glauben an das Hurentum ihren Arsch verkauften, genauso, wie er es schon immer getan hatte. Deswegen hasste er diesen Typus Mensch und liebte ihn gleichzeitig so sehr. All diese verhurten Arschl\u00f6cher um ihn herum. Ja er versp\u00fcrte eine komische Art von v\u00e4terlicher Verantwortung f\u00fcr sie. Denn sie waren genauso, wie er. Sie waren aus dem selben Holz geschnitzt, oder besser: aus dem selben glibberigen Schlickerschlamm geformt. Sie waren alle skrupellose Dreckschweine und genau das mochte er an ihnen. Sie waren verlogen, versaut, hinterh\u00e4ltig und jeder grub dem anderen das Grab \u2013 und zwar st\u00e4ndig. Solange er die Macht und das Geld in den H\u00e4nden hielt, konnte er sich jedoch auf Jeden und Jede zu hundert prozent verlassen. Sie waren alle verdammt gut in ihrem Job und gierig wie die Aasgeier.<br \/>\n\u201eHey du kleiner Schaftschlecker!\u201c, br\u00fcllte er den Kellner an. Sie waren sich sofort n\u00e4her gekommen und der Kellnerboy hatte sich schnell an seinen flachen Humor angepasst. Daf\u00fcr erhielt er schlie\u00dflich gutes Trinkgeld. Lachend kam er angesprungen, wie ein junges Kangoroo. Er war ein h\u00fcbscher Knabe, gut gebaut, mit &#8217;nem knackigen Arsch in der Lederhose und dunklen Falkohaaren, die ihm in fettigen Fransen \u00fcber die Stirn fielen. Schon von weitem fiel er auf mit seinem charmanten, verschmitzten Grinsen, das eine gewisse schmierige Routine im Umgang mit den G\u00e4sten erahnen lie\u00df. Aber auch die tage- und n\u00e4chtelange Arbeit und die Drogenorgien nach den langen Schichten standen ihm ins fahle Gesicht und in die ger\u00f6teten Augen geschrieben. Das Leben nahm er offensichtlich mit Humor und wusste, wie man sich seinen G\u00e4sten anpasste, um ihnen das Trinkgeld aus der Tasche zu leiern.<br \/>\n\u201eJahaaa, komm ja schooon\u201c fl\u00f6tete er in nachgeahmter Thekenschlampenmanier und verf\u00fchrte den ganzen Tisch damit zu einem kleinen Lacher. Big Boss freute sich schon auf die n\u00e4chste Szene, wie ein Kleinkind auf seine erste Eisenbahn. Jetzt war wieder die Zeit zum Klotzen gekommen. Jetzt mu\u00dfte er seinen Boss-Status hier in diesem Weinzelt wieder ein f\u00fcr alle mal zementieren. Der Zeitpunkt war gekommen &#8211; jetzt ging es um die Dominanz auf dem Platz. Er legte sein arrogantestes Geschau auf, packte den Kellnerboy paternalistisch am Kragen, zog ihn zu sich und spuckte ihm seine finale Bestellung in astreinem bayrisch ins Ohr: \u201ePass amoi auf du Zipfeklatscha: An Champagner kriang ma owa da mua\u00dft scho schaun, das da Diisch ned zammakracht, ge?\u201c. Damit hatte der Sonnenjunge in Lederhosen nicht gerechnet. Die ganze Box jauchzte und tobte. Sie waren alle schon \u00fcbelst besoffen und gerieten in Extase, ob der dicken grandiosen Bestellung. Die Laune war am kochen. Was f\u00fcr ein kr\u00f6nender Abschluss!<br \/>\nKellnerboy war nun schon leicht aus der Fassung gebracht. Big Boss hatte bei ihm sage und schreibe 10 Neun-Liter-Flaschen Schampus bestellt. Eine \u00e0 3500 Euro, bedeuteten nach Adam fucking Riese 35000 Euro. Bei 9 Prozent Umsatzanteil bedeutete das im Falle dieser Bestellung: 3888 Euro, die er bald tief in die Tasche schieben konnte. Er flog f\u00f6rmlich zur Schenke. Bisher \u2013 toi toi toi \u2013 hatte er schon richtig guten Umsatz gemacht, aber mit dieser Bestellung w\u00fcrde er heute die 80.000 Euro Marke sprengen. Alles dank diesem selbsts\u00fcchtigen Vollidioten, der schon den ganzen Tag seine dekadente Bagage vollf\u00fctterte und abf\u00fcllte. Die waren eh schon alle total durch. \u201eSoviel Schampus kriegen die doch gar nicht runter!\u201c, ging es ihm kurz durch den Kopf, aber im Grunde war es ihm mal so richtig schei\u00dfegal. Als er nun prustend mit dem Schampus zur\u00fcckkam, lag die H\u00e4lfte des Tisches schon fast im Koma, aber sie hatten noch genug Restenergie, um sich den Champagner halb in den Rachen, halb daneben zu sch\u00fctten und dabei die Augen zu verdrehen. Es war ein \u00fcbler Anblick.<br \/>\nBig Boss war sehr zufrieden mit sich. Die Begleitdame neben ihm fl\u00f6tete ihm ununterbrochen belangloses Ges\u00fclze ins Ohr. Er drehte sich zu ihr hin und hatte sogleich ihren geschwungenen Silikonmund genau vor dem Gesicht. Ihre albernen blonden Pornoz\u00f6pfe wackelten \u00fcber dem prall gef\u00fcllten Decoltee, das von einem knallgelben Karnevalsdirndl umrahmt wurde \u2013 so eins, wie es sich meist die ahnungslosen Neuseel\u00e4nderinnen f\u00fcr teures Geld am Hauptbahnhof andrehen lassen. \u201eAaaach ist das herrlich, dachte er sich\u201c und wollte sie nochmal darum bitten, auf dem kleinen Spiegelchen, das in ihrer Handtasche eingearbeitet war, flink und geschickt eine Line Koks zurechtzulegen. Das war ihre Spezialit\u00e4t und der eigentliche Grund, warum er sie immer buchte! Eine Koksline-legemaschine mit Pornoz\u00f6pfen, Arsch, Titten und Silikonmund.<br \/>\nAls er sich zu ihr hinbeugte und den Mund aufmachte, wurde ihm aber pl\u00f6tzlich mordsschwindlig. Anscheinend hatte er doch zuviel des Guten erwischt. Dabei war er doch immer so Exzess-geh\u00e4rtet! Er rutschte mit seinem Gesicht an ihrem geschwollenen Mund entlang, der zu einem Riesenballon mutierte. Parfum-, Schweiss-, Alkohol und Essensgeruch vermengten sich zu einem unertr\u00e4glichen Gestank, der ihm \u00fcbel in die Nase stieg und nun dr\u00fcckte auch noch seine Blase und er mu\u00dfte unbedingt pinkeln.<br \/>\nHartgesotten wie er nunmal war, stie\u00df er sich mit einem Ruck aus dem Delirium in die H\u00f6he. Mit m\u00fch und not fing er sein Geichgewicht und wankte stolpernd zum Ausgang der Box. Der Kellnerboy, seine Begleitdame und einige seiner Tischg\u00e4ste wollten ihm helfen, aber er wies sie alle mit einer sehr bestimmten, fast schon aggressiven Geste ab. Auch in diesem Zustand verstand er es noch meisterhaft, die Arroganz und Verachtung zu zelebrieren, die ihn sein Leben lang schon begleitet hatte.<br \/>\nEr wollte jetzt alleine sein. Ganz alleine. So wie er es sein ganzes Leben schon immer gewesen war. Er hatte alles alleine gemacht, alles alleine geschafft und das Pinkeln w\u00fcrde ihm schon allemal gelingen. Noch hielt er sich wacker auf den Beinen, aber der Boden unter seinen F\u00fc\u00dfen f\u00fchlte sich an wie ein Wasserbett. All diese Fratzen, diese Gesichter, die sich ihm im Vorbeigehen offenbarten, wie offene B\u00fccher. Unter ihnen auch einige, die er wohl schon einige male gesehen hatte. Wer sollte das schon wissen? Wieviele von ihnen hatte er schon ausgenommen und beschissen mit seinem Konzern? Sie waren wie Fische f\u00fcr ihn, potenzielle Opfer!<br \/>\nEs dr\u00f6hnte in seinem Kopf. Er schloss kurz die Augen und die Gesichter, die sich soeben in sein Ged\u00e4chtnis eingefressen hatten wiederholten sich vor seinem inneren Auge. Sie schienen sich in sein Bewusstsein zu bohren. Endlich lief er aus dem Zelt in die wohltuende Nacht und mitten in das Get\u00fcmmel hinaus \u2013 Schreie, Gel\u00e4chter, herumirrende Gestalten, die wie dunkle Schatten um ihn herumzuschleichen schienen. Er suchte nach einer Pissecke, genauso, wie es alle anderen taten, so wie sie es hier alle seit Jahrhunderten schon immer tun. Wie Tiere standen sie aneinandergereiht und pissten an die Drahtz\u00e4une. Und ganauso tat er es dann auch. Er pisste ewig lange, h\u00f6rte dem pl\u00e4tschern auf dem kalten Asphalt zu und mu\u00dfte pl\u00f6tzlich lauthals lachen, als er merkte, wie er sich aus versehen auf die Hand gepinkelt hatte. Nach verrichteter Dinge packte er seinen Schwanz ein, kn\u00f6pfte seine Lederhose wieder zu, wischte sich seine Hand an der Hose ab und torkelte weiter in die Nacht.<br \/>\nWie lange war er schon nicht mehr so alleine gewesen? Zeit seines Lebens hatte er sich vor der Einsamkeit gefl\u00fcchtet, doch jetzt merkte er mit einem sonderbar wohltuenden Gef\u00fchl, dass sie seine wahre Heimat war. Er sah in den Himmel hinauf und merkte, wie sehr er sich allm\u00e4hlich vom hier und jetzt entfernte. Big Boss ging unter im gr\u00f6\u00dften Volksfest der Welt. Ein Essensstand am Wegrand fiel ihm auf und lockte ihn: Fleischpflanzerl mit ger\u00f6steten Zwiebeln in der Semmel. Bei dem Anblick merkte er erst, wie hungrig er eigentlich war. Die beiden Verk\u00e4uferinnen standen hiner dem dampfenden Grill und hatten etwas von mystischen Priesterinnen mit ihren Sch\u00fcrzen, wie D\u00e4moninnen in einem 3D-Spiel bauten sie sich vor ihm auf, unnat\u00fcrlich verzerrt vor seinem Auge. Er sah sie aus Froschperspektive. Sie \u00fcbten ihren harten Job aus und standen wohl schon seit Stunden in diesem Dampf. Die M\u00fcdigkeit war ihnen ins Gesicht geschrieben und die tr\u00e4ge ausgef\u00fchrten Routinehandgriffe verliehen ihnen eine fast weihevolle W\u00fcrde. Er war f\u00fcr sie ein x-beliebiger besoffener Wiesnbesucher, der sich an diesem Stand wiederfand mitten in der Nacht. Er \u2013 der allm\u00e4chtige Big Boss war nun selber wie ein Fisch, hilflos in einem Netz zappelnd. In diesem Moment verlor er nun seine Haltung, sein Bewusstsein, seine Stellung. Er wurde wieder zum Kind, zu einem hilflosen Wesen. Mit zitternder Stimme bestellte er eine Semmel.<br \/>\nDunkelbraun triefend liess die Verk\u00e4uferin die durchgeschmorten Zwiebeln mit einer Schmorzange in die Semmel zum Fleischpflanzerl rutschen. Wie eine Opfergabe in einem mystischen Initiaionsritus empfing Big Boss nun die Semmel. Fleischpflanzerl mit geschmorten Zwiebeln waren als Kind immer seine Leibspeise gewesen. Wie lange war das jetzt schon her? Fast and\u00e4chtig biss er mit halbgeschlossenen Augen in die Semmel und musste pl\u00f6tzlich j\u00e4h aufzucken: Es schmeckte grauenvoll. Diese Semmel hatte nichts mit den Fleischpflanzerlsemmeln aus seiner Kindheit zu tun. Gottverflucht. Nun packte ihn das pure Entsetzen. Die Zwiebeln sahen aus wie W\u00fcrmer. Diese Semmel roch nach rohem toten faulen Fleisch. Ihm kam das Kotzen. Big Boss hatte die Kontrolle \u00fcber sich verloren. Er mu\u00dfte an Tierkadaver denken, an gro\u00dfe Rinderaugen, die aus ihren H\u00f6hlen rutschen. Er ging einige Schritte, sah sich hilflos um, sah auf die Semmel in seiner Hand und f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich sehr sehr einsam. Er fiel fast w\u00e4hrend dem Gehen in sich zusammen, fing sich in letzter Sekunde, setzte sich auf einen Bordstein, atmete schwer, legte die Semmel verst\u00f6rt neben sich und merkte, wie ihm der Magensaft hochkam, w\u00e4hrend er allm\u00e4hlich das Bewusstsein verlor.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht im Gaudiblatt Nr. 20: Konsumausgabe (November 2014), <a title=\"Gaudiblatt\" href=\"http:\/\/www.gaudiblatt.de\" target=\"_blank\">www.gaudiblatt.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eYo Bitches! Ich habe euch alle gekauft ihr Schlampen. Wenn ich mit dem Finger schnippe, dann tanzt ihr alle auf den Tischen, vor Freude, mir dienen zu d\u00fcrfen. Heute seid ihr noch hier und morgen? 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