{"id":793,"date":"2014-04-21T15:03:07","date_gmt":"2014-04-21T15:03:07","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=793"},"modified":"2014-04-27T22:05:24","modified_gmt":"2014-04-27T22:05:24","slug":"aufforderung-an-die-kammerspiele-ihr-muesst-besser-mit-euren-darstellerinnen-kommunizieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=793","title":{"rendered":"Aufforderung an die M\u00fcnchnner Kammerspiele: Ihr m\u00fcsst besser mit euren DarstellerInnen kommunizieren&#8230;"},"content":{"rendered":"<div data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\">\n<p>Achtung! Achtung! Was geschieht an den M\u00fcnchner Kammerspielen? Die DarstellerInnen des St\u00fcckes &#8222;Niemandsland&#8220; von Dries Verhoeven erkundigen sich beim G\u00f6theprotokoll, worum es in dem St\u00fcck \u00fcberhaupt geht! Das G\u00f6theprotokoll fungiert nunmehr als interner Kommunikationsdienstleister f\u00fcr den deutschen Kulturbetrieb. Haben sie auch LaiendarstellerInnen mit Migrationshintergrund und keine richtige Lust ihnen den Inhalt ihres St\u00fcckes zu kommunizieren? Wenden Sie sich an das G\u00f6theprotokoll. Wir regeln das f\u00fcr Sie! Mehr dazu hier:<\/p>\n<p>Also ich wundere mich ja wirklich immer noch sehr \u00fcber dieses besagte St\u00fcck von Dries Verhoeven: &#8222;Niemandsland&#8220; &#8211; Premiere im Juni. Man h\u00f6rt ja so einiges, nicht wahr?<\/p>\n<\/div>\n<p>Was sich der Intendant der Kammerspiele gerade f\u00fcr Sp\u00e4sschen leistet mit der Inszenierung von &#8222;die Neger&#8220; von Jean Genet, dass geht ja gut durch die Presse. Das konservative, reaktion\u00e4re Publikum lacht sich ins F\u00e4usstchen und klatscht Beifall. Aber viele sind verwundert \u00fcber die sture, ja fast patzige Haltung des Intendanten und Regisseurs im Umgang mit der Kritik, die zum Beispiel von Seiten des G\u00f6theprotokolls kommt, von Kulturschaffenden und TheatermacherInnen, die sich mit institutionellem Rassismus im deutschen Kulturbetrieb befassen. Es geht vorwiegend um das hartn\u00e4ckige Beharren auf dem Blackfacing, das zur Inszenierung eines St\u00fcckes angewandt wird, dessen Autor &#8211; ob man es nun akzeptieren will oder nicht &#8211; bestimmt hat, dass es nur von People of Colour aufgef\u00fchrt werden solle.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/blackface.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-809\" alt=\"blackface\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/blackface-284x300.jpeg\" width=\"284\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/blackface-284x300.jpeg 284w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/blackface.jpeg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie ein kleines Kind protestiert nun diese legend\u00e4re Theatergestalt gegen die Kritik und sinkt tief im Niveau (hier zu bewundern in einem Radiobeitrag des BR: <a href=\"http:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/zuendfunk\/kolumnen-sendungen\/generator\/von-weissen-fuer-weisse-100.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/zuendfunk\/kolumnen-sendungen\/generator\/von-weissen-fuer-weisse-100.html<\/a>). Die Presse jauchzt auf: &#8222;den Kammerspielen institutionellen Rassismus vorzuwerfen grenzt an Sarkasmus&#8220;.<\/p>\n<p>Aber was willste denn machen? Ihr k\u00f6nnt das leider nicht beurteilen, denn ihr seid die VerteterInnen einer durchgehend &#8222;weissen&#8220; Medienlandschaft, deren Blick auf dieses Thema ersch\u00fctternd oft entweder ungeschulte Naivit\u00e4t oder wohlkalkulierte Ignoranz erkennen l\u00e4sst. Es passt vom Bild her nicht zusammen f\u00fcr euch, ich weiss, aber achtet man in der europ\u00e4ischen Kulturlandschaft nicht schon viel zu lange auf das blosse Bild, welches sie von Aussen abgibt? Ist das nicht vielleicht sogar der Grund, warum Johann Simons jetzt pl\u00f6tzlich in Erkl\u00e4rungsnot ger\u00e4t?<\/p>\n<p>Aber um wieder zu dir und deinem Stadtprojekt zur\u00fcckzukommen, lieber Dries. Letztens habe ich eine deiner Darstellerinnen zuf\u00e4llig im Theater getroffen. Die erz\u00e4hlte mir ganz munter, dass sie bei deinem St\u00fcck mitmacht &#8211; eine \u00e4ltere Dame mit Migrationssonnencreme. Ich habe ihr neugierig zugeh\u00f6rt und ihr nichts von unserem kleinen Clinch gesagt. Ich will ja die Chemie zwischen dir und deinen DarstellerInnen nicht belasten &#8211; das w\u00e4re ja unfair.<\/p>\n<p>Ich habe sie lediglich gefragt, wie die Konstellation der DarstellerInnen jetzt so ist und da hat sie mir erz\u00e4hlt, dass du entgegen deines urspr\u00fcnglichen Aufrufs von damals jetzt auch Christen und Juden gecastet hast und auch die Anmutung nicht mehr so fixiert ist auf den &#8222;afrikanischen und muslimischen Kulturkreis&#8220;, wie du das damals so sch\u00f6n benannt hattest. Das freut mich sehr zu h\u00f6ren, Dries &#8211; du scheinst ja wandelbar zu sein und wirklich f\u00e4hig, dich von deinen eigenen Vorgaben zu l\u00f6sen, wenn es sein muss.<\/p>\n<p>Gerade, als ich dann jedoch auf meinen Platz wechseln wollte, da fragte sie mich urpl\u00f6tzlich: &#8222;Aber sag mal, Tuncay. Kannst du mir eins verraten: Weisst du worum es\u00a0 in diesem St\u00fcck geht? Wir wurden zwar gecastet, aber \u00fcber den Inhalt wurden wir nicht so genau aufgekl\u00e4rt&#8220;.<\/p>\n<p>Da musste ich mich doch schon sehr wundern. Dries bitte kl\u00e4r die Menschen doch mal auf \u00fcber das Inhaltliche des St\u00fcckes. Oder ist es dir vielleicht nicht so wichtig, was sie denken? Das sind doch schlie\u00dflich deine DarstellerInnen und im Grunde sind es doch die Menschen, um die es geht? &#8211; und sie sind wohl auf ewig dazu verdammt, sich selbst darzustellen, oder Dries?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtung! Achtung! 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