{"id":711,"date":"2014-02-28T16:18:08","date_gmt":"2014-02-28T16:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=711"},"modified":"2014-02-28T16:18:08","modified_gmt":"2014-02-28T16:18:08","slug":"streitpapier-zur-argumentation-fuer-ein-selbstverwaltetes-kreativquartier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=711","title":{"rendered":"Streitpapier zur Argumentation f\u00fcr ein selbstverwaltetes Kreativquartier"},"content":{"rendered":"<p><strong>Worum geht es?<\/strong><br \/>\nEs geht um die Formulierung eines stadt\u00fcbergreifenden B\u00fcrgerwillens bez\u00fcglich der aktiven Beteiligung an einer vision\u00e4ren und wirklich kreativen Entwicklung des Kreativquartiers an der Dachauerstrasse.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_karte_ausschnitt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-712\" alt=\"kreativquartier_karte_ausschnitt\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_karte_ausschnitt.jpg\" width=\"998\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_karte_ausschnitt.jpg 998w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_karte_ausschnitt-300x191.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_karte_ausschnitt-470x300.jpg 470w\" sizes=\"auto, (max-width: 998px) 100vw, 998px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Warum ist das wichtig?<\/strong><br \/>\nWeil es hier um ein \u201eKreativquartier\u201c geht, das wohl eine der letzten M\u00f6glichkeiten darstellt auf einem gr\u00f6\u00dferen Areal im innerst\u00e4dtischen Bereich Nutzungen im Sinne der freien Kultur-, Kreativ-, und Kunstszene zu erm\u00f6glichen. Die bisherigen Ma\u00dfahmen der Stadtverwaltung lassen leider nicht darauf schlie\u00dfen, dass die Anspr\u00fcche der kreativen k\u00fcnstlerischen Szenen in dem Ma\u00dfe bei der Organisation und Erschlie\u00dfung des Areals ber\u00fcckstichtigt werden.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnsterInnen und Kreativen dieser Stadt merken zunehmends, dass sie \u2013 im Gegensatz zu den \u00f6ffentlichwirksamen Beteuerungen der Stadt \u2013 nicht genug Mitspracherecht in diesen Prozessen haben und dass es ohne eine selbstbewusste Formulierung eines stadt\u00fcbergreifenden B\u00fcrgerwillens und eines B\u00fcrgeranspruchs in diesem Thema keine wirklich bedeutenden Fortschritte mehr get\u00e4tigt werden k\u00f6nnen. In Anbetracht der Tatsache, dass L\u00f6sungsfindungen im Zusammenspiel der \u00f6ffentlichen Institutionen\/Gremien in M\u00fcnchen mit lokalen AkteurInnen in kreativen Arealen zu schlechten Ergebnissen gef\u00fchrt haben, sind wir \u2013 ein loses Aktionsb\u00fcndnis von Kreativen, K\u00fcnstlerInnen und Kulturschaffenden \u2013 zu dem Entschlu\u00df gekommen, dass es dringend einen breiten Diskurs zu diesem Thema ben\u00f6tigt und auch die interessierte B\u00fcrgerschaft aus der ganzen Stadt ihren Anspruch auf dieses Areal formulieren und ganz bewu\u00dft Initiative ergreifen mu\u00df.<\/p>\n<p><strong>Was verleitet uns zu dieser Annahme?<\/strong><br \/>\nIn erster Linie zeigen dies unsere tagt\u00e4glichen Erfahrungen. In diesem Sinne mu\u00df klar festgelegt werden, dass in der allgemeinen Debatte um kreative Freir\u00e4ume der Diskurs sich im Segment der sogenannten \u201eSubkulturen\u201c oder \u201ealternativen Szenen\u201c die Wirtschaftlichkeit stark im Fordergrund steht, wohingegen in der sogenannten \u201eHochkultur\u201c grosse Subventionen m\u00f6glich sind und die etablierten Kulturinstitutionen sich nicht durch die wirtschaftliche Machbarkeit ihrer kulturelle oder k\u00fcnstlerischen Programme legitimieren m\u00fcssen, sondern sich vollkommen auf die Qualit\u00e4t der dargebotenen Produktionen konzentrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu ist in den freien Kultursegmenten stehts der wirtschaftliche Druck sp\u00fcrbar. Auch werden immer mehr Genrenamen mit dem \u201e-wirtschaft\u201c Anh\u00e4ngsel bem\u00fcht, wenn es um die erschlie\u00dfung von R\u00e4umen und Ressourcen in diesem Bereich geht. Das heisst konkret: aus \u201eKulturarbeit\u201c wird \u201eKulturwirtschaft\u201c, aus \u201ekreative Bet\u00e4tigung\u201c wird \u201eKreativwirtschaft\u201c, aus \u201eMusik\u201c wird \u201eMusikwirtschaft\u201c etc. Wir wollen damit nicht ausschliessen, dass man mit einer kreativen\/k\u00fcnstlerischen Bet\u00e4tigung seinen Unterhalt verdienen kann, mu\u00df, oder will, jedoch verwehren wir uns dagegen, dass durch diese allgemeine Konditionierung, eine Athmosph\u00e4re in der Gesellschaft entsteht, die Kreative, K\u00fcnsterInnen, Kulturschaffende a Priori \u00fcber ihr wirtschaftliches Geschick bewertet.<\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis der kreativen Szene ist es, ihr Potential und ihre Kraft vorwiegend in kreative Visionen zu stecken und sich mit diesem nat\u00fcrlichen Anspruch auch ganz selbstverst\u00e4ndlich an der Entwicklung dieser Stadt zu beteiligen.<\/p>\n<p>Diesen Anspruch kann eine kreative Szene nur dann erf\u00fcllen, wenn sie sich ihr Mitspracherecht erk\u00e4mpft hat. Dies l\u00e4sst sich nicht durch st\u00e4dtische Verwaltungsgremien einfach zuerkennen. Dies wird immer deutlicher klar, nach all den Erfahrungen, die wir Kreativen und K\u00fcnstlerInnen insbesondere in der Kommunikation mit dem Kommunalreferat gemacht haben, das ja als Liegenschaftsverwalter der Stadt fungiert und in diesem Sinne auch wichtiger Ansprechpartner f\u00fcr uns ist in Bezug auf die Vergabe von st\u00e4dtischen Freir\u00e4umen.<strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kq_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-713\" alt=\"kq_02\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kq_02.jpg\" width=\"600\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kq_02.jpg 600w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kq_02-300x178.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kq_02-500x296.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>So auch im Kreativquartier:<\/strong><br \/>\nIm Mai 2012 wurde der Gewinner des st\u00e4dtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs vorgestellt, mit welchem die Stadt M\u00fcnchen nach einer passenden L\u00f6sung f\u00fcr ein Kreativquartier suchte, dass im Areal an der Kreuzung Dachauerstrasse\/Schwere-Reiter-Strasse entwickelt werden soll. Der Sieger des Wettbewerbs \u2013 das Architekturb\u00fcro Teleinternetcafe aus Berlin \u2013 gewann tats\u00e4chlich \u00fcberraschend mit dem Entwurf, der die kreativen Strukturen auf dem Areal am meisten beg\u00fcnstigt. Damit h\u00e4tte man in M\u00fcnchen tats\u00e4chlich am allerwenigsten gerechnet. Die Euphorie war nat\u00fcrlich dementsprechend gro\u00df \u2013 auch die gro\u00dfherzigen Bekundungen von Bezirkausschu\u00dfvertreterInnen, Referenten, KomunalpolitikerInnen etc. fiel dementsprechend g\u00f6nnerisch aus. Jetzt konnte man sich ja mal breitbeinig aufstellen und s\u00e4mtliche Kritik an den stadtplanerischen Vers\u00e4umnissen und Fehlentscheidungen der Stadt mit der R\u00fcckhand vom Tisch fegen und die Forderungen mal umkehren: \u201eSo, jetzt haben wir vorgelegt, jetzt m\u00fcsst ihr mal zeigen, was in euch steckt. Gibt es denn \u00fcberhaupt ein ersch\u00f6pfendes kreatives Potential in der Stadt?\u201c, \u201eWo sind denn die ganzen Kreativen jetzt? Was k\u00f6nnt ihr denn so bieten?\u201c waren die Fragen, die in der ersten Person ohne H\u00f6flichkeitsform auf die interessierten lokalen AkteurInnen einprasselten, die sich bei der \u00f6ffentlichen Bekanntgabe an der Dachauerstrasse befanden.<\/p>\n<p><strong>Leider muss sich die Stadt in diesem Punkt eine gewisse \u00dcberheblichkeit vorwerfen lassen.<\/strong> Und mit Stadt meinen wir in diesem Falle nicht nur die Stadtverwaltung, sondern m\u00fcssen uns selber, also die B\u00fcrgerschaft in die Verantwortung nehmen und fordern: Wir brauchen einen wesentlich selbstbewussteren Umgang mit unserem kreativen Potential, wenn wir zusammen auf diesem Areal ein funktionierendes, organisch gewachsenes Kreativquartier schaffen wollen. Alleine die zweifelnde Frage nach einem qualitativ ausreichenden kreativen Potential zeigt ja schon, wie gro\u00df die Unsicherheit ist. Wenn man am kreativen Potential so sehr zweifelt, warum investiert man dann \u00fcberhaupt so viel Energie, Zeit und Geld in so ein Mammutprojekt?<\/p>\n<p>Um diese Forderung argumentativ stabil zu untermauern, haben wir ganz bestimmte Kritikpunkte und L\u00f6sungsans\u00e4tze erarbeitet, die wir hiermit der \u00d6ffentlichkeit unterbreiten wollen.<\/p>\n<p><strong>Fakt Nr. 1: Die schwierige Kommunikation mit dem Kommunalreferat<\/strong><br \/>\nAls bei der oben genannten Veranstaltung konkrete Anfragen nach dem noch abgeriegelten Teil des Areals kamen, welches im Siegerkonzept von Teleinternetcafe als \u201eKreativlabor\u201c ausgewiesen ist, wurde man etwas verhalten auf gewisse Vertreter des Kommunalreferates hingewiesen, die 1. notorisch schwer zu erreichen sind, 2. relativ wenig interesse an einer kreativen Zusammenarbeit haben, 3. recht untransparent auf Fragen bez\u00fcglich bestimmter R\u00e4ume antworten.<br \/>\nDas Kommunalreferat der Landeshauptstadt M\u00fcnchen ist bei weitem dasjenige, das sich mit der Kummunikation mit kreativen und vision\u00e4ren Menschen am schwersten tut. Warum das so ist, sei dahingestellt. Aber die vielen Beanstandungen, die j\u00e4hrlich \u00fcber das Revisionsamt der Stadt M\u00fcnchen an die \u00d6ffentlichkeit gelangen, lassen vermuten, dass auch in der internen Struktur dieses Referates einiges im Argen liegt. Unstimmigkeiten in der internen Kommunikation und verkrustete Hierarchien k\u00f6nnten beispielsweise der Grund sein, dass das Referat uns gegen\u00fcber den Anschein erweckt, als ob keiner der bisherigen Ansprechpartner sich traut mutig zu agieren. Es ist immer eine gewisse Unsicherheit sp\u00fcrbar und auch das Unbehagen, ja eine fast scheue Haltung, die wohl daraus resultiert, dass keiner eine Aussage treffen will, ohne sich durch die n\u00e4chsth\u00f6here Instanz abzusichern und da dies fast nie der Fall ist, weil die n\u00e4chsth\u00f6here Instanz davor Angst hat, sich durch eine un\u00fcberlegte Handlung eines Untergebenen in Angesicht seiner Kollegen ins Abseits zu bugsieren, passiert eben \u201egar nichts\u201c, ausser die Verschleppung von konsequenten Ma\u00dfnahmen zur Erschlie\u00dfung des Gel\u00e4ndes.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Anfragen der K\u00fcnstlerInnen zur Inbetriebnahme des Gel\u00e4ndes werden mit statischen Bedenken, mit Verweisen auf die stadtplanerischen Proze\u00dfabfolgen etc. immer weiter nach hinten geschoben. In der Zwischenzeit konnte man aber beobachten, wie einige mittelst\u00e4ndische bis gro\u00dfe Betriebe auf dem Areal Einzug hielten und teilweise R\u00e4ume nutzen konnten, die der k\u00fcnslterischen Nutzung immer verweigert wurden.<\/p>\n<p>Die Kreativszene auf dem Viertel wird zwar zu repr\u00e4sentativen Diskussionsveranstaltungen eingelanden, jedoch ist die Grundmessage am Ende immer die Gleiche: \u201eIhr m\u00fcsst euch den stadtplanerischen Vorg\u00e4ngen der Stadt f\u00fcgen, ob ihr wollt oder nicht. Wenn das Kommunalreferat R\u00e4umlichkeiten als statisch gef\u00e4hrdet kennzeichnet, dann gibt es daran nichts anzuweifeln. Wir werfen den Verantwortlichen im Kommunalreferat jedoch vor, gro\u00dfe Hallen und R\u00e4ume auf dem Areal seit Jahren ganz bewu\u00dft leerstehen gelassen zu haben, weil sie an dem Erhalt des Bestandes gar nicht interessiert sind.<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich wurden kleinere und gr\u00f6ssere Kulturorganisationen, die wirklich wertvolle k\u00fcnstlerische und kunstp\u00e4dagogische Arbeit auf dem Areal leisten aus ihren teilweise seit Jahren genutzten R\u00e4umen herausgetrieben. Anstatt gewachsene Strukturen zu sch\u00e4tzen und eigenst\u00e4ndige Entwicklungen zu f\u00f6rdern, die teilweise sogar in gro\u00dfem Umfang von der Stadt selber gef\u00f6rdert werden, werden genaudieselben Institutionen und Initiativen, die sich f\u00fcr die kreative und k\u00fcnstlerische Zukunft dieser Stadt einsetzen st\u00e4ndig in Unsicherheit gewogen und in ihrer Entfaltung gehindert.<\/p>\n<p>Der Einsatz des Kulturreferates und des Planungsreferates ist in diesem Diskurs nicht zu untersch\u00e4tzen. Herr Dr. Dr. K\u00fcppers und Frau Dr. Merk versuchen seit geraumer Zeit L\u00f6sungen zu finden, die das kulturelle Potential auf dem Viertel ber\u00fccksichtigen, aber wir denken, dass die Stadt \u2013 wenn sie wirklich ein Kreativquartier als Resultat erreichen will \u2013 wesentlich mehr Mitspracherecht, mehr B\u00fcrgerwillen erm\u00f6glichen und wesentlich mehr Mut zum Experiment zulassen mu\u00df, denn dieses Kreativquartier geh\u00f6rt den B\u00fcrgerInnen und mu\u00df sich auch in ihrem Sinne und mit ihrer Beteiligung entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Fakt Nr. 2: Die bisherigen Fehler im Umgang mit der Planung auf dem Areal<\/strong><br \/>\n<strong>a) Viele R\u00e4ume im sogenannten \u201eKreativlabor\u201c werden schon viel zu lange leer gehalten und darunter leidet nat\u00fcrlich die Bausubstanz.<\/strong> Dies wird nun vom Kommunalreferat zum Vorwand genommen, um mit statischen Gutachten den Abriss der R\u00e4ume durchzusetzen. Organisationen und Initiativen, die f\u00fcr einige dieser R\u00e4umlichkeiten bisher immer mit befristeten Vertr\u00e4gen und Duldungen an der kurzen Leine gehalten wurden, verlieren diese nun v\u00f6llig, obwohl man wei\u00df, wie sehr sie f\u00fcr ihre Arbeit dringend auf sie angewiesen ist. So wird Unsicherheit geschaffen und langfristiges strukturelles Vertrauen unterbunden.<\/p>\n<p><strong>b) Die \u00d6ffnung des gesamten Areals dauert zu lange.<\/strong><br \/>\nIm Grunde hat das B\u00fcro Teleinternetcafe schon ge\u00e4ussert, dass eine sofortige Sichtung und \u00d6ffnung des Areals dringend notwendig ist, um die Entwicklung des Kreativlabors effektiv voranzutreiben. Auch die Einrichtung eines kollektiven Gremiums, dass in Zusammenarbeit mit der Stadt die Inbetriebnahme des Areals vorantreibt und in die weiteren Planungen integriert ist, wurde schon lange als ein wichtiges Element in den Raum gestellt. Passiert ist bisher nichts. Ein sehr undurchsichtiges Vorgehen des Kommunalreferates l\u00e4sst bezweifeln, ob diese Insititution \u00fcberhaupt an einer Entwicklung des Areals im Sinne des Siegerprojektes interessiert ist.<\/p>\n<p><strong>c) Vorhandenes Material, Kapazit\u00e4ten und M\u00f6glichkeiten werden nicht genutzt.<\/strong><br \/>\nAm sinnvollsten w\u00e4re es eine Bestandsaufnahme aller Rohstoffe, Werkst\u00e4tten, Lagerpl\u00e4tze, Einrichtungsgegenst\u00e4nde &#8211; besonders auf dem Gebiet der Strassenbeleuchtung im Norden des Kreativlabors, welches leider nicht zug\u00e4nglich ist &#8211; einmal zu sichten, um zu sehen, ob eine nachhaltige und kreative Weiternutzung m\u00f6glich w\u00e4re. Soweit man ersehen konnte befand sich dort eine Kantine und eine Schlosserei, jede Menge Rohmaterial befand sich vor Ort. Leider wurden viele Ger\u00e4te und Materialien voreilig versteigert.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-714\" alt=\"kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm.jpg\" width=\"760\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm.jpg 760w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm-300x200.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/kreativquartier_tonnenhalle_leer_klein_lhm-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><\/a><\/p>\n<p>d) Die Reihenfolge der Erschlie\u00dfung des Areals ist eher ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt: Warum der fr\u00fche Fokus auf die beiden Hallen?<\/strong><br \/>\nDie Entwicklung des Gel\u00e4ndes hat schon von Anfang an am falschen Ende begonnen. Statt sich auf des Kreativlabor zu fokussieren und hier den Bedarf an kulturellem Freiraum zu decken und mit tempor\u00e4ren und mittelfristigen Nutzungen freie Konzepte zu erproben, somit also das Viertel zu \u00f6ffnen und zu beleben, damit sich die f\u00fcr das Areal so typische kreative Athmosph\u00e4re weiter entfalten kann, damit Impulse und neue Denkanst\u00f6sse entstehen k\u00f6nnen, hat man sich sofort auf die prestigereichen Hallen (Ton- und Jutierhalle) als Megaprojekt get\u00fcrzt und zu einem gro\u00dfen Wettbewerb f\u00fcr die Ermittlung eines Betreibermodelles f\u00fcr die Nutzung der beiden Riesenhallen im S\u00fcdosten des Kreativlabors aufgerufen.<\/p>\n<p><strong>e) Der Hallenwettbewerb hat Zeit, Energie und Ressoucen gefressen und hat im Endeffekt nichts gebracht.<\/strong><br \/>\n&#8211; Fast eine Hundertschaft von Kreativen und Kulturschaffenden, die sich zu Teilnehmerteams zusammenfanden wurden monatelang durch die Beteiligung an dem Wettbewerb f\u00fcr die beiden Hallen gebunden und besch\u00e4ftigt. Die Euphorie und die Motivation war zwar am Anfang gro\u00df, aber im Grunde hat sich sehr bald herausgestellt, dass das Verfahren bald im Sande verlaufen w\u00fcrde, denn:<br \/>\n&#8211; Man konnte nur einen Vorschlag f\u00fcr die Nutzung beider Hallen einreichen. Eigentlich unn\u00f6tig, denn die Erstellung eines Nutzungskonzeptes f\u00fcr eine Halle ist schon schwierig und aufwendig genug (vom sp\u00e4teren Betrieb mal ganz abgesehen), das hat viele TeilnehmerInnen \u00fcberfordert und hat eigentlich keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Synergienutzung zugelassen. Man musste ein Konzept aus einem Gu\u00df erstellen, in dem die wirtschaftliche Machbarkeit nat\u00fcrlich sehr im Vordergrund stand. Viele feingliedrige kreative Gedanken sind in den abgegebenen Konzepten untergegangen im weit zu gro\u00dfen Gesamtrahmen der betriebstechnischen Anforderungen f\u00fcr so ein gro\u00dfes Projekt. Kreative und Kulturschaffende haben sich mit betriebswirtschaftlichen Konzepten besch\u00e4ftigt, anstatt mit dem, was sie am besten k\u00f6nnen: die Entwicklung von kreativen Visionen f\u00fcr das Gesamtareal (klare Themaverfehlung!).<br \/>\n&#8211; Die Projektbetreuung des Wettbewerbs war ebenfalls mit der Situation \u00fcberfordert und verlor sich in restriktiven Anweisungen, anstatt auf den kreativen Output zu f\u00f6rdern.<br \/>\n&#8211; Im Endeffekt gab es kein Gewinnerprojekt, was den Stand sowohl des Kulturreferates auf dem Areal auf lange Frist genauso gesch\u00e4digt hat, wie den Stand der Kreativszene. Vor allem sind die meisten, die sich an dem Wettbewerb mit gro\u00dfem Aufwand beteiligt haben demotiviert und frustiert aus dem Prozess herausgegangen. Sie wurden f\u00fcr Monate gebunden und somit von der eigentlichen kreativen Planungsarbeit v\u00f6llig ferngehalten. Zeit wurde verschwendet, ohne ein produktives Resultat zu erzielen. Die Teilnehmer haben zum gro\u00dfteil ehrenamtlich ihre Arbeitszeit investiert und haben nichts daf\u00fcr bekommen. Das Hauptpreisgelt von 10.000 Euro wurde nicht vergeben. Lediglich der 2. und 3. Platz erhielt eine bescheidene Erstattung ihrer Unkosten und ihres Einsatzes in Form des Preisgeldes von je 5000 Euro.<br \/>\n&#8211; Der Hype um die Hallen ist schnell vergangen. Es sind keine nachhaltigen Synergien und Denkans\u00e4tze aus diesem Prozess entstanden und erstaunlicherweise redet niemand mehr \u00fcber dieses Desaster. Es gibt auch keine Nachbereitung und keinen offenen Diskurs dar\u00fcber.<br \/>\n&#8211; Das Allerschlimmste: Die Entwicklung des Kreativlabors lag die ganze Zeit \u00fcber brach. Nichts ist passiert. Lediglich ein Paar Duldungen sind ausgestellt worden, deren Nutzer dann wiederum vom Kommunalreferat erst vor kurzem als illegale Besetzer diffamiert wurden. Nicht gerade die feinste englische Art.<\/p>\n<p><strong>Fakt Nr. 3.: Es mangelt an Selbstvertrauen im Umgang mit dem eigenen kreativen Potential, sowohl in der Szene, als auch in den Referaten.<\/strong><br \/>\nAuch die K\u00fcnstlerInnen m\u00fcssen sich an der eigenen Nase fassen: wer Freir\u00e4ume braucht, der muss sich auch um sie bem\u00fchen. Viele K\u00fcnstlerInnen und Kreative in M\u00fcnchen sind zu passiv, k\u00f6nnen ihre Anspr\u00fcche nicht klar formulieren, sind schwach in der Teambildung und lassen sich zu schnell kleinreden, oder reden sich gleich selber klein. Das f\u00fchrt oft zu eingeschr\u00e4nkten Ich-bezogenen Sichtweisen und mangelnder Solidarit\u00e4t. Das muss sich \u00e4ndern!<br \/>\nDaf\u00fcr tragen st\u00e4dtische Strukturen auch mit Verantwortung. Denn eine unsichere kulturelle Strukturpolitik beg\u00fcnstigt nicht gerade unbedingt eine selbstbewu\u00dfte Haltung in der Szene. Diese defizit\u00e4re Haltung ist einer der wichtigsten Gr\u00fcnde, warum so viele Kreative schon abgewandert sind.<br \/>\nK\u00fcnstlerInnen m\u00fcssen in M\u00fcnchen ihre Existenz oft durch ihre wirtschafliche Effizienz rechtfertigen. Im sehr stark durch den Immobilien- und Arbeitsmarkt dominierten postmodernen m\u00fcnchner Lebensstil hat man wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Bed\u00fcrfnis nach \u201efunktionsspezifisch noch nicht \u00fcberprofilierten und nicht einsitig definierten Freir\u00e4umen\u201c, das Bed\u00fcrfnis nach Zeit und Raum zum experimentieren und ausprobieren. Stattdessen wird versucht, das letzte kreative Potential, dass die Stadt noch nicht in Richtung fruchtbarerer Ballungsgebiete wie Berlin und Wien verlassen hat auch noch in das enge Korsett des Wirtschaftsmarktes zu zw\u00e4ngen. Dies ist eine Unzumutbarkeit, gegen sich die Kunst- und Kulturszene M\u00fcnchens wehren mu\u00df, wenn sie ihren Erhalt sichern will. Dazu mu\u00df man sich gut organisieren und einen stadt\u00fcbergreifenden B\u00fcrgerwillen formulieren, der in der bisherigen Entwicklung und Planung des Kreativquartiers viel zu wenig Beachtung erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Die Initiative, die hiermit ergriffen wird, beabsichtigt es nicht, die Stadtverwaltung als ganzes anzuprangern, oder gegen sie zu arbeiten.<\/strong> Es wird lediglich eine Solidarit\u00e4tsplattform ins Leben gerufen, die versucht die Anspr\u00fcche eines wenig geh\u00f6rten Teiles der B\u00fcrgerschaft auf selbstbestimmte Weise Geh\u00f6r zu verschaffen, im Bewusstsein dessen ,dass B\u00fcrokratInnen und PolitikerInnen nicht in der Lage sind, die Bed\u00fcrfnisse der K\u00fcnstlerInnen und Kreativen im vollen Umfang zu vertreten. Das verlangt auch niemand, denn wenn die freie Szene Verantwortung f\u00fcr die kulturelle Landschaft M\u00fcnchens empfindet, dann m\u00fcssen wir kreativen B\u00fcrger uns einfach einmischen und unser Mitspracherecht holen.<\/p>\n<p><strong>Wir k\u00f6nnen von der Politik nicht erwarten, dass sie k\u00fcnstlerische und kreative Visionen verwirklicht! Dazu ist sie nicht gemacht!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worum geht es? Es geht um die Formulierung eines stadt\u00fcbergreifenden B\u00fcrgerwillens bez\u00fcglich der aktiven Beteiligung an einer vision\u00e4ren und wirklich kreativen Entwicklung des Kreativquartiers an der Dachauerstrasse. Warum ist das wichtig? 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