{"id":566,"date":"2013-09-21T17:45:30","date_gmt":"2013-09-21T17:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=566"},"modified":"2013-11-02T10:03:32","modified_gmt":"2013-11-02T10:03:32","slug":"neues-stadtprojekt-in-munchen-no-citizens-besuchen-neureiche-versicherungsmanager-in-bogenhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=566","title":{"rendered":"Neues Stadtprojekt der Kammerspiele in M\u00fcnchen: Osteurop\u00e4ische Schwarzarbeiter besuchen neureiche Versicherungsmanager in Bogenhausen"},"content":{"rendered":"<p>Liebe FreundInnen, die meinen Blog und meine Emails sch\u00e4tzen. Liebe interessierte LeserInnen, die nicht wissen, was sie davon halten sollen, aber auch nicht mutig genug sind, ihn abzubestellen. Liebe stummen Zaung\u00e4ste.<\/p>\n<p>Ich wende mich an euch alle, denn so allm\u00e4hlich geht es mir ordentlich auf den Keks, dass&#8230;.<\/p>\n<p>&#8230;der deutsche Kulturbetrieb (und damit meine ich auch den, der sich gerne mal auf der Gegenseite des Establishments sieht, wie zum Beispiel die M\u00fcnchner Kammerspiele), immer noch nicht in der Lage ist, von seiner d\u00e4mlichen \u00dcberheblichkeit herunterzukommen.<br \/>\nWie ich darauf komme? Weil ich gerade eine Rundmail erhalten habe von meinem Freund <del>Philip Decker<\/del>, der gerade\u00a0als Produktionsleiter ein Theaterprojekt des niederl\u00e4ndischen Regisseurs Dries Verhoeven namens &#8222;Niemandsland&#8220; betreut, wof\u00fcr migrantische Mitspieler gesucht werden. Alles sch\u00f6n und gut, nur wird der\/die MigrantIn wieder einmal dazu aufgefordert, einigen &#8222;bio-europ\u00e4ischen&#8220; G\u00e4sten sein migrantisches Leben in seinem &#8222;migrantisch gepr\u00e4gten&#8220; Viertel zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, das ist ein toll durchdachtes Konzept von dem Dries Verhoeven, aber dieserlei Projekte gab es doch schon zu Hauf. H\u00f6rt doch auf damit, verdammt! Der Stoff ist durch Leute! Ausserdem finde ich es so dermassen peinlich, immer nur aus der bequemen Rolle des neugierigen Voyeurs auf das vermeintlich &#8222;Fremdartige&#8220; zu blicken. Begreift es endlich Schnuckis: &#8222;IHR SEID DIE MIGRANTEN, IHR SEID DIE ALIENS&#8220; und nicht umgekehrt. Ihr begreift nicht, dass ihr schon l\u00e4ngst einget\u00fcrkt seid, genauso sehr wie ich eingedeutscht bin!<\/p>\n<p>Ihr wollt es nicht wahrhaben, aber bin ich derjenige, der lecker D\u00f6ner frisst bei jeder Gelegenheit und der Branche zu reissendem Umsatz verhilft? Nein! ICH MAG N\u00c4MLICH KEINEN D\u00d6NER.<\/p>\n<p>GUTEN APPETIT &#8211; ICH HABE DAMIT NIX ZU TUN UND ICH WERDE EINEN TEUFEL TUN UND EUCH ZUM DREITAUSENF\u00dcNFHUNDERTSTEN MAL &#8222;MEIN MIGRANTISCHES BAHNHOFSVIERTEL&#8220; ERKL\u00c4REN! BIN ICH KASPERLE ODER WAS? DAS IST AUCH EUER VIERTEL VERDAMMT. GUCKT ES EUCH HALT AN. IST DOCH AUCH EUER LAND, EURE STADT, EURE GESCHICHTE, ODER NICHT?<\/p>\n<p>Lasst uns doch lieber mal den Spiess umdrehen und einen neureichen Versicherungsmakler, Banker, oder Immobilienhai eine Stadtf\u00fchrung durch das Bogenhausener Villenviertel durchf\u00fchren, der bulgarischen Schwarzarbeitern sein Leben und sein Viertel zeigt.<\/p>\n<p>Das macht in der jetzigen Situation, in der wir uns alle befinden, wesentlich mehr Sinn!<\/p>\n<p><strong>Ich fordere von den Kammerspielen M\u00fcnchen eine Aussprache, \u00fcber dieses Thema und zwar \u00f6ffentlich!<\/strong><br \/>\nDaran k\u00f6nnen sich dann Vertreter des Volkstheaters und des Residenztheaters auch beteiligen!<\/p>\n<p>Und da k\u00f6nnen wir uns gerne auch mal \u00fcber das Thema unterhalten, warum sich fast 99,9 Prozent der migrantisch-st\u00e4mmigen Kulturschaffenden, KulturarbeiterInnen, Regisseure, Intendanten, SchauspielerInnen einen wohlklingenden &#8222;weissen&#8220; nachnamen aneignen m\u00fcssen, wenn sie in diesem Land Karriere machen wollen?<\/p>\n<p>wie z.B.<\/p>\n<p>Shermin Langhoff<br \/>\nTim Seyfi<br \/>\nErsan Mondtag<\/p>\n<p>und und und&#8230;<\/p>\n<p>Glaubt es mir, mir h\u00e4ngts zum Halse raus.<\/p>\n<p>Bitte liebe Freunde und Freundinnen von der deutschen &#8222;Leidkultur&#8220;. Versteht mich nicht falsch. Ich habe euch echt gerne und ich weiss, ihr meint es nur gut mit uns. Aber ihr m\u00fcsst eines endlich begreifen:<\/p>\n<p>WIR MEINEN ES AUCH GUT MIT EUCH!<\/p>\n<p>Unten die besagte Email. Ich fordere alle migrantischst\u00e4mmigen Menschen auf, dieses Projekt zu boykottieren!<\/p>\n<p>Gruss<\/p>\n<p>Tuncay<br \/>\nAnhang:<\/p>\n<p><strong>Aquisitionsmail der Kammerspiele auf der Suche nach Mitspielern bei dem Stadtprojekt Niemandsland von Dries Verhoeven:<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist <del>Philip Decker<\/del>, ich bin seit der Spielzeit 13\/14 k\u00fcnstlerischer Produktionsleiter der M\u00fcnchner Kammerspiele, einem der renommiertesten deutschen Stadttheater und Gewinner der Auszeichnung &#8222;Theater des Jahres 2013&#8220;. Ich wende mich mit folgendem Anliegen an Sie: Im Sommer 2014 werden wir die Theaterproduktion &#8222;Niemandsland&#8220; des niederl\u00e4ndischen Regisseurs Dries Verhoeven zu Gast in M\u00fcnchen haben. Es handelt sich hierbei um einen Stadtspaziergang, bei dem jeweils ein Mensch mit Migrationshintergrund einen Theaterzuschauer durch ein migrantisch gepr\u00e4gtes Viertel (in M\u00fcnchen das s\u00fcdliche Bahnhofsviertel) f\u00fchrt, wobei dieser per Kopfh\u00f6rer viele m\u00f6gliche Geschichten der &#8222;Migration&#8220; h\u00f6rt. Ziel ist es die Perspektive des Zuschauers auf ihren Wegweiser und das Thema Migration insgesamt zu thematisieren. Hierf\u00fcr sind wir auf der Suche nach insgesamt 12 Spielern, die Lust haben Ihre Perspektive auf das Thema Migration in M\u00fcnchen mitzuteilen und darzustellen. Anbei schicke ich Ihnen unsere Suchanzeige, es w\u00e4re sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie diese an Interessierte weiterleiten und vielleicht sogar aush\u00e4ngen k\u00f6nnten. Ich danke Ihnen f\u00fcr die Mithilfe und stehe Ihnen bei Fragen selbstverst\u00e4ndlich zur Verf\u00fcgung,<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, <del>Philip Decker<\/del><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe FreundInnen, die meinen Blog und meine Emails sch\u00e4tzen. Liebe interessierte LeserInnen, die nicht wissen, was sie davon halten sollen, aber auch nicht mutig genug sind, ihn abzubestellen. Liebe stummen Zaung\u00e4ste. 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