{"id":50,"date":"2012-03-25T09:52:24","date_gmt":"2012-03-25T09:52:24","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=50"},"modified":"2012-05-02T09:43:42","modified_gmt":"2012-05-02T09:43:42","slug":"basheer-al-assad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=50","title":{"rendered":"Jetzt Reichts: Basheer al Assad hat Emailkontakt mit Verehrerinnen!"},"content":{"rendered":"<p>Einsame Despoten in der Endphase ihrer \u00c4ra haben eine enorme Wirkung auf die Menschen. Nat\u00fcrlich auch auf mich. Ich versuche sie mir vorzustellen in einem ihrer riesigen Pal\u00e4ste, in einem gro\u00dfen Schlafgemach mit barock-kitschiger Ausstattung. Vielleicht sitzen sie am Computer und surfen studenlang sinnlos in der Gegend rum, um sich abzulenken, wie unsereiner auch, wenns ihm mal schlecht geht.<\/p>\n<p>So auch vielleicht die Situation bei den Assads: Vielleicht liegen ihre Klamotten kreuz und quer im Zimmer nach dem sp\u00e4ten Fr\u00fchst\u00fcck,\u00a0dessen Reste noch auf dem Tablett zerstreut sind und Frau Assad liest gerade Vogue, gelangweilt im glitzernden Seiden-Neglig\u00e9, das in dem \u00fcberspannten Basheer schon lange keine Libidoregung mehr hervorruft. Die Kinder sind schon ausser Landes gebracht, die Entourage verzieht sich peu \u00e1 peu. Die Macht versickert in den Ritzen und Ecken des Palastes, hinter den Girlanden und Bord\u00fcren, den \u00fcberladen verzierten Aufs\u00e4tzen der vergoldeten M\u00f6bel.<\/p>\n<p>Ach, was weiss ich? Irgendwie gew\u00f6hnt man sich an die Systematik, die hinter den politischen Vorg\u00e4ngen im vorderen, mittleren und fernen Orient innerhalb des letzten Jahrzehnts zu stecken scheinen: Twin Towers, Colin Powell, Afghanistan, Irak, Saddam, Ghaddafi, Mubarak, Osama und jetzt Basheer. Die Demontage einer selbstinstallierten Gaunerriege schreitet voran. Die Geheimdienste arbeiten im Akkordbetrieb. Meinungen werden gemacht, Nachrichten manipuliert, Menschen diskreditiert und die \u00d6ffentlichkeit wird abgelenkt, wie eine Katze mit dem Ball an der Schnur. Und wenn sie springen soll, dann springt sie schon &#8211; fr\u00fcher oder sp\u00e4ter!<\/p>\n<p>Die Katze namens &#8222;weltweite \u00d6ffentlichkeit&#8220; hat schon einige Spielzeugb\u00e4lle verschlissen. Der neueste heisst jetzt Basheer al Assad. Bald wird auch er zerfetzt sein, blutverschmiert und besudelt mit Dreck. So wird er aus irgendeinem Loch gezogen werden von seinem ehemals treu dienenden Volk.<\/p>\n<p>Was mag so ein Despot an seinen letzten Tagen wohl denken? Das interessiert uns nat\u00fcrlich und wir sind verwundert dar\u00fcber, dass abgefangene Privatmails ein ganz anderes Bild von Basheer zeichnen: \u00e4u\u00dferst gelassen scheint der B\u00f6sewicht mit attraktiven Frauen weltweit romantisch zu flachsen, w\u00e4hrend seine nicht minder attraktive Ehefrau ihre Aufgabe als solidarische und loyale Despotenhausfrau zu erf\u00fcllen scheint.<\/p>\n<p>Wir wundern uns \u00fcber Vorlieben und Musikgeschmack des Diktators, der bis vor kurzem noch ein opportunes Staatsoberhaupt war. Wir wundern uns, ob der vermeintlich g\u00e4nzlichen Ignoranz, seinem bevorstehenden Schicksal und der Greuel gegen\u00fcber, die er gerade seinem Volke antut.<\/p>\n<p>Wir wundern uns und suhlen uns in unserem Voyeurismus. Nur \u00fcber eines wundern wir uns nicht: das es daran eigentlich nichts zu wundern gibt, denn wir tun ja das selbe tagein tagaus. Ist es verwerflicher, wenn ein Despot genau das tut, was Milliarden von Menschen auf dieser Welt auch tun: Schlechte Musik h\u00f6ren und ihre Frauen betr\u00fcgen?<\/p>\n<p>Unser Wundern zeigt nur eines auf: unsere Entmenschlichung und unsere Naivit\u00e4t, die uns ganz vergessen l\u00e4sst, dass dieses Tier, dass wir da betrachten, eigentlich in uns allen steckt.<\/p>\n<p>Wir sind eben Menschen und haben uns technisch wahnsinnig entwickelt seit der Steinzeit, aber in unserer menschlichen Entwicklung gab es da relativ wenige erw\u00e4hnenswerte, effektiv und nachhaltig wirkende Errungenschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einsame Despoten in der Endphase ihrer \u00c4ra haben eine enorme Wirkung auf die Menschen. Nat\u00fcrlich auch auf mich. 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