{"id":489,"date":"2013-01-20T11:02:08","date_gmt":"2013-01-20T11:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=489"},"modified":"2013-01-25T06:58:04","modified_gmt":"2013-01-25T06:58:04","slug":"mit-dem-dolmus-nach-bostanci","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=489","title":{"rendered":"Mit dem Dolmu\u015f nach Bostanc\u0131"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_490\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/taxim.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-490\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/taxim-300x203.jpg\" alt=\"Der Taxim Platz in Istanbul - so um die 40'er rum\" title=\"Taxim\" width=\"300\" height=\"203\" class=\"size-medium wp-image-490\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/taxim-300x203.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/taxim-443x300.jpg 443w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/taxim.jpeg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-490\" class=\"wp-caption-text\">Der Taxim Platz in Istanbul - so um die 40'er rum<\/p><\/div>\n<p>Januar &#8211; Die Nacht in Istanbul ist feuchtkalt. Richtig eklig. Der zentraleurop\u00e4ische Orientromantiker stellt sich das ja ganz anders vor, vom Klima her. Dem ist aber nicht so. Der Winter hier kann richtig unangenehm werden. Die typisch Istanbuler Nostalgiestimmung passt wunderbar zum Feuchtigkeistnebel und der Dunkelheit &#8211; das gibt dann diese ganz spezielle Mischung, die mich immer so fasziniert. Ich laufe auf der Istiklal Strasse im Stadtkern umher &#8211; hier gibt es immer absurde Szenen zu bewundern. So zum Beispiel diesen Typen mit Supermankost\u00fcm und gr\u00fcngef\u00e4rbten Haaren und Gesicht. Eine Mischung zwischen Hulk Hogen und Superman. Nur, dass auf seiner Brust der Schriftzug SUPER FAKIR prangt. Das Wort Fakir kann im t\u00fcrkischen aber sowohl den indischen Fakir bezeichnen, den man auch im deutschen so kennt, ebenso aber auuch das Adjektiv &#8222;arm&#8220; bedeuten. Also entweder ist der Typ einer der vielen Werbetr\u00e4ger f\u00fcr irgendein &#8211; f\u00fcr mich unbekanntes &#8211; Produkt, oder er ist politischer Aktivist.<br \/>\nGrund zum Aktivismus g\u00e4be es hier ja reichlich.<br \/>\nWir gehen stattdessen erstmal gut essen und Rakitrinken. Und zwar in ein empfohlenes Fleischrestaurant namens Pala am Rande des Ausgehviertels Beyoglu. Treffe mich mit guten Freunden. Sie erz\u00e4hlen mir von den gro\u00dfen Bauvorhaben am Taximplatz und dass die Regierung dort eine weitere repr\u00e4sentative Moschee bauen will und nat\u00fcrlich ein Einkaufszentrum. Der ganze Platz soll eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone werden, was wohl eine der wenigen positiven Aspekte des ganzen Bauvorhabens ist. Momentan wird die Innenstadt von weitr\u00e4umigen Absperrungen und Baustellenabgrenzungen dominiert und viele Menschen sind sichtlich genervt von dem ganzen.<br \/>\nEiner meiner Freunde erz\u00e4hlt mir eine Anekdote: Der Taksim Gezi Park, der im Zuge dieser Umbaumassnahmen total \u00fcberbaut werden soll, war fr\u00fcher einmal ein armenischer Friedhof. Bis zum Ende des 19. Jhd&#8217;s war dieses Gebiet kaum attraktiv, weil es sich ausserhalb der damaligen Stadt befand. Die osmanische Stadtverwaltung hatte die armenische Gemeinde dazu \u00fcberredet ihre Anspr\u00fcche an dem Grundst\u00fcck zugunsten eines Kasernenbaus aufzugeben. Nun nach etlichen Jahren, nachdem das Kasernengeb\u00e4ude abgerissen wurde und das Areal jahrelang als \u00f6ffentlicher Park diente, ist es dort stockdunkel, die Strassenbeleuchtungen sind von der elektrischen Versorgung abgeschnitten, in der Nacht laufen schn\u00fcffelnde Strassenjungen und obdachlose Kleinkriminelle herum und betteln die Passanten an, denn f\u00fcr diejenigen, die in der Gegend ums \u0218i\u015fli-Viertel im Norden leben, ist der Weg durch den Park der einzig m\u00f6gliche, um in die Innenstadt zu gelangen. Deswegen sind wohl auch Sondereinheiten der Polizei mit Maschinengewehren dort stationiert, um die Sicherheit zu wahren.<br \/>\nEin Freund von uns &#8211; Antonio Cosentino (armenisch-italienischst\u00e4mmiger K\u00fcnstler aus Istanbul) ist vernarrt in den Park. Er l\u00e4dt seine Freunde seit Jahren in den w\u00e4rmeren Monaten regelm\u00e4ssig ein, dort zu Picknicken und im Gras dem m\u00fc\u00dfiggang zu fr\u00f6nen. Dabei ermuntert er sie alle mit der Aufforderung: &#8222;Kommt freunde, das hier ist unser Land &#8211; hier liegen meine Vorfahren seit Jahren herum. Macht es euch auch gem\u00fctlich, bittesch\u00f6n&#8220;.<br \/>\nNa ja &#8211; irgendwann um 3 Uhr morgens wandern wir dann unseren Routineweg vom Peyote (meinem Lieblingsclub) zum Sammeltaxistand am Taximplatz, denn ich muss noch auf die anatolische Seite nacht Bostanc\u0131, wo meine Familie eine kleine Wohnung hat. Die Fahrt dauert im normalfall tags\u00fcber midenstens eine Stunde, meistens aber immer l\u00e4nger, wegen Staus etc. Nun in der Nacht, dauert es keine 15 Minuten, diese gigantische Stadt einmal zu durchqueren &#8211; \u00fcber den Bosporus in Lichtgeschwindigkeit &#8211; durch die feuchtkalte Istanbuler Nacht. Das Gro\u00dfstadtleuchten um uns herum, die ger\u00e4umige Urbanit\u00e4t, die Allgegenw\u00e4rtigkeit ihrer turbulenten Geschichte schlie\u00dflich und endlich das Gef\u00fchl, wahrlich zu existieren, in einer wahrhaftigen, lebendigen Stadt \u00fcberw\u00e4ltigt uns. Der Raki auch. Kurz bevor wir einschlafen, sind wir in Bostanci angekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Januar &#8211; Die Nacht in Istanbul ist feuchtkalt. Richtig eklig. Der zentraleurop\u00e4ische Orientromantiker stellt sich das ja ganz anders vor, vom Klima her. Dem ist aber nicht so. Der Winter hier kann richtig unangenehm werden. 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