{"id":447,"date":"2012-11-04T07:52:47","date_gmt":"2012-11-04T07:52:47","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=447"},"modified":"2022-01-18T13:11:36","modified_gmt":"2022-01-18T13:11:36","slug":"new-york-london-paris-munich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=447","title":{"rendered":"New York, London, Paris, Munich\u2026"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_450\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gPoiv0sZ4s4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-450\" class=\"wp-image-450 size-full\" title=\"m_pop_music\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/m_pop_music.jpg\" alt=\"Pop Pop Pop M\u00fcsik\" width=\"500\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/m_pop_music.jpg 500w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/m_pop_music-300x163.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-450\" class=\"wp-caption-text\">Pop Music von Robin Scott alias &#8222;M&#8220; &#8211; Das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gPoiv0sZ4s4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Video<\/strong><\/a> k\u00f6nnte glatt als Werbung f\u00fcr die M\u00fcnchner Stadtwerke durchgehen.<\/p><\/div>\n<p>Als ich klein war gab es einen Charthit, der hie\u00df: \u201ePop Music\u201c. Ich wu\u00dfte nie von welchem Interpreten. War mir auch Wurst. Ich mochte den Song. Jetzt, w\u00e4hrend ich den Artikel hier schreibe, bin ich meiner Neugierde erlegen und hab\u2018 nachgesehen: Die Band hie\u00df \u201eM\u201c und kam aus England: \u201ePop pop pop music, everybody\u2019s talkin\u2018 bout pop music\u201c. Vor allem die Tatsache, dass der Name meiner Heimatstadt M\u00fcnchen prominent in einer Textzeile auftauchte hatte mich begeistert: \u201eNew York, London, Paris, Munich \u2013 everybody\u2019s talkin\u2019bout Pop Music &#8211; Talk about: Pop Music &#8211; Talk about: Pop Music &#8211; dum dadadaaadaaaaa dumm dadadaaaadaaaaa&#8230;.\u201c<br \/>\nDie 70\u2019er habe ich leider nicht so ganz bewusst erlebt, daf\u00fcr war ich zu klein. Aber es muss gro\u00dfartig gewesen sein. Freddy Mercury im Glockenbachviertel, Giorgio Moroder im Musicland Studio, Mick Jagger und Keith Richards besuchen Uschi Obermeier in Schwabing, Livemusikjazzwahnsinn in der Occamstrasse und solch\u2018ne Sachen.. Gott wie gerne h\u00e4tte ich diese Luft mitgeschnuppert.<br \/>\nDabei war ich einer derer, die dieses Paradies mit ihrem Massengeschmack bald austrocknen sollten: Ich war fanatischer Hip Hop Fan der ersten Stunde und h\u00e4tte zusammen mit meinen pupert\u00e4ren Genossen fast einen Laden in der Occamstrasse auseinandergenommen, als \u201eGrandmaster Flash and the Furious 5\u201c kurzfristig ein Konzert absagten und die uns\u00e4glichen \u201eM\u00fcnchner Freiheit\u201c als Ersatzact auftreten sollten mit eckigen E-Gitarren, blonden Glamrockmatten auf\u2018m Kopf und bunten Aerobic-Hosen am Arsch! Ging halt gar nicht.<br \/>\nDennoch kann sogar ich als Old School Breakdancer von einer Textpassage in dem Hit &#8222;Planet Rock&#8220; von Africa Bambaataa &amp; The Soulsonic Force berichten. Da wurde wieder einmal neben den bekanntesten Weltmetropolen auch M\u00fcnchen aufgez\u00e4hlt, und zwar in der legend\u00e4ren Passage: \u201eMunich rocks the Planet Rock\u201c. Da machte das Electric-Boogie-Zappeln spa\u00df! Aber dann kamen die 90\u2019er und haben uns schnell zu verstehen gegeben, dass es nun wirklich zu Ende war mit der Musikmetropole M\u00fcnchen (ohne Dj Hell jetzt zu nahe treten zu wollen\u2026).<br \/>\nEs gibt jedoch noch Relikte von Authentizismus aus der guten alten Zeit, die in den trockenen Jahrzehnten die Freakflagge unbeirrt hochgehalten haben, aber man muss schon genauer hinsehen, um sie wahrzunehmen. Kennt ihr z.B. diesen d\u00fcrren, \u00e4lteren, bebrillten Mann mit den str\u00e4hnigen, leicht verfetteten und schon graumelierten Haaren &#8211; in der einen Hand die obligatorische Jutet\u00fcte, aus der er unaufhaltsam seit Jahren seine selbstgebastelten A4-Plakate zieht und an die W\u00e4nde klebt? Oft hat er nicht genug Tesafilm dabei und h\u00e4ngt seine Konzertwerbemittel einfach an einem Eck unterhalb eines anderen Plakates dazu, den Rest des \u201cfremden\u201c Tesastreifens verwendend. Die Plakate, die er entwirft sind im multiplen Fotokopierverfahren entworfen, mit Zeitungsausschnitten, Fotos von MusikerInnen und dem unverwechselbaren Schriftzug eines Bandnamens versehen: \u201eEmbryo\u201c.<br \/>\nDer unscheinbare Mann hei\u00dft Christian Burchard und steht seit Jahrzehnten hinter dem Vibraphon und wackelt hippiem\u00e4ssig mit dem Kopf, w\u00e4hrend er die komplexesten Melodien spielt, die er aus dem afghanischen, pakistanischen, indischen, oder t\u00fcrkischen Musikraum rezitiert und mit seinem eigenen Krautjazzformat mischt. Die Band funktioniert im Grunde wie ein nat\u00fcrliches Biotop. Myriaden von talentierten MusikerInnen kommen und gehen. Die Besetzung ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig und ist immer wieder gespickt mit G\u00e4sten aus aller Herren L\u00e4nder, darunter Jazzgr\u00f6\u00dfen wie Mal Waldron und Charlie Mariano, oder junge Pophelden wie Nick Mc Carthy von Franz Ferdinand u.v.m.<br \/>\nSeit 1969 existiert die Band und ist seit je her mit demselben Eifer unterwegs, in Europa, Asien und Afrika, gibt seit Jahren ihr Wissen an musikinteressierte Menschen weiter und hat vor kurzem erst eine Antologie zum 40\u2019sten Bandbestehen auf Trikont herausgebracht, die \u00fcbrigens erstklassig geworden ist, wie so ziemlich alles, was ich bisher an Produktionen von Embryo bezogen habe (<a href=\"http:\/\/www.embryo.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.embryo.de<\/a>).<br \/>\nAber wozu erz\u00e4hle ich das alles denn? Im Grunde, wei\u00df ich doch, was jetzt die Mehrheit von euch denkt: \u201eEmbryo? Willst du uns jetzt was \u00fcber die alten Hippies erz\u00e4hlen?\u201c. Mit Verlaub ja &#8211; weil ich diese Phase der deutschen Musikgeschichte besonders interessant finde. Vor allem, wenn man sich mal ansieht, welche Rolle M\u00fcnchen in ihr spielte. Bands wie Ammon D\u00fc\u00fcl und Embryo sorgten regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Bewegung. M\u00fcnchen galt neben K\u00f6ln und Berlin als eine Hochburg des sogenannten Krautrock.<br \/>\nSo vergingen und vergehen die Jahre und Millionen von Stunden in den \u00dcbungsr\u00e4umen und Studios dieser Stadt. Viele von uns, kennen solche Typen, die seit Jahren tagein tagaus sich nur mit Musik besch\u00e4ftigen, sich freuen \u00fcber jeden kleinen Gig, an dem sie ihr K\u00f6nnen pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen und zufrieden sind mit ein paar Groschen f\u00fcr ihr Lebenswerk. Diese Menschen will ich an dieser Stelle mal w\u00fcrdigen, denn sie sind die Antriebsmotoren f\u00fcr das, was meiner Meinung nach zu den wichtigsten G\u00fctern einer modernen Kulturmetropole z\u00e4hlt (abgesehen davon, ob man M\u00fcnchen als eine solche sehen will, oder nicht), n\u00e4mlich die Livemusikkultur.<br \/>\nUm eine solche angemessen gedeihen zu lassen, bedarf es meiner Meinung nach nicht nur der B\u00fchnen und \u00dcbungsr\u00e4ume, sondern auch einer lebendigen Szene. Eine solche braucht Orte, an denen sie sich zuhause f\u00fchlt. Eine Umgebung, in der die Akteure nicht nur als Mieter, Darbieter und Dienstleister ihr Dasein fristen, sondern als ein wesentlicher Bestandteil einer ureigenen Stadtkultur, als Teil eines lebendigen Organismus gl\u00e4nzen k\u00f6nnen &#8211; eines Organismus, der st\u00e4ndig w\u00e4chst, wuchert, neue Triebe entwickelt. Orte, an denen man einfach mal sein kann, wer und was man ist.<br \/>\nOhne das gibt\u2019s eben keinen Planet Rock!<\/p>\n<p>Erschienen in der 13. Ausgabe des &#8222;Gaudiblatt&#8220; (September 2012)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gaudiblatt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.gaudiblatt.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich klein war gab es einen Charthit, der hie\u00df: \u201ePop Music\u201c. Ich wu\u00dfte nie von welchem Interpreten. War mir auch Wurst. Ich mochte den Song. 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