{"id":2435,"date":"2024-05-29T10:11:55","date_gmt":"2024-05-29T10:11:55","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=2435"},"modified":"2024-05-29T11:59:19","modified_gmt":"2024-05-29T11:59:19","slug":"die-flucht-vor-dem-eigenen-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=2435","title":{"rendered":"Die Flucht vor dem eigenen Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<p>Steht man im hier und jetzt, dann ist man r\u00fccksichtslos.<br>Denkt man st\u00e4ndig an seine Zukunft, dann lebt man nicht wirklich.<br>Besch\u00e4ftigt man sich mit Geschichte, dann ist man zu nichts n\u00fctze.<br>Versucht man alles ganzheitlich zu sehen, dann ist man \u00fcberfordert.<br>Denkt man an nichts von alledem, ist man oberfl\u00e4chlich.<br><br>Vielleicht hilft es ja, wenn man mal so und mal so lebt &#8211; also all die Perspektiven nacheinander, statt nur eine von ihnen, oder alle auf einmal? W\u00e4re das nicht schlauer? Aber dann wird einem sicher eine mangelnde politische Haltung vorgeworfen?<br><br>Irgendwo lauert immer ein Defizit.<br>Man lebt ja so oder so&#8230; &#8222;trotz&#8220;, oder sogar &#8222;erst recht&#8220; mit Defizit. Auf formeller Ebene nat\u00fcrlich nicht. Auf der Oberfl\u00e4che sieht es bei den meisten oft tip top aus, aber in unserem Inneren? Da kanns schonmal zugehen, wie in einem Steinbruch. Ich wage zu behaupten: je mehr man sich um seine Oberfl\u00e4che bem\u00fcht, umso schlimmer sieht es innen aus. Das ist im privaten kaum verkraftbar. In der Businesswelt zum Beispiel, da kann alleine der Gedanke an ein Defizit verheerende Auswirkungen haben &#8211; in Dimensionen, die das Egokonstrukt des*der Einzelnen ums zigfache \u00fcbersteigt. Ein spr\u00fcrbares, geschweige denn ein sichtbares Defizit kann in k\u00fcrzester Zeit das gesellschaftliche Gleichgewicht kippen! Und Schwupps sitzen wieder die falschen Leute im Europaparlament.<br><br>Deswegen: geht bitte w\u00e4hlen! Lasst uns die wenigen M\u00f6glichkeiten, die wir als Europ\u00e4er*innen haben, unsere Privilegien sinnvoll zu nutzen, nicht an uns vor\u00fcber ziehen. Geht europaw\u00e4hlen! Das ist der einzige Weg, Nazis das Maul zu stopfen: indem man w\u00e4hlen geht.<br><br>Es herrschen wieder einmal viele Kriege in der Welt. In Gaza werden Fl\u00fcchtlingscamps gebombt. Die Menschen sterben jeden Tag wie die Fliegen. Hier ein statistischer \u00dcberblick:<br><br><strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1417316\/umfrage\/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel\/\" target=\"_blank\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1417316\/umfrage\/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel\/<\/a><\/strong><br><br>F\u00fcr alle Whataoboutist*innen: die Statistik beinhaltet &#8222;alle&#8220; Opfer.<br><br>Es ereignet sich dort ein milit\u00e4rischer Einsatz gegen eine hochgef\u00e4hrliche terroristische Organisation, die man jedoch seit Jahrzehnten mit Hilfe von Subventionen aus Katar hochgep\u00e4ppelt hat mit der illusorischen Vorstellung, sie gegen eine demokratische politische Entwicklung in den pal\u00e4stinensischen Gebieten nutzen zu k\u00f6nnen. Wie schon so oft in der Menschheitsgeschichte geschehen, wendet sich das hei\u00dfe Eisen nun gegen einen selber. F\u00fcr einen r\u00fccksichtslosen Machtpolitiker wie Netanyahu ist das die einmalige Gelegenheit, sich \u00fcber die Einw\u00e4nde der Opposition im eigenen Land hinweg zu setzen und sie Mundtot zu machen &#8211; auch um schwerwiegenden Korruptionsvorw\u00fcrfen zu entgehen. Genau so funktioniert Machtpolitik seit jeher. Nichts hat sich ge\u00e4ndert. Julius C\u00e4sar hatte es damals in Gallien nicht anders gemacht. Der daraus resultierende Krieg wird nun ohne R\u00fccksicht auf die Bev\u00f6lkerung auf beiden Seiten gef\u00fchrt. Die eh schon strukturell schwache pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung leidet jedoch in einem kathastrophalen Ausma\u00df. Sie ist dem Bombenhagel komplett ohne Schutz ausgeliefert. \u00dcber 36.000 Menschen sind dort gestorben. Man stelle sich vor, das w\u00fcrde hier in Zentraleuropa innerhalb einer so kurzen Zeit passieren! Was w\u00e4re da wohl los?<br><br>Es ist unwirklich.<br><br>Nun erkl\u00e4ren einige europ\u00e4ische Staaten, sie w\u00e4ren dazu bereit eine Zweistaatenl\u00f6sung mit einem unanbh\u00e4ngigen Pal\u00e4stina zu akzeptieren. Im Shitstorm dagegen fallen Argumente wie: &#8222;Soll man die jetzt auch noch belohnen f\u00fcr ihren gewaltsamen terroristischen \u00dcbergriff?&#8220;. Nein! Man belohnt sie nicht, denn die Hamas ist ebenfalls gegen eine Zweistaatenl\u00f6sung. Die Hamas ist eine antisemitische radikale terroristische organisation, die Israel abschaffen will. Nun meine Frage: wie konnte man mit solchen Leuten \u00fcber Jahrzente kooperieren? Das alles ist m\u00f6glich, wenn man rein machtstrategisch vorgeht. Und diesen Vorwurf muss sich die israelische Regierung seit dem Tod Itzak Rabins leider gefallen lassen.<br><br>Es f\u00fchrt mich wieder zur\u00fcck zum Titel dieses Blogeintrages: das Gl\u00fcck. Wieder einmal zeigt sich, dass weder die gro\u00dfen Weltreligionen noch die auf Nationen basierende Weltordnung uns helfen, unser Zusammenleben zu regeln, denn sie fokussieren sich weniger auf das kollektive Gl\u00fcck, als viel mehr auf die kollektive Angst und vor allem auf die Schuld. Die Religionen m\u00f6gen meinetwegen Menschen auf individueller Basis helfen, mit ihrem Dasein im Universum klar zu kommen. Aber dar\u00fcber hinaus bieten sie wenig Visionen und L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Herausforderungen der Menschheit. Im Gegenzug okkupieren sie aber enormes materielles und ideelles Potenzial. <br><br>Wir ben\u00f6tigen ein v\u00f6llig neues Identifikationsmodell, dass sich l\u00f6st vom althergebrachten Machtkampf zwischen den abrahamitischen monotheistischen Lehren und den nationalidentit\u00e4ren Konstrukten. Stattdessen m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst einmal auf unser kollektives philosophisches Selbsverst\u00e4ndnis als Menschen zur\u00fcckbesinnen, das uns sp\u00e4testens seit Ende des 19. Jhd&#8217;s vollkommen abhandengekommen ist. Dieses menschliche Selbstverst\u00e4ndnis muss \u00fcber allem stehen.<br><br>Ein weiterer wichtiger Punkt ist die historische kontextualisierung, die gerade streng verteufelt wird. Es ist anscheinend respektlos und unangemessen, die politischen Vorg\u00e4nge der letzten Jahrzehnte &#8211; nicht nur im Nahen Osten &#8211; in einen historischen Kontext zu setzen. Das passt einigen Leuten und das betrifft nicht nur die aktuellen Konfliktparteien. Denn wenn man den histirischen Kontext sucht, dann erkl\u00e4ren sich wom\u00f6glich Konflikte eigentlich von selbst, deren Entstehung immer noch sehr diffus wirken. Die dominierenden politischen Kr\u00e4fte inklusive die Nachfolger der damaligen Achsenm\u00e4chte und Alliierten des 1. Weltkrieges m\u00fcssten dann zu ihrer politischen Verantwortung stehen, denn im 1. Weltkrieg wurde n\u00e4mlich so einiges verbockt, was uns jetzt weltpolitisch auf unsere empfindlichen humanistisch-westlichen F\u00fc\u00dfchen f\u00e4llt. Da will man nat\u00fcrlich nicht gro\u00df auffallen, denn das w\u00fcrde schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen &#8211; auch wirtschaftlich. Wesentlich einfacher ist es dann doch, weiter bomben zu lassen. In anbetracht dessen wiegt aus machtpolitischer Warte der Tod von \u00fcber 36.000 Menschen fast federleicht &#8211; vor allem, wenn es sich um die Bev\u00f6lkerung des Gazastreifens handelt, denn ob man es akzeptieren will oder nicht: aus der rassistischen Perspektive, die leider in den meisten K\u00f6pfen in Europa herrscht, ist ein Menschenleben dort wesentlich weniger Wert, als eines in der sogenannten &#8222;westlichen Welt&#8220;. Let&#8217;s face it!<br><br>Dessen sollte man sich bewu\u00dft sein. Jeden Tag!<br><br>Mein Herz ist schwer. Auch wenn ich es mir nicht ansehen lasse. Ich denke, da geht es vielen so gerade. Das geistreiche Schreiben f\u00e4llt mir deswegen schwer. Nehmt es mir also nicht \u00fcbel, wenn meine Blogeintr\u00e4ge seltener geworden sind in letzter Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steht man im hier und jetzt, dann ist man r\u00fccksichtslos.Denkt man st\u00e4ndig an seine Zukunft, dann lebt man nicht wirklich.Besch\u00e4ftigt man sich mit Geschichte, dann ist man zu nichts n\u00fctze.Versucht man alles ganzheitlich zu sehen, dann ist man \u00fcberfordert.Denkt man &hellip; <a href=\"https:\/\/triptown.de\/?p=2435\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sparks"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2435","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2435"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2435\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2442,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2435\/revisions\/2442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/triptown.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}