{"id":2236,"date":"2022-01-28T14:03:08","date_gmt":"2022-01-28T14:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=2236"},"modified":"2022-01-30T11:20:36","modified_gmt":"2022-01-30T11:20:36","slug":"der-unterschied-zwischen-wissen-und-begreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=2236","title":{"rendered":"Deutsche Lieblingsbegriffe Spezial: Begriffsstutzigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die weissen Jungs haben&#8217;s wieder mal begriffen. Bisher hatten sie&#8217;s ja auch schon immer begriffen, denn, wenn&#8217;s darauf ankam erkl\u00e4rten sie uns in langen, gr\u00fcndlichen Ausf\u00fchrungen, warum sie das N-Wort durchaus benutzen d\u00fcrfen und sollen. Jetzt hingegen erkl\u00e4ren sie dir genau das Gegenteil mit der selben klugscheisserischen \u00c4gide und suhlen sich in dem\u00fctiger Einsicht. Dabei reden sie genau so viel wie vorher, monologisieren herum und vor allem: sie erz\u00e4hlen nur von sich selbst.<\/p>\n<p>Im selben Atemzug problematisieren sie ihre Elterngeneration, w\u00e4lzen die Schuld auf diese ab, erkl\u00e4ren sich selbst zum Spezialisten und machen sich auf, um den vielgeschimpften konservativen &#8222;Alten Weissen Mann&#8220; abzuholen? Das heisst: die weissen Jungs k\u00fcmmern sich um die weissen Jungs. Alles gut, sollen sie tun. Das schlimme ist nur, wenn sie mich anrufen, um mich um Rat und meine Perspektive bitten. Dann wird&#8217;s haarig.<\/p>\n<p>Wenn ich ihnen aber aus reinem Gutmenschentum meine Perspektive erkl\u00e4re, dann unterbrechen sie mich mit dem unversch\u00e4mten Argument: ich w\u00fcrde monologisieren und w\u00e4re zu emotional.<\/p>\n<p>Dabei will ich dem guten Mann nur erkl\u00e4ren, dass er kein Halleluja-Superduper-Sonderfall ist, sondern dass es zigtausende von seiner Sorte gibt und wenn nur ein Bruchteil von denen bei mir anrufen w\u00fcrde, um pers\u00f6nlich gechoacht zu werden, dann h\u00e4tte ich richtig viel zu tun. vor allem aber versuche ich ihm nach zu legen, dass es sich lohnen w\u00fcrde, seine Fresse zu halten und zuzuh\u00f6ren, damit er endlich mal was begreift. Das kapiert er dann nicht und f\u00fchlt sich angegriffen.<\/p>\n<p>Meine Reaktion ist auch nicht wirklich Hip, muss ich gestehen. Aber ich bin eben auch nicht Hip. Wenn du bei mir anrufst, dann musst du auf sowas schon gefasst sein. Ich habe eben meine eigenen antirassistischen Therapiemethoden.<\/p>\n<p>Daraufhin sage ich: das ist total ok, dass du dich angegriffen f\u00fchlst&#8230;das musst du aushalten&#8230;Wissen und Begreifen sind rein funktional komplett unterschiedliche P\u00e4nomene. Ich steh eher auf begreiflich machen.<\/p>\n<p>Er sagt: Ja, ja, ok. Aber er begreifts trotzdem nicht. Vielleicht braucht er ein noch gr\u00f6sseres Leid, um dazu f\u00e4hig zu sein. Don&#8217;t know. Ist auch nicht mein Business. Ich hol lieber Leute ab, die ihr Leben lang unter dieser Ignoranz gelitten haben und dadurch keine Gelegenheit hatten, sich zu verwirklichen. Ob alt oder jung ist mir auch scheissegal.<\/p>\n<p>Liebe Mehrheitsgesellschaft: ich bin nicht euer &#8222;Antirassismus- und Hauptbahnhof-Spezialist&#8220;. Ich lebe auch nicht im Hauptbahnhofviertel. Ich lebe vielmer seit Jahrzehnten in einem geheimen Bunker unter dem Hauptbahnhof, wo ich auch geboren wurde. Euch erz\u00e4hle ich aber nat\u00fclich was anderes: Ihr findet mich in den Hipstercafes vom Glockenbach, wo ich seit \u00fcber 30 Jahren sozialisiert bin.<\/p>\n<p>Wenn ihr was \u00fcber die sogenannten &#8222;Anderen&#8220; erfahren wollt, dann geht zu ihnen und fragt sie. Sie fressen euch schon nicht. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, die freuen sich \u00fcber Besuch.<\/p>\n<p>Wenn ihr aber sagt. Nein, ihr k\u00f6nntet euch ja plump und falsch verhalten und die Menschen verst\u00f6ren, dann kann ich euch f\u00fcr ein Tageshonorar coachen. Der Kurs liegt noch gut: ca. 750 Euro (zzgl. MwSt.). Umsonst war gestern.<\/p>\n<p>Bussi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weissen Jungs haben&#8217;s wieder mal begriffen. Bisher hatten sie&#8217;s ja auch schon immer begriffen, denn, wenn&#8217;s darauf ankam erkl\u00e4rten sie uns in langen, gr\u00fcndlichen Ausf\u00fchrungen, warum sie das N-Wort durchaus benutzen d\u00fcrfen und sollen. 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