{"id":2174,"date":"2021-07-16T08:38:30","date_gmt":"2021-07-16T08:38:30","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=2174"},"modified":"2021-07-19T18:11:15","modified_gmt":"2021-07-19T18:11:15","slug":"wie-koennen-wir-den-kulturbetrieb-von-der-permanenten-dauerueberforderung-befreien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=2174","title":{"rendered":"Wie k\u00f6nnen wir den Kulturbetrieb in Deutschland von der permanenten Dauer\u00fcberforderung befreien?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn jemand aus deinem Freundeskreis einen Job im Theaterbetrieb erh\u00e4lt, dann sag schon mal leise Servus. Denn es wird lange dauern, bis du ihn oder sie mal wieder v\u00f6llig entspannt zu irgendeinem Anla\u00df treffen kannst. Diese Menschen arbeiten mindestens 60 Stunden in der Woche und ihre Gehirne sind im besten Falle in mindestens 100 einzelne Bereiche unterteilt, in denen die Synapsen rund um die Uhr f\u00f6rmlich gl\u00fchen! Sie sind kurz angebunden, haben ein Meeting nach dem anderen und die Positionen sind chronisch unterbesetzt. Es sei denn, es handelt sich um den real existierenden elit\u00e4ren Hochbetrieb: Staatstheater, oder Opernh\u00e4user. Da l\u00e4uft die Schose, denn da wird reingebuttert sowohl von staatlicher Seite, als auch \u00fcber Spenden durch unterst\u00fctzende Vereine und Dauerabonnements etc.. St\u00e4dtische Theater hingegen &#8211; haben sie auch noch so ein hohes Renomme\u00e9 &#8211; liegen mit ihren Budgets meist viel weiter darunter, jetzt w\u00e4hrend der Pandemie allemal. Budgets wurden gek\u00fcrzt, Zug\u00e4nge beschr\u00e4nkt und somit Einnahmen unterbunden (in den Fu\u00dfballstadien geht&#8217;s jedoch hingegen rund).<br \/>\nAuch Menschen, die sich auf selbst\u00e4ndiger Ebene mit Kunst, Kultur oder in der &#8222;Kreativwirtschaft&#8220; bet\u00e4tigen geht es nicht anders. Sie produzieren am laufenden Band und promoten sich selbst auf allen Kan\u00e4len, vor allem Online. Ein Post auf einer Social Media-Plattform dauert mindestens 10 Minuten. Wenn du auf z.B. auf 4 Social-Media-Kan\u00e4len unterwegs bist, dann sind das pro Post schon mal mindestens 40 Minuten. Wenn du 3 Posts am Tag abl\u00e4sst, dann sind das locker 2 Stunden. Hinzu kommt, dass man die Bilder erst mal im richtigen Licht schie\u00dfen, vorsortieren, bearbeiten und sich einen Text ausdenken, Namen, Markierungen und Hashtags recherchieren mu\u00df. Somit gehen wir mal von 3-4 Stunden t\u00e4glich aus, die man als engagierter Selfpromoter jeden Tag im Cyberspace abh\u00e4ngt- und da sind die rein privaten Meinungs\u00e4u\u00dferungen, Kommentarbattles und das liken von Posts von Freund*innen noch gar nicht inbegriffen.<br \/>\nUnd dann braucht man noch Zeit f\u00fcr die eigentliche Arbeit, die man macht: Musik, Malen, Schreiben, Publizieren, Theater, Tanz, whatever. Das nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch, mu\u00df man wissen. Und zu guter letzt mu\u00df man ja gesehen werden! Dazu braucht es Anl\u00e4sse, Veranstaltungen, Empf\u00e4nge, Parties, Preisverleihungen, Ehrungen, etc.. Sichtbarkeit ist das wertvollste Gut der heutigen Zeit.<br \/>\nLoops werden zur Lebensform. Standardm\u00e4\u00dfig haben deswegen das Handy griffbereit, um gegebenenfalls kurze Sequenzen aufzunehmen und sie Online im Loop laufen zu lassen. Das leben l\u00e4uft in Schleife. Der zynische Witz erleichtert einem die Existenz im absurden Pr\u00e4kariat. Ein Projekt jagt das andere. Wir bleiben, toll, originell, \u00fcberfordert und \u00fcberarbeitet.<\/p>\n<p>Ottonormalverbraucher*innen werden auf der Stra\u00dfe interviewt und antworten auf die Frage nach seiner\/ihrer Meinung zum Bedingungslosen Grundeinkommen mit: &#8222;Ja, aber dann w\u00fcrde doch niemand mehr wirklich arbeiten?&#8220;.<\/p>\n<p>Do you remember the days of slavery?<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/1xG6LtIwjxY\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn jemand aus deinem Freundeskreis einen Job im Theaterbetrieb erh\u00e4lt, dann sag schon mal leise Servus. Denn es wird lange dauern, bis du ihn oder sie mal wieder v\u00f6llig entspannt zu irgendeinem Anla\u00df treffen kannst. 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