{"id":1828,"date":"2019-08-05T11:58:17","date_gmt":"2019-08-05T11:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=1828"},"modified":"2019-08-05T19:14:34","modified_gmt":"2019-08-05T19:14:34","slug":"der-hass-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=1828","title":{"rendered":"Guckuk: Der Hass ist schon wieder da"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Zitat schwirrt gerade duch die Medienwelt:<\/p>\n<p>&#8222;Der Hass bricht nicht pl\u00f6tzlich aus, er wird gez\u00fcchtet. Alle, die ihn als spontan, oder individuell deuten, tragen unfreiwillig dazu bei, dass er weiter gen\u00e4hrt werden kann&#8220; (Carolin Emcke: &#8222;Gegen den Hass&#8220;).<\/p>\n<p>Die Vorstellung des gez\u00fcchteten Hasses ist ein imposantes Bild &#8211; und nat\u00fcrlich mitnichten ein neues. In Europa herrscht meiner Meinung nach kein Sinneswandel und auch kein Rechtsruck vor. Es ist lediglich die Manifestation einer ewigw\u00e4hrenden elit\u00e4ren Grundhaltung, die seit dem Entstehen der Nationalismen eine Qualit\u00e4t angenommen hat, die es erlaubt, Mikroeitelkeiten innerhalb von Landesgrenzen passgereicht hochzuskalieren und auf eine Masse von Menschen mit m\u00f6glichst einheitlichen Identit\u00e4tsfaktoren zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>So sehr wir auch die Vorz\u00fcge der franz\u00f6sischen Revolution genossen haben, d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass wir ihr auch die Qual des Nationalismus zu verdanken haben. Der Nationalismus ist die Hasszuchtanlage der Moderne und sie scheint auch noch in der Postmoderne ihre Funktion nicht zu verlieren. Man kann sich sicher sein, dass dieser Betrieb noch nie eingestellt wurde und auch nicht wird. Nein! Die Maschine l\u00e4uft im Hintergrund immer weiter, sie l\u00e4uft im Unterbewusstsein &#8211; auch in Friedenszeiten wie diesen -, w\u00e4hrend wir so banale Dinge tun wie Fu\u00dfball schauen, ins Theater oder ins Kino gehen, einkaufen, in den Urlaub fahren und unserer t\u00e4glichen Arbeit nachgehen.<\/p>\n<p>Wir sind die Masse, um die st\u00e4ndig geworben wird. Unsere Entscheidungen sind bestimmend! Nur sind wir uns dessen selten bewu\u00dft. Wir machen es uns gerne einfach. Wir lassen uns Apps programmieren, die uns vermeintlich Kommunikationsaufwand abnehmen, aber uns immer tiefer in ein Businessgeflecht hineinziehen, in dem wir als willf\u00e4hrige Umsonstdienstleister mi\u00dfbraucht werden. W\u00e4hrend Gro\u00dfkonzerne ein Vielfaches an Staatsbudgets im Jahr Umsetzen, glauben wir an die autonome Souver\u00e4nit\u00e4t unseres Staates. Aber uns ist nicht bewu\u00dft, dass in der heutigen Zeit kein Staat dieser Welt unabh\u00e4ngig agieren kann, es sei denn, er besitzt ein strategisches und milit\u00e4risches Machtmonopol.<\/p>\n<p>Dann stellt sich nat\u00fcrlich die Frage: Wer finanziert diese Macht? Reichen Steuereinnahmen aus, um eine milit\u00e4rische Macht zu etablieren, die den eigenen wirtschafltichen Einflussbereich kontrolliert? Wer zahlt diese Steuern, wenn es Google, Ikea, Microsoft und Apple nicht tun?<\/p>\n<p>Man weiss es nicht genau, aber zwischen 3000 und 6000 Wohnungen in Berlin geh\u00f6ren einem einzigen britischen Konzern. Das klingt im ersten Moment vielleicht banal, aber wenn man bedenkt, wieviele Immobilien diese Firma wohl auf der gazen Welt besitzt, dann kann einem schon schummrig werden. Vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Aufwand teilweise betrieben werden muss, um den Eigent\u00fcmer seiner Wohnung ausfindig zu machen und dass man bei der Recherche dazu schonmal um die halbe Welt gef\u00fchrt wird, dann wird&#8217;s allm\u00e4hlich sogar gruselig:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesspiegel.de\/lab\/das-verdeckte-imperium\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/interaktiv.tagesspiegel.de\/lab\/das-verdeckte-imperium\/<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/wem-gehoert.berlin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/wem-gehoert.berlin\/<\/a><\/p>\n<p>Die freie Marktwirtschaft hat es nie gegeben. Kapitalismus war immer schon auch der Kampf gegen die Freiheit, vor allem gegen die des Marktes. Es ging schon immer um Monopole. Wer mir da jetzt widerspricht, der versuche mal sein I-Phone zu nutzen ohne Apple-Id!<\/p>\n<p>Dies sorgt bei Leuten wie mir f\u00fcr Wut, aber auch f\u00fcr Neugierde. Ich versuche, mir der Hintergr\u00fcnde und Umst\u00e4nde des Unrechtes gewahr zu werden, um ein bewu\u00dfteres Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen, um mich so zu organisieren, damit meine t\u00e4glichen Entscheidungen nicht nur mir, sondern einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Menge an Menschen, die ebenfalls so wie ich benachteiligt werden, zugute kommen.<\/p>\n<p>Aber sehr viele Menschen erliegen in Anbetracht solch schockierender Einsichten einer nackten Existenzangst und suchen nach einem tragf\u00e4gigen seelischen Ger\u00fcst, dass ihr Selbstbild st\u00fctzt, ihr Selbstbewu\u00dftsein vor dem einbrechen bewahrt. Das tragische an der Sache jedoch ist, dass viele von Ihnen gar nicht so sehr in ihrer Existenz bedroht sind. Denn Deutschland gilt immer &#8222;noch&#8220; als eines der L\u00e4nder, in denen die Bev\u00f6lkerung in weitem Ma\u00dfe sehr wohl durch eine sozialstaatliche Gesetzgebung vor dem Allerschlimmsten bewahrt wird.<\/p>\n<p>Also stellt sich bei mir die Frage: geht es nun wirklich nur um eine existentielle Angst, wenn gr\u00f6\u00dfere Bev\u00f6lkerungsgruppen sich wieder mehr dem rechtslastigen Nationaldenken zuwenden, oder um etwas anderes? Spielt neben der Angst des Existenzverlustes vielleicht die Angst vor dem Identit\u00e4tsverlust sogar eine gr\u00f6\u00dfere Rolle?<\/p>\n<p>Wenn ja, dann stellt sich widerum die n\u00e4chste Frage: Worauf basiert unsere Identit\u00e4t denn, wenn sie so schwach besaitet ist? Womit identifizieren wir Europ\u00e4er uns denn? Wie sieht unser Selbstbild aus und in wie weit hat es eine ernstzunehmende reelle Substanz? Wenn wir so leicht in erbarmungslos banal funktionierende &#8222;Hassproduktionsmaschinen&#8220; hineingezogen werden k\u00f6nnen, wieweit ist es dann her mit unserer freiheitlich-aufgekl\u00e4rten Gesinnung? Ist die von einem Tag auf den anderen im Mittelmeer untergegangen mit all den Schlauchbooten?<\/p>\n<p>Das bezweifle ich. Ich glaube, dass wir schon seit l\u00e4ngerem unsere Werte auf einem breit angelegten Markt verkauft haben und irgendwie immer noch nicht wahrhaben wollen, dass wir \u00fcbermorgen schon in unserer Identit\u00e4tslosigkeit ersaufen k\u00f6nnen. Das Spiel um die Identit\u00e4t haben wir den Kleinkr\u00e4mern der Heimatfraktion \u00fcberlassen, denn die bedienen uns zuverl\u00e4ssig und sie verlangen uns nicht viel Aufwand und Reflektion ab.<\/p>\n<p>Sie sorgen daf\u00fcr, dass wir trotz allem unbek\u00fcmmert Netflix gucken k\u00f6nnen, um auf andere Gedanken zu kommen und uns vor der unertr\u00e4glichen Schwere der t\u00e4glichen News zu fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>Und irgendwie ist diese Form des Gewissenfreikaufens ja auch geil. Denn es ist n\u00e4mlich ein Doppelgesch\u00e4ft: Wir kaufen zwar unser Gewissen frei, aber gleichzeitig verkaufen wir es auch. Also ist es ja in gewisser Art ein Deal!<\/p>\n<p>Im Grunde jedoch verschenken wir es eigentlich&#8230;an die direkten Nachkommen der Nazis. Denn die waren meiner Meinung nach nie Weg. Sie waren immer da und haben beharrlich auf ihre M\u00f6glichkeit gelauert.<\/p>\n<p>Aber lauern k\u00f6nnen wir auch.<\/p>\n<p>Lauerst du mit?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Zitat schwirrt gerade duch die Medienwelt: &#8222;Der Hass bricht nicht pl\u00f6tzlich aus, er wird gez\u00fcchtet. Alle, die ihn als spontan, oder individuell deuten, tragen unfreiwillig dazu bei, dass er weiter gen\u00e4hrt werden kann&#8220; (Carolin Emcke: &#8222;Gegen den Hass&#8220;). 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