{"id":1755,"date":"2019-03-22T08:35:51","date_gmt":"2019-03-22T08:35:51","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=1755"},"modified":"2019-03-22T09:33:49","modified_gmt":"2019-03-22T09:33:49","slug":"marginalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=1755","title":{"rendered":"Marginalisierung?"},"content":{"rendered":"<p>Wie geht man heutzutage elegant mit Faschismusvorw\u00fcrfen um? Man kokettiert mit ihnen. So wie es letztens die israelische Justizministerin gekonnt vorgef\u00fchrt hat:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/kLlnZGj83vM\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Sie tritt selbstherrlich auf: ein bisschen Sex Appeal, ein bisschen Vanity Fair. Faschismus? Der Befriff wird ad absurdum gef\u00fchrt. Der Begriff ist dehnbar geworden. Wenn es den eigenen v\u00f6lkisch-identit\u00e4ren politischen Interessen dient, ist es kein Faschismus mehr. Er ist wie ein Parfum, das etwas markant riecht. Man kann sich immer mit dem individuellen Geschmack rechtfertigen, ja diesen sogar besonders in Szene setzen. Man hat ja schlie\u00dflich seit der Beendigung des letzten offiziell so genannten &#8222;Weltkrieges&#8220; fast 65 Jahre Zeit gehabt an den Geruchsnuancen zu arbeiten. <\/p>\n<p>Die Zeit ist reif, meine Damen und Herren! Der Weizen trennt sich wieder von der Spreu. Man sollte ab jetzt den Statements in seiner Umgebung aufmerksam Geh\u00f6r schenken. Mir kommt es so vor, als w\u00fcrde ich nun genau das versp\u00fcren, was ich bisher nur aus Geschichtsb\u00fcchern kannte. So muss es wohl fr\u00fcher auch gewesen sein: Faschistische, rassistische, frauen- und queerfeindliche Statements werden verharmlost, meist von Menschen, die es gar nicht so b\u00f6se meinen. Ganz im Gegenteil: es sind oft die, die sich ganz besonders um die Gesellschaft sorgen. Es sind die Sensibelchen, die lieben Menschen. Sie wollen nicht, dass es zu Schlagabtauschen kommt und nehmen \u00fcbereifrig die regulierende Position ein.<\/p>\n<p>Ja, sie empfinden sich als die liebensw\u00fcrdigen Streitschlichter und wollen jeder Seite gleicherma\u00dfen entgegen kommen. Das f\u00fchrt dazu, dass sie krasse Aussagen &#8211; vor allem aus rechtskonservativen Kreisen &#8211; relativieren. Wie zum Beispiel letztens den dummen Karnevalswitz der Parteivorsitzenden der CDU (die hoffentlich bald in den Annalen der Partei versinken wird), in welchem sie unverhohlen transgenderfeindliche \u00c4u\u00dferungen von sich gab. Es w\u00e4re gute alte Tradition, aktuelle Themen am politischen Aschermittwoch aufs Korn zu nehmen. Man d\u00fcrfe sich da nicht so aufregen.<\/p>\n<p>Es wird so getan, als handele es sich einfach nur um ein etwas komisch riechendes Parfum. Es ist auf keinen Fall Lebertran! Es ist eine Frage der pers\u00f6nlichen Pr\u00e4ferenz. Es w\u00e4re geradezu antidemokratisch, diesen speziellen Humor nicht als solchen anzuerkennen und stattdessen eine politisch b\u00f6swillige Aussage darin erkennen zu wollen. <\/p>\n<p>Ausserdem:<br \/>\n&#8222;Das ist Tradition! Politischer Aschermittwoch! Hallo!&#8220;<br \/>\n&#8222;Also ich mag die ja auch nicht besonders, aber in diesem Falle, muss ich sie wirklich in Schutz nehmen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Mit der \u00dcberbewertung solcher Lappalien, schadet man dem demokratischen Diskurs nur noch mehr.&#8220;<br \/>\n&#8222;Haben wir in diesem Land wirklich nicht ernstere Themen zu besprechen? Die Wirtschaft zum Beispiel.&#8220;<\/p>\n<p>Kaum ist die Diskussion einigerma\u00dfen abgeebbt, bringt jedoch der Chef der Jungen Union genau die Verunglimpflichungen, die seine Parteichefin noch als ironischen Aschermittwochsscherz abgetan hat, bei einer Ansprache auf dem JU-Deutschlandtagb in D\u00fcsseldorf. Diesmal ist kein Karneval und es ist auch kein Scherz. Der Knabe meint das Bitterernst:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=33214&amp;fbclid=IwAR0xfzcxCoIN8DVE8kvovZ-wJlaoG-2n1s1I0kPBR_89H3H-XCF1nHDg6KI\">https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=33214&amp;fbclid=IwAR0xfzcxCoIN8DVE8kvovZ-wJlaoG-2n1s1I0kPBR_89H3H-XCF1nHDg6KI<\/a><\/p>\n<p>Nein! Wir haben kein wichtigeres Thema! Rassismus, Faschismus, Marginalisierung von gesellschaftlichen Gruppen. Das sind die wichtigsten Themen weltweit! Und das wird sich auch so schnell nicht \u00e4ndern. Leider! Der Faschismus ist nicht nur ein Parfum, dass man ungeniert auftr\u00e4gt. Wir impregnieren uns gerade damit. Er verh\u00e4rtet unsere H\u00fclle und macht sie undurchl\u00e4ssig. Wir verlieren unsere Offenheit und vor allem unsere Menschlichkeit. Deswegen &#8222;m\u00fcssen&#8220; wir uns Tag f\u00fcr Tag damit auseinandersetzen. Er kommt schleichend und heimt\u00fcckisch. Mit jeder Ausnahme und Relativierung, ist er n\u00e4her an uns dran. Die unw\u00fcrdigste Art, den Kampf gegen ihn zu verlieren, ist das Eingelullt-Werden und danach von nichts gewusst haben, das Stille annehmen, obwohl man ja eigentlich gar nicht wollte und auch nie einer rechten Gesinnung angeh\u00f6rte, das &#8222;ja aber&#8230;&#8220; sagen.<\/p>\n<p>Viele wollen es nicht wahrhaben, aber die Zeit der offenen und ehrlichen Statements ist gekommen! Wir m\u00fcssen den Kampf mit diesen Umtrieben entschlossen aufnehmen! D\u00fcrfen uns nicht nur im stillen K\u00e4mmerlein unseren Teil denken, sondern wir m\u00fcssen uns \u00e4u\u00dfern. Das ist nicht peinlich. Es ist auch nicht peinlich, detaillierte Fragen zu stellen, genauer hinzugucken, f\u00fcreinander einzustehen.<\/p>\n<p>Wenn wir das jetzt nicht machen, dann werden wir das bald bitter bereuen!<\/p>\n<p>Keinen Fu\u00dfbreit dem Faschismus!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie geht man heutzutage elegant mit Faschismusvorw\u00fcrfen um? Man kokettiert mit ihnen. So wie es letztens die israelische Justizministerin gekonnt vorgef\u00fchrt hat: Sie tritt selbstherrlich auf: ein bisschen Sex Appeal, ein bisschen Vanity Fair. Faschismus? 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