{"id":160,"date":"2012-04-19T14:43:52","date_gmt":"2012-04-19T14:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=160"},"modified":"2012-08-02T21:50:48","modified_gmt":"2012-08-02T21:50:48","slug":"160","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=160","title":{"rendered":"Ein kleiner Streifzug durch eine meiner zwei Heimatst\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p>Das Konstantin Lips Kloster wird ca. 907 eingeweiht und war urspr\u00fcnglich eine Klosterkirche. Der Name r\u00fchrt von dem Bauherrn Konstantin Lips her, der einer der gro\u00dfen Flottenadmir\u00e4le des Byzantinischen Heeres war. Leider waren seine Nachfolger scheinbar nicht so erfolgreich, da sie es den Lateinern (also den Kreuzrittern) es erm\u00f6glichen, 1204 die Stadt dem Erboden gleich zu machen und auch diesen Bau stark zu besch\u00e4digen. Aber kurz nach der Lateinerherrschaft nimmt sich die Kaiserin Theodora ((gest. 1303, Gattin Michaels VIII. Palaiologos) des Gotteshauses an und stiftet einen S\u00fcdkirchenanbau, der als Grablege f\u00fcr ihre Dynastie dienen wird.<br \/>\nDas f\u00fcr Laienauge recht unscheinbar wirkende alte Gem\u00e4uer liegt direkt am Adnan Menderes Boulevard und wird seit der Eroberung der Stadt der St\u00e4dte durch Fatih Sultan Mehmet dem Eroberer unter dem Namen Fenari Isa als Moschee genutzt.<\/p>\n<p>Hier \u00fcbrigens der Links zu Google-Maps:<br \/>\n<a title=\"Konstantin Lips Kloster - Fenari Isa Camii\" href=\"http:\/\/http:\/\/maps.google.com\/maps?oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:en-US:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;q=fenari+isa+camii%2Bharita&amp;fb=1&amp;gl=tr&amp;hq=fenari+isa+camii&amp;cid=0,0,11079106005555239233&amp;ei=4hmQT9alMobJsgbA-tScBA&amp;sa=X&amp;oi=local_result&amp;ct=image&amp;ved=0CA4Q_BI\">http:\/\/maps.google.com\/maps?oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:en-US:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;q=fenari+isa+camii%2Bharita&amp;fb=1&amp;gl=tr&amp;hq=fenari+isa+camii&amp;cid=0,0,11079106005555239233&amp;ei=4hmQT9alMobJsgbA-tScBA&amp;sa=X&amp;oi=local_result&amp;ct=image&amp;ved=0CA4Q_BI<\/a><\/p>\n<p>Dieser Adnan Menderes, nach welchem der Boulevard benannt wurde, ist \u00fcbrigens ein ehemaliger Premier der T\u00fcrkischen Republik, dessen Regierung 1960 von einer Milit\u00e4rjunta weggeputscht wird. Er selber und zwei weitere Mitglieder des Kabinetts werden kurz darauf auf Yassi Ada (die flache Insel) im Marmara Meer erh\u00e4ngt. Ein trauriges Schicksal f\u00fcr einen Premier. Man kann sich denken, dass es zu dem Mann einiges zu sagen gibt. Er war ein gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger und der erste einer Reihe von neoliberalen Politikern, die der vermeintlich &#8222;freien Marktwirtschaft&#8220; T\u00fcr und Tor \u00f6ffneten und den Einzug in die t\u00fcrkische Wirtschaftspolitik erleichtert haben. Er hat Schulden aufnehmen lassen bei Onkel Amerika und frisches Kapital in die M\u00e4rkte str\u00f6men lassen.<\/p>\n<p>Das waren die 50&#8217;er. In dieser Zeit kamen all die Plymouths, Chryslers, Cadillacs und Dodges auf die Istanbuler Stra\u00dfen. Alte schwere, gem\u00fctliche, komfortable Karossen, von denen einige noch bis in die 90&#8217;er hinein als Dolmus (Sammeltaxi) benutzt wurden. In den 80&#8217;ern sah es in den Stra\u00dfen von Istanbul daher noch aus, wie auf Cuba, wo die Luxusfl\u00fcgelw\u00e4gen aus dem gelobten Land des Kapitalismus zur selben Zeit Einzug hielten.<\/p>\n<p>Die Insel Yassi Ada hat in der Zeit ihrer bisherigen Nutzung durch den Menschen nicht sonderlich vlel sch\u00f6nes erleben d\u00fcrfen. Ab der sp\u00e4tkaiserzeitlich-R\u00f6mischen Epoche (4. Jhd. n. Chr.) wurde sie als Verbannungsinsel f\u00fcr ungezogene Prinzen und Regimefeinde genutzt &#8211; weswegen die ganze Inselgruppe in Touristenf\u00fchrern immer noch als &#8222;Prinzeninseln&#8220; bezeichnet werden. Lange Zeit ungenutzt, wurde sie dann Anfang des 19. Jhd&#8217;s von einem englischen Diplomaten aufgekauft und sp\u00e4ter wieder verkauft, bis sie in die H\u00e4nde des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs geriet, das &#8211; wie oben schon erw\u00e4hnt &#8211; nur Unfug damit trieb. Jetzt steht sie wieder leer.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r war ja in diesem Land fast so etwas wie eine permanente Heuschreckenplage. 3 mal hat es in republikanischer Zeit geputscht. Aber die Staatstreiche in vorrepublikanischer Zeit sind kaum an allen 10 Fingern mehr abzuz\u00e4hlen. In osmanischer Zeit kosteten die Yanitscharen (eine Eliteeinheit des osmanischen Heeres &#8211; ungef\u00e4hr so wie die Pr\u00e4torianer in Rom) in Istanbul einigen Sultanen den Kopf.<\/p>\n<p>Das erste mal in der Geschichte des Landes stehen jetzt hohe Milit\u00e4rs gerade vor Gericht, und zwar auf Grund von vormals durchgef\u00fchrter und aktueller Putschversuche. Fast die ganze Heerleitung sitzt momentan im Knast und es werden immer mehr Offiziere und Gener\u00e4le. Die neue Regierung hat sich die Aufarbeitung der Vergehen des Milit\u00e4rstabs, sowie die Verhinderung aktueller Putschbestreben auf die Fahne geschrieben. Und derer gibt es anscheinend immer noch genug. Jeden Tag werden neue heimliche Waffendepots und Munitionsarsenale aufgedeckt. Die Nachrichtenmeldungen haben etwas surreales. Man f\u00fchlt sich in einem nichtenden wollenden schlechten B-Movie-Polit-Thriller, der mit den Genres Reality-TV und Standup-Comedy kokettiert.<\/p>\n<p>Der Berufszweig mit den n\u00e4chst-meistverhaftetsten Zugeh\u00f6rigen ist nat\u00fcrlich der der Journalisten. Die k\u00f6nnen hierzulande n\u00e4mlich richtig unangenehm werden. Einige von ihnen sind \u00e4u\u00dferst gewissenhaft und zielstrebig und schreiben interessante B\u00fccher, wie der soeben auf freien Fu\u00df gesetzte und gleich wieder mit Anzeigen \u00fcberh\u00e4ufte &#8222;Ahmet \u0218\u0131k&#8220;.<\/p>\n<p>Hier wird einem nie langweilig scheints.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Konstantin Lips Kloster wird ca. 907 eingeweiht und war urspr\u00fcnglich eine Klosterkirche. 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