{"id":1341,"date":"2016-07-20T17:38:16","date_gmt":"2016-07-20T17:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=1341"},"modified":"2016-12-14T17:48:53","modified_gmt":"2016-12-14T17:48:53","slug":"putsch-in-der-tuerkei-verschwoerungstheorie-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=1341","title":{"rendered":"Putsch in der T\u00fcrkei &#8211; Verschw\u00f6rungstheorie mit Ansage"},"content":{"rendered":"<p>Beinahe h\u00e4tte ich meinen zweiten Putsch in der T\u00fcrkei miterlebt. Beim letzten im September 1980 (Halleluja!) war ich gerade mal 11 Jahre alt. Ich kann mich noch genau erinnern. Mein Dad und ich waren mit dem geilen Alpha Romeo Giulia runtergefahren, den er damals gebraucht gekauft hatte. Der Klassiker mit dieser komischen Farbe auf der Karosserie &#8211; eine Mischung aus Taubenblau und Violett. Es war eine Wonne an Auto &#8211; \u00e4u\u00dferst sportlich! Mit dem konnte man mal ordentlich flitzen und das haben wir auch gemacht. Denn meine Oma war gestorben und wir mussten so schnell wie m\u00f6glich runter an die westliche Schwarzmeerk\u00fcste, wo sich unser Familiensitz immer noch befindet.<br \/>\nIch war ein vertr\u00e4umtes Kind und realisierte relativ wenig von all dem Trauerzeremoniell um meine Oma. Die ganze Zeit war ich nur draussen mit meinen Cousins, bis mein Onkel mit der Nachricht vom Putsch ankam. Tats\u00e4chlich fuhren dann relativ bald auch die Jandarmen in ihren Jeeps vorbei, mit MG&#8217;s in den H\u00e4nden.<br \/>\nIn der Folge konnte ich aus b\u00fcrokratischen Gr\u00fcnden nicht mit meinem Vater zur\u00fcckreisen und musste einige Tage bei meinem Onkel in Istanbul verbringen. Das war trist! Denn die Stra\u00dfen waren leer. Es bestand Ausgangssperre und ich sass oft auf dem Balkon und starrte in die leere Stadt.<br \/>\nGenau an diese Tristesse musste ich mich erinnern, als nun in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli die D\u00fcsenjets mit einem ungeheueren L\u00e4rm die Schallmauer durchbrachen und \u00fcber unsere K\u00f6pfe flogen. Mein Bruder und ich gingen auf Hamsterkauf und kamen uns ziemlich d\u00e4mlich dabei vor. Dann die Bilder mit den Bombardements aus Ankara. Es war eine unwirkliche Szenerie, in der wir uns von einem Moment auf den anderen befanden. Vor ein paar Stunden schlenderte ich noch in angenehmer Gesellschaft \u00fcber eine der Prinzeninseln: Heybeliada. Es war idyllisch und wundersch\u00f6n. Nach dem Abendessen kehrten wir mit der F\u00e4hre zur\u00fcck aufs asiatische Festland und pl\u00f6tzlich begann das Horrorszenario. Wir verbrachten fast die ganze Nacht vor dem Fernseher, betrachteten die best\u00fcrzenden Bilder und rechneten schon mit dem B\u00fcrgerkrieg, als es dann pl\u00f6tzlich Morgen wurde und alles vorbei war.<\/p>\n<p>Die Gentrifizierungsbaustellen liefen wieder auf hochtouren, die L\u00e4den waren ge\u00f6ffnet, keine Ausgangssperre, wie von den Putschisten angek\u00fcndigt, das beste Istanbuler Wetter. Vereinzelt knallten anscheinend noch Sch\u00fcsse am Atat\u00fcrk-Flughafen und in Ankara im Armeehauptquartier, die Putschisten, hohe Gener\u00e4le und Offiziere, wurden einer nach dem anderen Festgenommen. Bald kursierten Vorher-Nachher-Bilder von ihnen, auf denen sie &#8211; gefoltert und misshandelt &#8211; kaum mehr wiederzuerkennen waren. Diese waren wohl zumindest noch in die Verantwortung zu ziehen f\u00fcr ein Vergehen, dass sie selber geplant und durchgef\u00fchrt hatten. Die armen Rekruten der Panzerdivisionen jedoch &#8211; die einfache Soldaten waren, blutjung, unerfahren, einem bescheuerten Befehl blind gehorchend &#8211; wurden direkt vor laufenden Kameras misshandelt und gedem\u00fctigt. viele von ihnen wurden vom wild gewordenen Volksmob einfach gelyncht, denn Erdogan forderte alle B\u00fcrger dazu auf, auf die Strassen zu gehen und das Vaterland zu verteidigen. Er stilisierte die Gegenwehr gegen den Putsch zur Ehrensache und trieb seine Anh\u00e4nger massenweise auf die Strasse, mitten unter die Bomben- Granaten und Kugelhagel.<\/p>\n<p>Und diese waren dummdreist genug, um ihrem F\u00fchrer folge zu leisten. unglaubliche Szenen spielten sich ab. Menschen legten sich unter Panzerketten und wurden auch get\u00f6tet. Sie stellten sich &#8211; die t\u00fcrkische Fahne zu einer Art Superman-Umhang umfunktioniert &#8211; gegen die L\u00e4ufe der Soldaten.<\/p>\n<p>Aber all das schien die grosse Masse nicht mehr zu st\u00f6ren. Ganz im Gegenteil. Die Meute wurde nun angereichert durch Kinder, und Familienmitglieder und zog in Autokonvois hupend mit Fahnen durch die Strassen, um die Errettung der Demokratie zu feiern. Mir kams so vor, als w\u00e4re das die Kompensation f\u00fcr das fr\u00fche aus bei der Fussball-EM. Die fast 270 Toten und 1400 Verletzten juckten sie wohl nicht so sehr?<\/p>\n<p>Noch immer bin ich Fassungslos \u00fcber diese Eskalation der Gewalt und des Massenpopulismus. Noch erstaunter sind nat\u00fcrlich diejenigen, die\u00a0in diesem Land nicht\u00a0sozialisiert sind. Seitdem werde ich st\u00e4ndig um meine\u00a0fachm\u00e4nnische Meinung gefragt. Die will ich euch hiermit nicht vorenthalten:<\/p>\n<p>Also ich glaube tats\u00e4chlich, dass das ein paar hornochsige Gener\u00e4le und Offiziere waren, die vermutlich sogar wirklich der Organisation des gem\u00e4ssigten Predigers Fethullah G\u00fclen nahestanden, welcher sich ja bekanntlich seit Jahren in den USA &#8211; genauer gesagt in Pensylvania &#8211; befindet.<br \/>\nIch nenne diese Gener\u00e4le ganz bewu\u00dft &#8222;Hornochsen&#8220;, weil sie eigentlich h\u00e4tten wissen m\u00fcssen, dass ein Putschversuch in der jetzigen Zeit in der T\u00fcrkei zum Scheitern verurteilt ist.<\/p>\n<p>Warum? Weil n\u00e4mlich:<\/p>\n<p>1. Erdogan die Armee schon weitestgehend durch den Ergenekon-Prozess vor ein paar Jahren gestutzt und auf Linie gebracht hat.<br \/>\n2. Man schon zu dumm sein m\u00fcsste, um davon auszugehen, dass unter diesen Umst\u00e4nden subversive Handlungen und Treffen in der Armee nicht auffallen w\u00fcrden.<br \/>\n3. Man schon ultradumm sein muss, wenn man glaubt, dass man in der heutigen Zeit in der T\u00fcrkei sich noch auf die Solidarit\u00e4t der grossen Armeeverb\u00e4nde, wie die 1. Armee in Istanbul zum Beispiel, verlassen kann, ohne welche faktisch\u00a0noch kein einziger der 3 bisherigen Putsche der Republiksgeschichte gegl\u00fcckt ist.<\/p>\n<p>Und da kommen wir schon auch zu meiner Verschw\u00f6rungstheorie:<\/p>\n<p>Also ich glaube, dass man die Zelle schon lange ausgekundschaftet hatte und sie einfach machen liess, mit dem Plan, den Putsch kontrolliert eskalieren zu lassen, um ihn in Windeseile niederzuschlagen. Warum man sowas \u00fcberhaupt machen wollte? Was das bringe?<\/p>\n<p>Ganz einfach: Erdogan geht es ums Pr\u00e4sidialsystem. Er will alleine herrschen. Faktisch tut er das schon. Er will sich die Macht aber formell versiegeln lassen. Das ist ganz wichtig, wie man an den vorletzten Wahlen gesehen hat: ist die absolute \u1e3eehrheit weg, wackelt das ganze korrupte System wie Espenlaub. Also muss man es stabilisieren. Dies ist auch im Sinne einiger internationaler Kapitalkreise und f\u00fcr diese arbeiten nationale Geheimdienste.<\/p>\n<p>Also wenn jetzt das bekannte K\u00fcrzel f\u00e4llt, bitte nicht gleich die Augen verdrehen: ja ich sage CIA!!! Jetzt h\u00f6re ich schon einige von euch sagen: &#8222;in der Not immer auf die Amis&#8220;. Aber diese Emp\u00f6rung trifft vorne und hinten nicht zu. Der CIA ist meiner Meinung nach losgel\u00f6st zu sehen von den Amis. Es gibt keine nationalen Interessen mehr! Also arbeitet der CIA auch nicht f\u00fcr die Amis. Hat er vielleicht zu fr\u00fchen Nachkriegszeiten noch, aber ich denke, es geht hier um die internationale Mafia (haaaach wie sch\u00f6n verschw\u00f6rerisch!) und ihre Interessen.<\/p>\n<p>So wie lief die ganze Sache jetzt ab? Ich denke, dass die Idee bei den regelm\u00e4ssig stattfindenden geheimen Brainstorm-, bzw. Think-Tank-Treffen entwickelt wurde. Der t\u00fcrkische Geheimdienstchef steckte seinen Kopf zusammen mit den Kollegen vom CIA und man entwickelte etwas sch\u00f6nes. Erdogankritische Depechen aus dem Weissen Haus st\u00f6ren in der Zwischenzeit kaum, eignen sich wunderbar zum verdecken der Aktion.<\/p>\n<p>Man heckte also den Plan aus, und behielt w\u00e4hrenddessen die Putschisten \u00fcber interne Spitzel im Augenwinkel. Ich denke der Termin wurde dann der organisation tats\u00e4chlich von besagten Spitzeln mehr oder weniger aufgedr\u00e4ngt. Ich denke, dass sie den inneren Kreis der Putschisten relativ fr\u00fch unter ihre Kontrolle gebracht haben und nur noch auf den Knopf dr\u00fccken musssten. Diese Spitzel kamen meiner Meinung nach aus dem t\u00fcrkischen Geheimdienst, wurden aber im Hintergrund st\u00e4ndig vom CIA gebrieft.<\/p>\n<p>Der CIA war f\u00fcr die gezielte harte Arbeit zust\u00e4ndig. Ich denke die unbeleuchteten Cobra-Hubschrauber, die in v\u00f6lliger Dunkelheit \u00fcber dem Dach des Parlamentsgeb\u00e4udes rumgekurvt sind, waren besetzt mit mindestens jeweils einem Special Agent. Solche Stunt-Aktionen haben die T\u00fcrken schon auch drauf, aber die Pr\u00e4zision l\u00e4sst eher auf Hilfestellung von den starken Freunden schliessen.<\/p>\n<p>Von dieser Infiltration haben die Putschisten wohl keinen Wind bekommen. Die waren eher mit den Standarts besch\u00e4ftigt: Fernsehsender besetzen, Manifeste verlesen lassen, blutjunge ahnungslose Rekruten in ihr erbarmungsloses Verderben auf die Bosporusbr\u00fccke schicken, Gener\u00e4le entf\u00fchren etc.<\/p>\n<p>Jetzt fragt ihr euch: warum das Ganze?<\/p>\n<p>Frag ich mich auch!<\/p>\n<p>Man kanns doch eigentlich so gechillt haben ey! Die T\u00fcrkei Sonne, Mond und Sterne, Kebap, Bauchtanz und so&#8230;..<\/p>\n<p>Die T\u00fcrken sind halt bisschen unlocker, weisst. Die haben keinen Stock, sondern gleich nen ganzen Maibaum im Arsch. Den haben sie sich im 19. Jhd. von den Jungt\u00fcrken verpassen lassen.<\/p>\n<p>Und wie findet ihr meine Verschw\u00f6rungstheorie?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beinahe h\u00e4tte ich meinen zweiten Putsch in der T\u00fcrkei miterlebt. Beim letzten im September 1980 (Halleluja!) war ich gerade mal 11 Jahre alt. Ich kann mich noch genau erinnern. 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