{"id":1258,"date":"2016-05-17T17:38:59","date_gmt":"2016-05-17T17:38:59","guid":{"rendered":"https:\/\/triptown.de\/?p=1258"},"modified":"2016-05-17T20:08:15","modified_gmt":"2016-05-17T20:08:15","slug":"spur-zum-bernsteinzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/triptown.de\/?p=1258","title":{"rendered":"Wen zum Teufel interessiert eigentlich das Bernsteinzimmer?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1272\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/27-bernsteinzimmer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-image-1272 size-full\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/27-bernsteinzimmer.jpg\" alt=\"27-bernsteinzimmer\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/27-bernsteinzimmer.jpg 800w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/27-bernsteinzimmer-300x200.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/27-bernsteinzimmer-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-caption-text\">Bernsteinzimmer<\/p><\/div>\n<p>Jetzt stelle man sich mal vor, das Bernsteinzimmer w\u00fcrde gefunden werden. Irgendwo in Polen in einem bisher unentdeckt gebliebenen Nazibunker. Ich sag nur soviel: Preu\u00dfenk\u00f6nig Friedrich Wilhelm I hatte es dem Zaren Peter dem Gro\u00dfen 1716 geschenkt und die grie\u00dfgr\u00e4migen Nazis haben es im Zarenpalast Zarskoye Selo 1941 wieder demontiert und zur\u00fcck in die Heimat verfrachtet, wo die gesamte Ausstattung des Zimmers dann nach Kriegsende verloren ging.<br \/>\nIch kann mich noch erinnern, als ich in den 90ern auf einer Exkursion in Russland die Gelegenheit hatte, den Zarenpalast zu besuchen und wirklich zutiefst in meiner deutschen Seele getroffen war, als ich diese billigen Imitate an den W\u00e4nden des Zimmers sah, das fr\u00fcher so prunkvoll ausgestattet war.<br \/>\nWie weit das alles doch jetzt ist? Bernstein, K\u00f6nig Friedrich, Zar Peter, die Nazis und der ganze Muckefuck? Bernstein ist ja wundersch\u00f6n, aber eingebaut in diese riesigen Tafeln in so ein \u00fcberladenes Barockensemble? Das sieht doch scheisse aus, ganz ehrlich, als ob das Zimmer mit Kacke und Gold eingeschmiert w\u00e4r und zwischen drin so B\u00fcsten auf Sockeln und g\u00fcldene Leuchten und so&#8217;n kram. Wer braucht denn den Schmarrn ganz ehrlich? Das wollt ich nur mal gesagt haben, auch wenn das gerade nicht viele interessiert. Wie bin ich jetzt drauf gekommen? Ach ja. Alle reden \u00fcber Frauke Petry gerade, da dachte ich mir, ich mach mal ein anderes Fass auf. Is in die Hose gegangen ok.<\/p>\n<p>Apropos Frauke Dingsda. Die hat ja jetzt in M\u00fcnchen im Hofbr\u00e4ukeller gesprochen und der Wirt wollte in letzter Minute absagen. Alle fanden den Wirt ganz toll, weil man ihm gleich Zivilcourage andichten wollte. Dabei war der alles andere als mutig. Mit Frauke und der AFD hat der wohl am geringsten Probleme gehabt, sonst h\u00e4tte er ja Ende April nicht einen Vertrag mit denen unterzeichnet? Der hatte tats\u00e4chlich &#8211; nach eigener Aussage &#8211; Anst vor gewaltbereiten Gegendemonstranten! Das nur zur Info. Mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich&#8217;s so richtig nebens\u00e4chlich finde. Ich boykottiere den Laden schon seit langem und das rate ich auch sonst jedem\/r.<\/p>\n<p>Aber im Zuge der Promotour von Fraukelein gab es tats\u00e4chlich einen Vorfall in Landau, der mich wirklich \u00fcberrascht hat, nachdem ich ja in einem meiner letzten Eintr\u00e4ge, Landau als potentiellen Aufenthaltsort mindestens eines Sonderexemplares von niederbayerischen Hurens\u00f6hnen gedisst hatte (s. <a href=\"https:\/\/triptown.de\/?p=1241\" target=\"_blank\">https:\/\/triptown.de\/?p=1241<\/a>): Frauke hat also auch in Landau gesprochen und wurde tats\u00e4chlich mit frechen Anti-AFD-Flyern konfrontiert. Emp\u00f6rt wandte sie sich vor ihrer Rede an die H\u00f6rerschaft im Saal und forderte die Urheber der Flugbl\u00e4tter auf, sich pers\u00f6nlich dazu zu \u00e4u\u00dfern. Nach anf\u00e4nglichem z\u00f6gern, traten dann ein paar Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vor, erhielten von ihr das Mikrophon und lie\u00dfen anscheinend Statements ab, die inhaltlich den geistigen Horizont von dear Frauke so sehr \u00fcberforderten, dass sie die Jungs und M\u00e4dels kurzerhand von ihrer Security rausschmeissen liess. Also freue ich mich nun, berichten zu k\u00f6nnen, dass es in Landau mindestens 5 richtig coole arschtighte Kids gibt, die Grips in der Birne haben und das Herz am rechten Fleck! Big Up! (<a href=\"http:\/\/www.pnp.de\/region_und_lokal\/landkreis_dingolfing_landau\/2074438_Petry-in-Niederbayern-Landauer-Schueler-bieten-AfD-Chefin-die-Stirn.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.pnp.de\/region_und_lokal\/landkreis_dingolfing_landau\/2074438_Petry-in-Niederbayern-Landauer-Schueler-bieten-AfD-Chefin-die-Stirn.html<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_1264\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/40_tage.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1264\" class=\"wp-image-1264 size-large\" src=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/40_tage-1024x683.jpg\" alt=\"40_tage\" width=\"584\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/40_tage.jpg 1024w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/40_tage-300x200.jpg 300w, https:\/\/triptown.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/40_tage-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1264\" class=\"wp-caption-text\">40 Tage des Musa Dagh von Nuran David Calis im Residenztheater M\u00fcnchen 2016<\/p><\/div>\n<p>Zu guter letzt m\u00f6chte ich noch ein Theaterst\u00fcck ansprechen, zu dessen Premiere im Residenztheater M\u00fcnchen ich mich befand: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.residenztheater.de\/inszenierung\/die-vierzig-tage-des-musa-dagh\" target=\"_blank\">Die 40 Tage des Musa Dagh<\/a>&#8220; &#8211; eine mutige B\u00fchnenadaptation des gleichnamigen Romans von Franz Werfel aus dem Jahr 1932, inszeniert von Nuran David Calis, dem es erfreulicherweise weniger darum ging, die bedr\u00fcckende und gleichzeitgig epische Geschichte in einem dramatischen Theatermarathon auf die B\u00fchne zu bringen, als die tats\u00e4chlich relevanten Fragen, die uns heute &#8211; nach einem geschlagenen Jahrhundert &#8211; immer noch plagen und uns an ihren Antworten zweifeln lassen. Der Regisseur wagt trotzdem den m\u00fc\u00dfigen Schritt und l\u00e4sst seine Darstellerinnen und Darsteller sich zu eben diesen Antworten hinarbeiten. Was am Anfang die Bef\u00fcrchtung hochkommen l\u00e4sst, in Wiederholungsschleifen von m\u00fchsamen Monologen auszuarten, die ewig und immer wieder auftauchenden Themen erneut aufzuw\u00e4rmen und so dem eh schon niedergeschlagenen Gewissen des Besuchers aufzutischen, entpuppt sich durch einen genialen Geniestreich als eine Erleuchtung: die beiden Hauptprotagonisten sind tats\u00e4chlich armenischer () und t\u00fcrkischer Abstammung () und tats\u00e4chlich haben beide Familiengeschichten, die von ethnischer Repression und Verfolgung durch die jeweils andere Dominanzkultur gepr\u00e4gt sind.<br \/>\nIsmail Deniz stammt von einer Familie aus dem nordostanatolischen Erzurum. Seine Grosseltern wurden damals durch armenische Truppen, die sich mit den Russen solidarisierten, aus ihrem Dorf getrieben. Daron Yates stammt von einer armenischen Familie aus Anatolien ab, die ebenfalls &#8211; so wie viele &#8211; einer Verfolgung unterlegen ist. Durch das effektive Zusammenspiel von gut ausgew\u00e4hlten historischen Zitaten, die auch die Beteiligung der deutschen und alliierten Milit\u00e4rs und Politiker an diesem V\u00f6lkermord deutlich machen und nachgespielten Szenen aus Werfels Buch &#8211; alles \u00fcbrigens auch eindrucksvoll schauspielerisch gespielt und dargeboten durch die \u00fcbrigen Darstellerinnen und Darsteller -, entfaltet sich ein Erz\u00e4hlstrang, der dem Zuschauer, nach all der Verwirrung der verschiedensten Perspektiven die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, \u00fcbergreifende Empathie zu sp\u00fcren, ohne ihn nur in eine Deutungsformel einzuengen.<br \/>\nNuran David Calis ist sich anscheinend der vielen verschiedenen Perspektiven auf dieses schwierige Thema bewusst und hat diese auch zutiefst verinnerlicht, was auch seiner eigenen t\u00fcrkisch-armenischen Biographie geschuldet sein mag. Mit diesem St\u00fcck schafft er es nun tats\u00e4chlich, durch Nutzung einer schlanken Datendurchsetzung und dem sparsamem Einsatz von pathetischer Dramatik, das wesentliche im tiefen inneren unseres menschlichen Wesens anzusprechen. Er beweist damit, dass uns nichts \u00fcbrigbleibt, als mit all unserer Kreativit\u00e4t und Aufrichtigkeit immer wieder an diese schweren und erdr\u00fcckenden Inhalte zu wagen, ja dass sich dies auch lohnt und dankbar aufgenommen wird, wenn man sich nur der richtigen Methoden bedient und sich die Freude am Erz\u00e4hlen nicht nehmen l\u00e4sst. Die Karten sollen f\u00fcr die bisher ausgeschriebenen Vorstellungen schon Ausverkauft sein. Das schreit wohl nach weiteren Terminen?<\/p>\n<p>Darstellerinnen und Darsteller:<br \/>\nIsmail Deniz<br \/>\nFriederike Ott<br \/>\nMichaela Steiger<br \/>\nSimon Werdelis<br \/>\nDaron Yates<br \/>\nBijan Zamani<\/p>\n<p>Regie: Nuran David Calis<br \/>\nB\u00fchne: Irina Schicketanz<br \/>\nKost\u00fcme: Am\u00e9lie von B\u00fclow<br \/>\nMusik: Vivan Bhatti<br \/>\nLicht: Uwe Gr\u00fcnewald<br \/>\nDramaturgie: Angela Obst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt stelle man sich mal vor, das Bernsteinzimmer w\u00fcrde gefunden werden. Irgendwo in Polen in einem bisher unentdeckt gebliebenen Nazibunker. 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